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Sonntag, 25. Juni 2017 27° 4

Verkehr

Bau der Regenbrücke weiter verzögert

Alleine die Datenerhebung für das Umweltgutachten wird ein Jahr dauern. Zudem könnten seltene Arten das Projekt gefährden.
Von Heike Haala, MZ

Hinter der Gärtnerei Hauner soll die Sallerner Regenbrücke einmal entstehen. Der Bau wird sich länger verzögern als bisher angenommen. Foto: Lex

Regensburg.Die ohnehin schon staugeplagten Regensburger Autofahrer müssen jetzt ganz stark sein: Der Bau der Sallerner Regenbrücke wird sich noch mehr verzögern, als bisher angenommen. Verkehrsexperten gingen bisher von etwa einem Jahr zusätzlicher Verzögerung durch die Notwendigkeit der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) aus. Wie viel Zeit das vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) geforderte Gutachten genau in Anspruch nehmen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt aber noch vollkommen unklar.

Dr. Robert Feicht, der Pressesprecher der Regierung der Oberpfalz, sagt, dass alleine die Datenerhebung für dieses Gutachten ein Jahr dauern wird. Dazu wird die Natur im Planungsgebiet ganz genau unter die Lupe genommen. Wie viel Zeit die anschließende Anhörungsphase in Anspruch nehmen wird, das kann er jetzt noch überhaupt nicht absehen. Umso deutlicher ist dafür nun, dass Pendler und Zulieferer den Regensburger Dauerstau noch eine ganze Weile ertragen werden müssen.

Weitere Projekte anhängig

Das Fatale an dieser Situation: Die Sallerner Regenbrücke ist das am dringendsten benötigte Verkehrsprojekt in Regensburg. Sie würde nicht nur das strapazierte Regensburger Straßensystem entlasten, sondern auch Pendlern viel Zeit sparen und andere Planungen wie die für die Sanierung des Pfaffensteiner Tunnels oder die Parallelbrücken bei Pfaffenstein ermöglichen. Seit der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) Ende November monierte, dass den Planungsunterlagen für die Brücke eine UVP fehlt, herrscht aber Stillstand in Sachen Sallerner Regenbrücke – und bei den Planungen der von ihr abhängigen Verkehrsprojekte.

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Mit dem vom VGH angemahnten Gutachten soll geklärt werden, welche Auswirkungen die Baustelle und die Sallerner Regensbrücke selbst auf die Menschen, die Tiere, die Pflanzen, die biologische Vielfalt, den Boden, das Wasser, die Luft, das Klima oder auch die Landschaft haben werden. Bis dies überprüft ist, wird aber noch einige Zeit vergehen. Denn derzeit sind die Zuständigen am Staatlichen Bauamt und die Mitarbeiter der Stadt- und Umweltplanung GbR „Anuva“ aus Nürnberg damit beschäftigt, herauszufinden, welche Daten sie für die UVP nun genau erheben müssen.

Diese Dinge spielen eine Rolle

  • Tiere und Pflanzen:

    Muss ein Bauträger eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) erstellen lassen, wird dabei auch überprüft, welche Tiere und Pflanzen im zukünftigen Baugebiet leben. Sollten sich seltene oder gefährdete Arten darunter befinden, können diese so ein Bauvorhaben gehörig ins Wanken bringen.

  • Bauphase:

    Eine entscheidende Frage ist auch, wie die Bauphase eines Projekts verlaufen wird. Soll es der UVP standhalten, muss bei der Planung einiges beachtet werden: Wo rollen die Bagger an, wie verlaufen die Zufahrten für die Baufahrzeuge und welche Auswirkungen hat das auf die Umwelt.

  • Bauprojekt:

    Zudem spielt das Projekt selbst – in diesem Fall also die Sallerner Regenbrücke – eine große Rolle bei einem solchen Gutachten. Es muss unbedingt geklärt werden, welche konkreten Effekte ein Bauwerk auf sein Umfeld haben wird, wenn es erst einmal fertiggestellt ist.

  • Lebensraum:

    Im Rahmen dieses Gutachtens wird auch überprüft, welche Rolle das beplante Gebiet als Lebensraum für die Menschen hat. Eine Frage, der dabei auf den Grund gegangen wird, ist beispielsweise, ob mit dem Bauvorhaben massiv in beliebtes Naherholungsgebiet eingegriffen wird. (la)

Basis für diese Untersuchung ist eine 43-seitige Studie zur Umweltverträglichkeit der Brücke, die die Regierung für die Planungsunterlagen erstellen ließ und die zu dem Ergebnis kommt, dass die UVP eben nicht notwendig ist. Deswegen hat die Regierung der Oberpfalz damals darauf verzichtet, das Gutachten zu erstellen. Jetzt müssen diese Unterlagen laut Feicht aktualisiert und etwa um ein lufthygienisches Gutachten oder Bestandserhebungen von Pflanzen und Tieren ergänzt werden. „Die Aktualisierung der Erhebungen von Flora und Fauna bedürfen den Zeitraum einer Vegetationsperiode“, sagt Feicht.

Erst wenn diese Unterlagen vorliegen, ist auch klar, ob es im Baugebiet der Sallerner Regenbrücke besonders seltene Pflanzen- oder Tierarten gibt, die das Projekt verhindern könnten. Anuva-Geschäftsführer Klaus Albrecht wollte sich von unserer Zeitung nicht in die Karten sehen lassen, welche konkreten Schritte er bei dem Gutachten für notwendig hält oder ob er bereits Tiere im Umfeld des Baugebiets im Blick hat, die das Projekt zusätzlich gefährden könnten.

Suche nach seltenen Arten

Dafür äußert sich Dr. Annett Weiß. Sie betreibt selbst ein Umweltbüro in Sachsen und hat schon bei mehreren UVPs als Gewässerspezialistin mitgearbeitet. Sie weiß, dass damit auch Tier- und Pflanzenzählaktionen ins Haus stehen. Jetzt gelte es herauszufinden, welche Arten im Planungsgebiet leben. Besonders hellhörig wird sie, wenn sie bei diesem Arbeitsschritt etwa seltene Libellen, Fledermäuse oder Laufkäfer entdeckt.

Mit dem Klageverfahren beim VGH befindet sich die Sallerner Regenbrücke übrigens in der prominenten Gesellschaft anderer blockierter Verkehrsprojekte. Pressesprecher und Richter Dr. Klaus Löffelbein sagt, dass beim VGH derzeit auch die Verfahren für den Frankenschnellweg oder die dritte Startbahn am Münchner Flughafen anhängig sind.

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