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Kultur

Schüler tanzen Beethovens Neunte

Das „Pupils Dance Project“ (PDP) ist ein Großprojekt, bei dem Schüler aus sieben Regensburger Mittelschulen Klassik tanzen.
Von Angelika Lukesch, MZ

Bei der ersten gemeinsamen Probe in der Turnhalle übten die Schülergruppen die Choreografie ein. Foto: Lukesch

Regensburg.Die erste gemeinsame Probe des PDP fand in der Turnhalle der Bischof Manfred Müller Schule statt. Rund 150 Schüler aus sieben Regensburger Mittelschulen (Bischof Manfred Müller Schule, Pestalozzi Mittelschule, Konrad Mittelschule, Otto Schwerdt Mittelschule, Clermont Ferrnad Mittelschule, St. Wolfgang Mittelschule, Willy Ulfig Schule) haben die Turnhalle der Bischof Manfred Müller Schule belebt.

In der Mitte der Turnhalle wurden die verschiedenen Abschnitte der Neunten von Beethoven erstmals zusammen tänzerisch geprobt. Das Projekt heißt „Pupil´s Dance Project“ und wird von der Chorphilharmonie Regensburg in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Schulämtern durchgeführt. Die Aufgabe lautet: die Schüler aus diesen Schulen tanzen die 9. Symphonie Ludwig van Beethoven, die die offizielle Hymne der Europäischen Union ist.

Erfahrung mit „Carmina Burana“

Bereits im Juni 2013 hatte die Chorphilharmonie mit seinen Kooperationspartnern das erste PDP durchgeführt. In dieser ersten Zusammenarbeit wurden Carl Orffs „Carmina Burana“ in Szene gesetzt. Es war ein überwältigender Erfolg. Nach vier Jahren soll nun Beethovens 9. Symphonie tanzend dargestellt werden und zwar inklusive des berühmten Schlusschores nach Schillers Ode „An die Freude“.

Horst Frohn ist der Leiter der Chorphilharmonie Regensburg. Er ist von diesem gewaltigen Projekt überzeugt. „Wir wollen mit dem PDP Kinder und Jugendliche mit meist wenig Berührungspunkten mit dem Kulturleben der Stadt, an klassische Musik und an die Ausdrucksform Tanz heranführen und so Ängste und Hemmschwellen abbauen. Dazu kommen eine Menge erzieherische Ziele: für die Schüler ist es eine ganz wichtige Erfahrung, über einen so langen Zeitraum von fast fünf Monaten an einer Sache dran zu bleiben. Da braucht es Ausdauer und den sprichwörtlich langen Atem. Außerdem fördert die Zusammenarbeit mit Schülern aus anderen Schulen die Teamfähigkeit. Ein Auftritt auf der Bühne des Velodroms vor hoffentlich vollem Haus fordert zudem auch eine Menge Courage“, erklärt Frohn die pädagogischen Ziele des Projekts.

Was die Teilnehmer zum Projekt sagen, sehen Sie in unserer Bildergalerie:

Pupils Dance: Das sagen die Teilnehmer

Bereits beim ersten PDP, bestätigt Frohn, seien wunderbare Erfahrungen gemacht worden: „Die Schüler haben mit großem Ernst, aber auch viel Freude ihre Choreografie eingeübt. Viele fanden die zunächst so fremde Musik am Ende ganz cool. Auch die erste Begegnung mit einem großen Sinfonieorchester, dem Chor und den Solisten war für viele sehr beeindruckend, weil sie so etwas noch nie erlebt hatten“, erinnert sich Frohn.

Die Neuauflage des PDP mit Beethovens 9. Symphonie soll den Schülern eine Erfahrung bringen, an die sie sich auch nach der Schulzeit noch gerne erinnern. „Vielleicht schaffen wir es bei einigen, die Scheu vor der so genannten Hochkultur etwas abbauen zu können“, meint Frohn.

Am PDP 2017 nimmt auch das Ballettpodium Regensburg unter der Leitung von Sumjati Widjaja teil. Sie wird mit ihren Tänzern den dritten Satz allein bestreiten. Die Hauptverantwortliche für die gesamte restliche Choreografie, die Dramaturgie und das Gesamtkonzept ist Alexandra Karabelas, die zusammen mit 15 Tanzpädagoginnen mit den Schülern arbeitet.

Karabelas ist es wichtig, „die Vielfalt der choreografischen Ansätze zuzulassen. Es gibt keine Choreografie aus einer Künstlerhand, sondern aus der Fantasie aller Tanzpädagoginnen, die die Symphonie abschnittsweise bearbeiten. Unsere 9. Symphonie ist Teamwork bis zum Schluss. Es interessiert mich selbst, was Tanz hier zu erzählen vermag“, erklärt Karabelas. Wichtig ist ihr auch, was die 9.Symphonie aus ihrem historischen Kontext heraus auch heute für die Menschen bedeutet: „Die Verteidigung zentraler Grundwerte wie Freiheit, Teilhabe und Gerechtigkeit“, sagt Karabelas.

Ballettpodium gestaltet den 3. Satz

Wenn so viele Choreografen zusammenarbeiteten, ist es sehr wichtig, einen gemeinsamen roten Faden zu haben: „Die Naturbilder in Beethovens Musik, der Wertekanon oder einfach die Dynamik und die Farben der Musik. Das Ballettpodium arbeitet hierbei eigenständig. Sie haben sich von vornherein für den dritten Satz entschieden. Die Ballettästhetik steht hier eigenständig neben dem Schulprojekt. Wir werden das so stehen lassen, damit die unterschiedlichen Ansätze der Ballettschule und der städtischen Schulen erkennbar bleiben“, erklärt Kabilas die Vorgehensweise beim PDP.

Über das Projekt

  • Teilnehmer

    Beim zweiten „Pupil´s Dance Project“ in Regensburg erarbeiten 150 Schüler aus sieben Regensburger Mittelschulen eine Choreografie zu Beethovens 9. Symphonie. Als Abschluss des Projekts wird diese Choreografie an zwei Abenden zusammen mit dem Chor der Chorphilharmonie Regensburg, professionellen Solisten und dem Deutschen Radio Kammerorchester im Velodrom aufgeführt.

  • Musik

    Als Solisten sind Gesche Geier, Juan Carlos Falcon und Seymur Karimov zu hören. Die musikalische Leitung hat der Leiter der Chorphilharmonie Regensburg, Horst Frohn.

  • Aufführungen

    Die Aufführungen finden am 5. und 6. April 2017, jeweils 19.30 Uhr im Velodrom statt. Karten unter www.chorphilharmonie.de oder in der Tourist-Info. Weitere Infos unter www.pupils-dance-project.de .

Die Choreografin ist überzeugt davon, dass Tanz einem jugendlichen Menschen viel bringen kann: „Das Vertrauen, dass man selber in einer Gruppe funktionieren kann, dass man Verantwortung für das Ganze mittragen kann. Auch Selbstvertrauen: Oft vermitteln Lehrer, dass Schüler ganz schwierig sind. Im Tanzen sind oft jene auffallend gut. Vermittelt wird also auch das Erlebnis, dass ich mit meinem Körper genauso rasch eine Auffassungsgabe habe, als nur mit dem Verstand. Am Ende steht eine Erinnerung, mal auf einer Bühne gestanden zu haben“.

In der Arbeit mit den Jugendlichen hat Karabelas viel erlebt. Von anfänglichem Desinteresse haben sich die Mittelschüler zu Freude, Neugierde und Engagement hingearbeitet. Karabelas: „Seit Dezember wachsen alle Gruppen zusammen. Die erste gemeinsame Probe lief diszipliniert ab.“

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