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Mobilität

Stadt kassiert fürs Parken am Stadion

Noch bewirbt der Betreiber die kostenlosen Parkplätze in Regensburg – damit die Leute dort auf den Bus umsteigen.
Von Julia Ried, MZ

Auf dem Pendlerparkplatz und der Park-and-Ride-Anlage an der Continental Arena ließ die Stadt Parkautomaten aufstellen. Foto: Lex

Regensburg.Die Altstadt vom Autoverkehr zu entlasten, ist erklärtes Ziel der Stadt. Darauf weist die Verwaltung etwa in einer Beschlussvorlage zum Parken in der Innenstadt hin, das demnächst Thema im Stadtrat sein soll. In diesem Sinne hatten die Regensburger Badebetriebe (RBB), die die Parkplätze an der Continental Arena betreiben, besonders im Advent dafür geworben, dass Autofahrer ihren Wagen am Unterislinger Weg abstellen und den Bus in die Stadt nehmen; der war vor Weihnachten ebenfalls kostenlos. Bald ist dort draußen nichts mehr gratis: Das Parken auf der Park-and-Ride-Anlage mit 280 Stellplätzen östlich des Stadions und dem Pendlerparkplatz mit 260 Stellplätzen westlich davon soll auf Weisung der Stadt kostenpflichtig werden.

Gratis-Plätze wären ein Anreiz

Nutzer der Parkplätze und engagierte Regensburger, die sich für weniger Autoverkehr durch die Stadt einsetzen, sind enttäuscht. So übt Wolfgang Bogie vom Kreisverband Regensburg des ökologischen Verkehrsclubs Deutschland Kritik an der Entscheidung der Stadt. „Da sollte von der Idee her das Parken umsonst sein. Man will ja einen Anreiz setzen, dass die Leute Fahrgemeinschaften bilden oder in den öffentlichen Nahverkehr umsteigen.“

Auch Johann Brandl vom Bürgerverein Süd-Ost, der beim Bau der Arena hoffte, die Parkplätze dort würden das Galgenbergviertel verkehrsmäßig entlasten, fürchtet eine abschreckende Wirkung. Nötig ist seiner Meinung nach „ein vernünftiges Angebot“. „Wenn man etwas verlangt, sollte ein kostenloses RVV-Ticket für die Innenstadt dabei sein.“

Die Parkautomaten an der Continental Arena stehen schon. Foto: Ried

Voraussichtlich ab April sollen diejenigen, die die Parkplätze der Continental Arena zu spielfreien Zeiten nutzen, zahlen, sagte uns RBB-Sprecher Martin Gottschalk. „Ursprünglich war der Gedanke, den Parkplatz kostenlos zur Verfügung zu stellen‘“, teilte er mit. „Seitens des Regiebetriebs, der die Stadt Regensburg vertritt, wurde allerdings an uns die Anforderung herangetragen, dass der Parkplatz im Sinne einer vorgeschriebenen Gewinnerzielungsabsicht gebührenpflichtig gemacht werden müsse.“ Ein Tagesticket soll einen Euro kosten, eine Monatskarte 20.

Ärgerlich finden das die Pendler Erwin Greil, Erich Katzensteiner und Johannes Auburger; die drei Männer aus dem Landkreis Regensburg arbeiten als Entwicklungsingenieure beim Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen AG in Passau und pendeln täglich dorthin, auf dem Pendlerparkplatz bei der Continental Arena trifft sich die Fahrgemeinschaft. Nun kündigt der 59-jährige Katzensteiner an: „Wir werden uns etwas anderes suchen.“ Auburger (36) sagt: „Ich find’s enttäuschend. Da tut man sich zusammen. Und sowas wird dann ausgebremst.“ 440 Euro zusätzlich im Jahr kämen auf die Fahrgemeinschaft zu, wenn die Kollegen weiterhin an der Continental Arena parken, rechnet Greil (57) vor – die Umlandgemeinden stellten dagegen kostenlose Pendlerparkplätze an der Autobahn zur Verfügung.

Neues Parkraumkonzept

  • Gebühren:

    „Die Parkgebühren können und müssen angehoben werden, um Anreize zur verstärkten Nutzung des Umweltverbunds zu schaffen“, heißt es in dem Strategiekonzept, das am Dienstag Thema im Planungsausschuss war. In der Altstadt West und Ost sollen sie auf 1,50 Euro pro Stunde verdreifacht werden, in der restlichen Altstadt und der Innenstadt verdoppelt (2 Euro und 1 Euro pro Stunde).

  • Neue Zonen:

    Die Stadt will im Zuge der Umsetzung der Strategie – der Zeitplan ist noch offen – kostenpflichtige Zonen auf die Innenstadt-Peripherie ausdehnen. Parkscheine könnten künftig etwa auch im Bereich Steinweg und in der südlichen Innenstadt – etwa zwischen dem alten Jahnstadion und dem Stobäusplatz – gelöst werden müssen. Dafür sollen die Stellplätze in der Altstadt reduziert werden.

Eine Gebühr von einem Euro pro Tag sei günstig, findet dagegen Verwaltungsreferent Karl Eckert, kaufmännischer Leiter des städtischen Regiebetriebs Continental Arena, in dessen Auftrag die RBB die Anlage betreiben. „Das ist billiger, als wenn man direkt mit dem Auto in die Stadt fährt“, sagte er. Für abschreckend halte er die Parkkosten deshalb nicht. „Marginal“ verringerten die zu erwartenden Einnahmen das Defizit der Sportstätte von etwa vier Millionen Euro im Jahr. Das sei aber nicht der Hauptgrund für die Aufstellung der Automaten. „Wir müssen aus steuerlichen Gründen alles, was wir im Stadion machen, mit Gebühren versehen. Sonst wäre auf sämtliche Herstellungskosten Mehrwertsteuer zu zahlen.“ Verzichte die Stadt auf die Parkeinnahmen, würden steuerliche Nachzahlungen fällig.

Nürnberger Anlagen kostenlos

Im Vergleich mit größeren Städten ist die bald gebührenpflichtige Park-and-Ride-Einrichtung nicht günstig. Ausweislich der Preisliste von Park und Ride München kostet das Parken auf Anlagen in der Millionenstadt zwischen 0,50 Euro und 1,50 Euro am Tag. Für Pendlerkarten für einen Monat werden abhängig vom Standort höchstens 17 Euro fällig; für den Höchstpreis kann der Nutzer seinen Wagen recht innenstadtnah abstellen, etwa in Obersendling. Das Parken auf den Nürnberger Park-and-Ride-Anlagen, die die dortige Verkehrsgesellschaft auf ihrer Internetseite auflistet, ist mit Fahrkarte gratis.

Auf der Regensburger Park-und Ride-Anlage West auf der Überdeckelung der Autobahn bei der Ausfahrt Prüfening zahlen Nutzer für das Abstellen ihres Autos und das Busticket drei Euro am Tag beziehungsweise fünf Euro für zwei bis fünf Personen. Auch für den Park-and-Ride-Platz am Stadion plant der Regensburger Verkehrsverbund so eine Kombi-Lösung, wie uns Betriebsleiter Frank Steinwede Auskunft gab. „Allerdings muss das Ticket klar einen Anteil für das Parken beinhalten“, sagte Verwaltungsreferent Eckert. Es müsste dann also wohl mehr kosten als einen Euro am Tag.

Parkplätze in Regensburg finden Sie auf MittelbayerischeMaps:

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  • MP
    Max Prechtl
    23.03.2017 13:03

    hallo liebe Regensburger, ich wohne im Landkreis Schwandorf und fahre bisher gerne nach Regensburg zum Einkaufen oder zu kulturellen Veranstaltungen. Regensburg bekommt das allgemeine Verkehrs-Chaos nicht in den Griff und will jetzt auch noch Parkgebühren verlangen, obwohl ich mit dem Busfahren den Verkehr insgesamt entlasten würde. Regensburg werde ich deshalb meiden ! Und wenn es unbedingt sein muss, dann parke ich irgendwo in einem Wohngebiet mit Bushaltestellen. Ist das im Sinne Eurer Bürger, die dann neben ihren überteuerten Wohnungen noch weniger Parkplätze finden ? Was fällt Euch als nächstes ein ? Parkgebühren im Parkplatz am Lappersdorfer Kreisel ? Schöne Grüße !

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