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Gesundheit

Asklepios schnallt den Gürtel enger

Die Geriatrie in Burglengenfeld wird geschlossen, Labor- und Schreibarbeiten nach Bad Abbach verlagert. Mehr als 50 Menschen sollen betroffen sein.
Von Reinhold Willfurth, MZ

In der Asklepios-Klinik in Burglengenfeld stehen Veränderungen an.Foto: Archiv

Burglengenfeld.Die Asklepios-Kliniken bauen an ihrem Standort Burglengenfeld Kompetenzen ab. Die Abteilung für geriatrische Rehabilitation übernehme künftig ein externer Partner, teilte der örtliche Geschäftsführer Andrej Synnatzschke mit. Gleichzeitig würden zum 1. Januar 2015 Leistungen des Labors, des Schreibdienstes und des Einkaufs an den Standort Bad Abbach verlagert. Allein in der Geriatrieabteilung des Hauses sind laut Synnatzschke 23 Vollzeitstellen mit 26 Mitarbeitern betroffen. Auf Nachfrage der MZ begründete der Geschäftsführer den Schritt damit, dass man sich künftig mehr auf die Kernkompetenzen des Hauses konzentrieren werde, nämlich „die qualitativ hochwertige Grund- und Regelversorgung der Menschen im Städtedreieck“.

Verlegung brachte keinen Erfolg

Erst im Juli 2011 hatte der Krankenhaus-Konzern die Geriatrie des Krankenhauses in Oberviechtach nach Burglengenfeld verlegt. Doch auch hier blieb die Abteilung zur Nachsorge von älteren Patienten defizitär. Asklepios-Regionalleiter Dr. Boris Rapp sagte auf Anfrage, dass man nach der Übernahme der vier Landkreis-Krankenhäuser vor vier Jahren alle Häuser einer Prüfung unterzogen habe. Das Haus in Burglengenfeld sei „das letzte strukturelle Thema“ gewesen. Für Entscheidungen habe man sich mit Absicht „Zeit gelassen“.

Die Kurve der seit 2011 steigenden Fallzahlen in Burglengenfeld habe „ein Plateau“ erreicht, „das man nicht mehr beliebig steigern“ könne. Mit den Veränderungen habe man das Haus jetzt für die Zukunft aufgestellt. Rapp ließ keinen Zweifel daran, dass das Krankenhaus „bedarfsnotwendig“ für das Städtedreieck sei. Gleichwohl müsse man sich Gedanken machen, wie man das Haus noch attraktiver für Patienten aus der Region machen könne. Dabei gebe es manches Rätsel zu lösen – etwa die Tatsache, dass das Haus bei komplexen Operationen erfolgreich sei, die Menschen aber ausgerechnet bei kleineren Eingriffen öfter anderen Kliniken ihr Vertrauen schenkten. Fest geplant seien Verbesserungen im Service, beispielsweise bei der Essensversorgung, und bei der Organisation von Abläufen, Stichwort „Aufnahme- und Entlassungsmanagement“.

Verständnis hat Rapp für die Unruhe, die durch die geplanten Umstrukturierungen im Haus entstanden ist: „Dass das ein Schock ist für die Leute, ist klar.“ Der Asklepios-Manager gab aber zu bedenken, dass er in seinen zwei Jahren im Amt noch keine betriebsbedingte Kündigung ausgesprochen habe. Bei intensiven Gesprächen würden „vernünftige Lösungen“ für die Mitarbeiter gesucht – von der Abfindung über die Weiterqualifikation bis zur Beschäftigung im selben Beruf an anderem Ort. Überdies biete der Arbeitsmarkt in der Region „viele Möglichkeiten“ in der Pflege- und Therapiebranche.

„Nicht vertrauensbildend“

Peter Fleischmann, Betriebsratsvorsitzender in Burglengenfeld, reagierte geschockt auf die „vollkommen überraschende Nachricht“, die dem Vertreter der Arbeitnehmer am Dienstag mitgeteilt wurde. 41 Vollzeitstellen sind laut Geschäftsführung betroffen, das bedeute, dass sich bis zu 60 Menschen Sorgen machen müssten. Dass die Geriatrie drei Jahre nach deren Verlagerung von Oberviechtach nach Burglengenfeld eingestellt werde, kann er „nicht nachvollziehen“. Das sei „keine vertrauensbildende Maßnahme“, auch nicht im Hinblick auf die Rekrutierung neuer Patienten aus der Region. „Man fragt sich: Ist da vernünftig gearbeitet worden?“

Insofern zweifle er auch am Plan von Asklepios, das Haus in Burglengenfeld mit solchen Aktionen zukunftsfähig zu machen. Die Belegschaft sei verunsichert. Schwer vorstellbar sei es für ihn, dass Bedienstete ohne Weiteres den Weg in entferntere Arbeitsorte wie etwa Bad Abbach auf sich nähmen. Der Betriebsrat werde jetzt einen Sozialplan aushandeln müssen.

Für die Ängste und Sorgen der Belegschaft hat Geschäftsführer Synnatzschke „größtes Verständnis“. Unabhängig davon müsse sich das Management aber vor dem Hintergrund der Konkurrenz in der Nachbarschaft „immer wieder zurücklehnen und sich fragen: Was ist unser Auftrag?“.

Auf dem Weg zur Stärkung der Grundversorgung als Kernkompetenz müsse man sich zum Beispiel Gedanken über Verbesserungen bei Service, Speisen oder Zimmerausstattung machen. Infrastruktur spiele neben der medizinischen Leistung eine immer größere Rolle. Heutzutage gebe es eine Nachfrage, teilweise sogar eine Erwartungshaltung bei Patienten wie bei einem Hotelaufenthalt.

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