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Region Schwandorf
Sonntag, 24. September 2017 17° 4

Umwelt

Aiwanger empört über „Sauerei“

Der Chef der Landtagsfraktion der Freien Wähler informierte sich über die aktuelle Gewässerlage am Eixendorfer Stausee.
Von Karl-Heinz Probst

  • MdL Joachim Hanisch (l.) und Fraktionsvorsitzender Hubert Aiwanger staunten über die Masse der Algen am Eixendorfer See. Foto: Probst
  • Robert Bäumler (Bund Naturschutz/Fischereiverein) erklärte Hubert Aiwanger an der Staumauer den Wasserablass des Eixendorfer Sees. Foto: Probst
  • Stiller Protest des Fischereivereins Foto: Probst

Neunburg.Seit über 30 Jahren ist die Algenblüte am Eixendorfer Stausee ein Ärgernis vor allem für Angler und Erholungssuchende. Schon wenige Jahre nach seiner Inbetriebnahme im Jahre 1975 verschlechterte sich die Gewässergüte des Sees zusehends. In den Sommermonaten sind nun seit vielen Jahren u. a. sehr starke Blaualgenblüten zu beobachten, welche dem See nicht nur optisch schaden und zu Geruchsbelästigungen führen, sondern die für Badende auch gesundheitsgefährdend sein können.

Tourismus im Hintertreffen

Die mangelnde touristische Nutzung des rund 100 Hektar großen Gewässers ist vor allem dem Tourismus-Beauftragten der Stadt Neunburg, Walter Drexler, ein Dorn im Auge. Das Stadtratsmitglied der Freien Wähler kämpft seit Jahren vergeblich um eine spürbare Verbesserung der Situation. Nach vielen Enttäuschungen hat Drexler, selbst Anwohner des Stausees, Hubert Aiwanger, Fraktionschef der Freien Wähler im Bayerischen Landtag, nach Eixendorf geladen, um sich ein Bild von der „katastrophalen Lage“ zu machen.

Als Gastgeber fungierte am Montagnachmittag der Neunburger Fischereiverein mit den beiden Vorsitzenden Michael Throner und Hans Karl in seinem Fischerheim am See, in das auch neben MdL Joachim Hanisch, etliche Stadträte und Mitglieder der Freien Wähler sowie die stellvertretende Vorsitzende des Tourismusvereins, Heike Meixner, gekommen waren.

Anfang der 1990er Jahre wurden „Runde Tische“ mit Experten etabliert, um das Problem in den Griff zu bekommen, erinnerte Michael Throner. Es wurden Studien erstellt, um die Ursachen für die Algenblüte zu klären und Möglichkeiten zur Gewässergüteverbesserung des Eixendorfer Sees aufzuzeigen. Obwohl sich die Nährstoffbelastung des Sees dadurch unbestritten verbessert hat, ist der entscheidende Durchbruch zu einem „sauberen“ See bis dato leider nicht gelungen. „Es kann und muss aber mehr passieren“, ist der Vorsitzende des Fischereivereins überzeugt.

Robert Bäumler, Mitglied des Fischereivereins und beim Bund Naturschutz, informierte Hubert Aiwanger anschließend in einer längeren Power-Point-Präsentation über die Themen Wasserkraftanlage, Fischaufstiegshilfe, Stauraumspülung und Artensterben. Sein Fazit zur neuen Wasserkraftanlage an der Vorsperre bei Hillstett: hohe Baukosten, erhebliche Eingriffe in die Natur, Schäden für die Fischerei und das Klima, erhebliche Nachteile für den Tourismus.

Aus dem Vortrag Bäumlers entnahm Aiwanger eine gewisse „fischerfeindliche Tendenz des Bayerischen Umweltministeriums: „Da müssen wir aufpassen!“ Umweltministerin Ulrike Scharf sollte sich nicht die Schönheiten des Landes anschauen, sondern den „Dreck“ hier, so Aiwanger.

Aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung machte Walter Drexler die Vorsperre dafür verantwortlich, dass die Wassertemperatur im Stausee zu hoch sei. Seine bevorzugte Lösung sei ein variabler Turm, über den das Oberflächenwasser ablaufen müsste. Durch die derzeitige Entnahme über den Grundablass an der Staumauer werde dagegen das kalte Grundwasser abgezogen und das warme Wasser, einschließlich der Algen bliebe im See. Aiwanger griff diese Anregung auf und meinte, dass diese Lösung relativ kostengünstig realisierbar sein müsste. Drexler kritisierte in diesem Zusammenhang noch einmal die 2016 erfolgte Stauraumspülung an der Vorsperre, welche zum einen zu einem Fischsterben und zum anderen durch den abgeführten Schlamm zu einer zusätzlichen Nährstoffüberfrachtung des Hauptsees geführt habe.

Foto an Umweltministerin

Nachhaltiger als die Präsentation im Fischerheim war für den Fraktionsvorsitzenden anschließend die Besichtigung vor Ort. Entsetzt zeigte er sich über den mit einer grünen Brühe bedeckten Eixendorfer See. Der Badestrand, den die Stadt Neunburg vor geraumer Zeit auf eigene Kosten zur Belebung des Tourismus angelegt hat, war teilweise wie mit einem Erbsenpüree überzogen. Aiwanger fotografierte mit seinem Smartphone den Zustand und schickte die Bilder an die Umweltministerin. Aiwanger war empört: „Es ist mir unbegreiflich, dass das geduldet wird. Das ist eine Katastrophe.“ Walter Drexler erinnerte hier an den Spruch seinen mittlerweile verstorbenen Stadtratskollegen Franz Koller (SPD): Wenn dieses Problem in Oberbayern aufgetreten wäre, wäre es schon längst gelöst.

Nächste Station des Ortstermins war die Staumauer, wo der Wasserablauf des Eixendorfer Sees nochmals thematisiert wurde. Aiwanger war am Damm überwältigt von der Schönheit der Landschaft: „Das ist hier ja wie in Kanada.“

Zum Abschluss führte die Tour zur Vorsperre bei Hillstett, wo sich der Fraktionsvorsitzende ein Bild von der laut Robert Bäumler „unsinnigen Wasserkraftanlage“ machte.

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Eixendorfer Stausee

  • Der Eixendorfer Stausee

    entstand von 1972 bis 1976 durch den künstlichen Aufstau der Schwarzach, um Hochwasserschäden zu vermeiden.

  • Weitere Funktionen

    sind die Energieerzeugung und die Niedrigwasseraufbesserung. Auch für Freizeit und Erholung wird er genutzt.

  • Dem Hauptsee

    wurde eine Vorsperre vorgeschaltet, um den Eintrag von Sedimenten aus der Schwarzach und einer Verlandung des Stausees zu vermeiden.

  • Die Wasserfläche

    beträgt bei Normalstau rund 100 Hektar.

  • Die Wassertiefe

    beträgt bei Normalstau 13 Meter

  • Mittlerer Zufluss:

    vier Kubikmeter pro Sekunde

  • Damm:

    Länge 130 Meter, Höhe 25 Meter, Breite acht Meter

  • Einzugsgebiet:

    410 Quadratkilometer

  • Eigentümer:

    Freistaat Bayern

  • Betreiber:

    Wasserwirtschatsamt Weiden

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