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Kritik

Zirkus klagt über ungerechte Behandlung

Zirkus Voyage, der mit 80 Tieren in Regensburg gastiert, fühlt sich verunglimpft. Stadträte machten sich selbst ein Bild.
Von Angelika Lukesch, MZ

Rundgang im Zirkus Voyage. (Von links)Christian Janele, Erich Tahedl, Diane Spindler, Sascha Grodotzki.

Regensburg.Der Zirkus Voyage hatte am Freitag die Regensburger Stadträte auf das Zirkusgelände eingeladen, um in höchstmöglicher Transparenz über all das zu sprechen, was dem Zirkus von Tierschützern vorgeworfen wird. 51 Frauen und Männer sitzen im Regensburger Stadtrat.

Über den Antrag der Linken am 30. Juni 2016, Zirkusse mit Wildtier-Haltung in Regensburg komplett verbieten zu lassen, wurde im Ausschuss für Verwaltung, Finanzen und Beteiligungen befunden. Mit einer knappen Mehrheit von sieben zu sechs Stimmen wurde der Antrag der Linken abgelehnt. Von den 51 Stadträten hatten nur zwei, Erich Tahedl (CSU) und Christian Janele (CSB) Zeit, der Einladung des Zirkus Voyage zu folgen.

Keine Antwort erhalten

„Wir haben auch die Stadträte der Linken, die den Antrag gestellt hatten, eingeladen, damit sie sich selber ein Bild machen können. Aber wir haben nicht einmal eine Antwort erhalten“, sagt Sascha Godotzki, Pressesprecher des Zirkus. Die Zirkusleute sind enttäuscht und auch verzweifelt. Verzweifelt deswegen, weil ihnen ein Überleben als reisender Zirkusbetrieb, wie sie betonen, immer schwerer und schwerer gemacht werde. „Dabei befolgen wir alle Gesetze.

Es gibt nichts an unserer Tierhaltung auszusetzen, wir melden uns an, wir zahlen unsere Steuern, wir tun alles, um korrekt zu sein. Trotzdem werden wir von sogenannten Tierschützern beschimpft. Dabei bringen die ihre Hunde an der Leine zur Demonstration mit und geben ihnen bei dieser Hitze kein Wasser. Da fragt man sich schon, wo der Tierschutz bleibt“, sagt Grodotzki. Es sei nicht sehr angenehm, wenn die Demonstrationen der Tierschützer direkt vor der Eingangstür stattfänden, mein Grodotzki, aber man arrangiere sich. „Wir reagieren nicht mehr darauf, denn das gibt nur Ärger. Und wir wollen keinen Ärger“, sagt der Pressesprecher.

„Es ist immer schwieriger, als Zirkus zu überleben und das nicht nur finanziell. Wir werden oft wie Menschen zweiter Klasse behandelt, dabei tun wir doch nichts und halten uns an alle Vorschriften“, sagt Diane Spindler, Ehefrau von Zirkuschef Alois Spindler. Ihr kommen die Tränen, wenn sie erzählt, dass ganz kurzfristig die Stadt München abgesagt hat – auch aus Tierschutzgründen.

Sascha Godotzki nimmt im Video-Interview Stellung:

Zirkussprecher Grodotzki zur Tierhaltung

30 Angestellte ernähren

„Im letzten Jahr durften wir dort noch gastieren und da war alles in Ordnung“, sagt Diane Spindler. Was sie jetzt wohl tun sollten? „Wir müssen unsere Tiere, unsere 30 Angestellten ernähren. Wir arbeiten, um genug Geld zu verdienen, dass alle leben können. Aber es wird uns immer schwieriger gemacht. Ich kann das nicht verstehen, denn gerade in Deutschland gibt es doch eine lange Zirkustradition mit dem Zirkus Krone, dem Zirkus Renz, Althoff und so weiter“, sagt die Zirkuschefin.

In anderen Ländern, wie zum Beispiel in Italien, werde die Zirkuskunst wie die Theaterkunst behandelt und unterstützt. „Es ist natürlich völlig klar, dass wir alle Auflagen erfüllen müssen. Die Tiere müssen gut behandelt werden, die Sicherheit muss stimmen, alle gesetzlichen Vorgaben müssen erfüllt werden. Das tun wir ja alles und trotzdem wird es uns immer schwerer gemacht“, sagt Grodotzki.

Dass zum Rundgang, der der Transparenz des Zirkusbetriebes dienen und Vorurteile ausräumen sollte, nur zwei Stadträte gekommen sind, nehmen die Zirkusleute dennoch nicht krumm. Beim Gang durch die Tieranlagen überzeugten sich Erich Tahedl und Christian Janele mit eigenen Augen davon, dass es den Tieren beim Zirkus wirklich gut geht. Dies hat schließlich auch das Regensburger Veterinäramt bestätigt.

Rechtliche Grundlagen

  • Kommunalpolitik:

    Am 30. Juni beantragte die Stadtratsfraktion der Linken, Zirkusse mit Wildtierhaltung im Stadtbereich zu verbieten. Der Antrag wurde abgelehnt. Beschlossen wurde, dass die Stadt in Zukunft ausschließlich den städtischen Festplatz für Auftritte zur Verfügung stellt. Außerhalb des Dultplatzes vermietet die Stadt weder eigene Grundstücksflächen noch erteilt sie auf öffentlichen Wegen oder Plätzen Sondernutzungserlaubnisse für Zirkusunternehmen.

  • Genehmigungen:

    Zirkusbetriebe mit Wildtieren müssen vor einer Platzvergabe die tierschutz- und sicherheitsrechtlichen Genehmigungsbescheide der Behörden zur Überprüfung vorliegen. Außerdem müssen sie ihre letzten drei Auftrittsorte mitteilen, damit die Stadt von deren Behörden Auskunft über die ordnungsgemäße Haltung der Wildtiere einholen kann. Vor dem ersten Auftritt überprüfen die städtischen Veterinäre den Zustand und die Haltung der Wildtiere.

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