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Montag, 20. November 2017 11

Empfang

Neujahrsrede: OB sorgt für Aufsehen

Joachim Wolbergs im Regensburger Rathaus spricht Klartext: Wer in Deutschland lebt, muss unsere Werte akzeptieren.
von Heike Haala, MZ

OB Joachim Wolbergs bei seiner Neujahrsrede: „Toleranz ist keine Einbahnstraße“. Fotos: Schönberger

Regensburg.Am Ende seiner Rede beim Neujahrsempfang der Stadt wurde Oberbürgermeister Joachim Wolbergs deutlich. Vor den 400 bis 450 geladenen Gästen im Historischen Reichssaal des Alten Rathauses nahm er zu den zahlreichen sexuellen Übergriffen und den Überfällen auf Frauen in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof Stellung. „Wenn sich wirklich Flüchtlinge unter den Tätern befinden, muss die Politik nun alles dafür tun, diese schnell auszuweisen oder hart zu bestrafen“, sagte Wolbergs.

Der OB sagte während der Neujahrsrede auch, dass Deutschland 200 000 bis 300 000 Flüchtlinge pro Jahr verkraften könne, nicht aber jedes Jahr 1,1 Millionen wie es in 2015 der Fall war. Damit befindet er sich auf dem Kurs des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU). Der fordert eine Obergrenze von 200 000 Flüchtlingen pro Jahr.

Lehner: „Unterstützung für CSU“

Michael Lehner, der Vorsitzende der Jungen Union im CSU-Kreisverband Regensburg, zeigte sich von Wolbergs’ Rede begeistert. Er sieht in dieser Aussage eine Unterstützung für die Forderung der CSU auf Bundesebene. So wollten Wolbergs’ Koalitionspartner diese Formulierung zwar nicht verstanden wissen, dennoch störten sich sowohl die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Margit Kunc, als auch Stadtrat Thomas Burger (SPD) an den konkreten Zahlen. „Damit hätte ich mich zurückgehalten, mit Zahlen wäre ich ganz vorsichtig“, sagte Burger. Kunc: „Zahlenspiele sind Quatsch.“

Die Wünsche für 2016

Der OB hatte zuvor eine Lanze für Toleranz gebrochen, die für ihn keine „Einbahnstraße“ ist. Er forderte die Regensburger dazu auf, den Menschen, die oft aus Kriegsgebieten flüchten, hiesige Werte sowie Sprache und die Kultur zu vermitteln. Dafür verlangte er auch: „Wer in Deutschland ist, muss unsere Werte, unsere Gesetze und unser Grundgesetz leben. Wer das nicht kann, hat bei uns nichts verloren.“

Auch das war ein markanter Teil der Neujahrsrede mit Aussagen, für die der OB viel Feedback bekam. Die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger lobte Wolbergs für seine deutlichen Worte und das Plädoyer für die Toleranz. Thomas Schöniger, Leiter der Polizeiinspektion Süd am Minoritenweg, gefiel die Rede, weil Wolbergs nicht nur auf die Regensburger Situation Bezug nahm, sondern auch auf die bundesweite. „Es kam schön rüber, dass sich alle in Deutschland an die Gesetze halten müssen“, sagte Schöniger.

Neben dem Thema „Flüchtlinge“ spielte auch der Neubau der Regensburger Synagoge und des jüdischen Gemeindezentrums eine große Rolle in der Neujahrsrede. Die finanzielle und ideelle Unterstützung der Gemeinde bei diesem Projekt sei eine Selbstverständlichkeit. Vor dem Historischen Reichssaal hatten die Mitglieder des „Fördervereins Neue Synagoge“ einen Stand aufgebaut, an dem sie Anstecker gegen Spenden verteilten und Infoblätter ausgaben. Auch bei diesem Thema wurde Wolbergs deutlich: Er werde alles dafür tun, um die jüdischen Bürger Regensburgs vor Antisemitismus zu schützen.

Neujahrsempfang der Stadt

Die Musik beim Empfang kam von der Schülerband des Albertus-Magnus-Gymnasiums, die vor und nach der Rede des OB spielte. Während seiner Rede machte Wolbergs eine Pause, in der drei syrische Flüchtlinge ein orientalisches Stück auf Geige, Laute und Tambourin präsentierten. Nach dem Auftritt ging der jüngste von ihnen, Fawaz Haidar Alsharani, ans Rednerpult im Historischen Reichssaal und bedankte sich für die Aufmerksamkeit des Publikums und dafür, dass ihn die Regensburger in ihre Stadt aufgenommen haben.

Die Flüchtlingskrise wird auch 2016 ein großes Thema bleiben. Video: TVA

Händeschütteln im Akkord

Vor der Neujahrsrede defilierten die geladenen Gäste an OB Wolbergs sowie den Bürgermeistern Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Jürgen Huber vorbei und überbrachten ihnen ihre Neujahrswünsche. Das Händeschütteln im Akkord endete in diesem Jahr 45 Minuten früher als im vergangenen Jahr. Zudem machte Bürgermeister Huber am Freitag Tempo in Sachen Smalltalk. Bei seiner Premiere als Bürgermeister auf dem Neujahrsempfang in 2015 hatte sich eine zweite Schlange aus Gästen vor Huber gebildet. Ganz anders am Freitag: Ein kurzes Gespräch, eine Umarmung – mehr gab es für die Besucher beim Defilee vom Grünen-Bürgermeister nicht. Deswegen blieb die Huber-Schlange nahezu aus. Erst ganz zum Schluss, als absehbar war, dass das Defilee nun bald zu Ende ist, stand wieder eine Reihe aus drei bis vier Menschen vor Huber.

Lesen Sie hier den LiveBlog vom Neujahrsempfang:

Der Neujahrsempfang in Zahlen

  • 400 bis 450 Gäste:

    So viele Besucher sagten ihr Kommen beim Neujahrsempfang der Stadt im Alten Rathaus zu. Etwa 100 Geladene erteilten der Stadt eine Absage. Damit liegt die Besucherzahl unter der von 2015. Zum ersten Neujahrsempfang von OB Joachim Wolbergs kamen 500 Gäste.

  • Eineinhalb Stunden:

    Das Defilee vor den drei Regensburger Bürgermeistern begann bereits um 10.15 Uhr und endete um 11.45 Uhr. Damit aber immer noch eine Dreiviertelstunde früher als das Defilee im Jahr 2015. Damals konnte der OB erst gegen 12.30 Uhr mit seiner Rede beginnen.

  • 5500 Euro:

    Diesen Betrag legte die Stadt für den Neujahrsempfang auf den Tisch. Dafür orderte sie das Catering, die Soundanlage, die Lichttechnik und lieh sich Instrumente für die Musiker aus. Die Einladungskarten druckte die Stadt selbst, der Blumenschmuck kam vom Stadtgartenamt.

  • Null Seiten:

    Wolbergs hielt seine Rede frei und hatte kein Manuskript vor sich liegen. Sein Vorgänger Hans Schaidinger dagegen war dafür bekannt, bis zur letzten Minute an seinen Worten für den Neujahrsempfang zu feilen. Bei seinem letzten Empfang gab er diese Reden als Sammelband heraus.

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