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Ökologie

Neue Busse stinken Klimaschützern

Regensburger Umweltbündnisse kritisieren die neuen Dieselbusse. Ein Komplettumstieg auf E-Fahrzeuge geschieht nicht vor 2019.
Von Katharina Eichinger, MZ

Die Regensburger Verkehrsbetriebe (RVB) haben elf neue Omnibusse für ihren Fuhrpark gekauft. Foto: RVB

Regensburg.In Oldenburg fahren die Busse seit Herbst mit Erdgas. Auch Eindhoven und Helmond kehren dem Dieselbus den Rücken: Alle Busse in den niederländischen Städten werden elektrisch betrieben. Regensburg sorgte mit einer anders gerichteten Nachricht bei Klimaschützern für Aufruhr: Anfang März verkündeten die Regensburger Verkehrsbetriebe (RVB), dass sie elf neue Omnibusse für ihren Fuhrpark gekauft haben. Die Fahrzeuge sollen laut RVB den Anforderungen der Euro-6-Schadstoffnorm folgen. Sie legt Maximalwerte für Partikel- und Stickoxid-Emissionen von Fahrzeugen fest.

Weichen langfristig falsch gestellt?

„Fällt den Regensburger Verkehrsbetrieben und dem politisch verantwortlichen Stadtrat wirklich nichts Besseres ein, als mit einer Großinvestition in eine notdürftig verbesserte Dieseltechnik nicht nur die schlechte Regensburger Luft weiterhin zu belasten, sondern auch die Weichen für einen emissionsfreien Straßenverkehr langfristig falsch zu stellen?“, fragt ein Leser. Eine andere Leserin fordert, dass sich die Stadt umorientieren muss.

Auch das Regensburger Bündnis für Atomausstieg und erneuerbare Energien (BüfA-Regensburg) kritisiert den Kauf von Dieselbussen durch die Stadt. „Wir halten andere Antriebsmethoden wie Gas, Hybrid oder Elektro für sinnvoller“, sagt Ludwig Simek. Er geht darauf ein, dass die Stadt eigentlich eine Vorbildfunktion beim Klimawandel hat.

Die Busflotte der RVB

  • Einsatz:

    Beim Stadtbusverkehr der RVB kommen mehr als 130 Busse – davon 110 eigene – zum Einsatz. Alle Busse im Stadtverkehr verfügen über Bordcomputer mit elektronischer Haltestellenanzeige und -ansage.

  • Alter:

    Der älteste Bus der RVB, der aktuell im Einsatz ist, wurde im Jahr 2000 zum ersten Mal zugelassen.

  • Ausgemusterte Busse:

    Die ältesten Busse, die die RVB ausgemustert haben, stammen aus dem Jahr 1926.

  • Busfahrer:

    Etwa 265 Busfahrer lenken derzeit die Busse der RVB.

  • Neue Busse:

    Die RVB erweiterten ihren Fuhrpark im März um elf neue Busse. Darunter sind auch zwei Gelenkbusse mit 18 Metern Länge.

Aktuell sind fünf Midi-Elektrobusse – Fahrzeuge von acht bis zehn Metern Länge – auf verschiedenen Strecken in Regensburg zu Testzwecken im Einsatz. Ab April sollen sie die Altstadtlinie bedienen. Der E-Bus „Emil“ sei deutlich leiser und besser für die schadstoffbelastete Regensburger Luft als Diesel-Fahrzeuge, sagten die Verantwortlichen von der Stadt, als die „Emil“-Flotte Ende des vergangenen Jahres vorgestellt wurde. Die RVB erwarten, dass diese Erhebungen Ergebnisse für den Einsatz von E-Bussen in Regensburg liefern, sagt Koller.

Raimund Schoberer, Vorsitzender des Bund Naturschutz in Regensburg, unterstützt die Kritik des BüfA. „Fünf E-Fahrzeuge reichen nicht. Wenn wir wirklich vorwärtskommen wollen, müssen wir umstellen.“

Hier sehen Sie „Emil 1“ im Video:

Der erste "Emil" rollt durch Regensburg

Die Verkehrsbetriebe weisen die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen sei offen für Elektroantrieb, sagt Geschäftsführer Manfred Koller. Allerdings müsse das Ganze funktionieren und bezahlbar sein. „Wir würden heute schon gerne damit beginnen, unsere Busflotte schrittweise auf Elektroantrieb umzustellen, nur gibt es derzeit noch keine alltagstauglichen Elektrobusse“, sagt Koller. Zum Vergleich: „Emil“ ist etwa acht bis zehn Meter lang, ein Gelenkbus kann doppelt so lang sein und trotzdem in engen Straßen eingesetzt werden. Das Unternehmen sei im Kontakt mit Herstellern und tausche sich mit anderen Verkehrsunternehmen aus. Die RVB rechnen damit, dass Busse mit Elektroantrieb, die den Anforderungen des öffentlichen Personennahverkehrs gewachsen sind, frühestens ab 2019 in Serie gehen.

E-Bus ist doppelt so teuer

„Emil 1“ soll ab April durch die Altstadt rollen. Foto: xtl

Momentan koste ein batteriebetriebener Elektrobus in der Anschaffung etwa doppelt so viel wie ein moderner Euro-6-Dieselbus, sagt Lars Wagner vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen. Im täglichen Einsatz sei er lange nicht so zuverlässig. „Ein Dieselbus mit dem modernsten Euro-6-Abgasstandard stößt so wenig Emissionen aus, dass es teilweise kaum messbar ist“, sagt Wagner. Er sieht diese Fahrzeuge nicht als Teil des Problems, sondern als Teil der Lösung von Emissionsproblemen im städtischen Verkehr.

„Wir würden heute schon gerne damit beginnen, unsere Busflotte schrittweise auf Elektroantrieb umzustellen.“

Manfred Koller, Geschäftsführer der RVB

Simek vom BüfA fehlt der Wille der Stadt. „Regensburg könnte sich das (den Verzicht auf Dieselfahrzeuge, Anmerkung der Redaktion) leisten. Da hätten wir uns mehr erwartet.“ Er sieht im Bereich Umweltschutz eine verpasste Chance, da die neuen Busse wohl so schnell nicht wieder aus dem Betrieb genommen werden.

Diesel-Stinker sollten aus der Umweltzone ausgeschlossen werden, sagt unser Autor Heinz Klein.

Kommentar

Draußen bleiben!

Auch ich habe einen Diesel – wie sich herausstellte mit Schummelsoftware. Nun stinkt es mir gewaltig, einen Stinker zu fahren. Doch Stunk machen hilft...

Die hohen Feinstaub- und Stickoxidwerte sind ein Thema in Regensburg. In diesem Jahr lag Regensburg an 13 Tagen über dem Feinstaub-Grenzwert. Maximal 35 solcher Überschreitungstage darf es nach gesetzlichen Vorgaben geben. Die Stadt hat neben dem Feinstaub ein zweites Problem: Es sind die Stickoxide. Dieselmotoren liefern hier mit Grenzwert-Überschreitungen um das Doppelte bis Vierfache einen heftigen Beitrag. Regensburg lag bei den Stickstoffdioxiden in den letzten fünf Jahren viermal über dem Jahresgrenzwert.

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