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Region Schwandorf
Donnerstag, 23. November 2017 4

Natur

Auch am Kreuzberg fallen Bäume

Kaum ist der Ärger um Fällarbeiten am Irl beseitigt, da surren wieder die Motorsägen. Die Stadt sagt: Das ist notwendig.

Von der Notwendigkeit der Baumpflegemaßnahmen und Fällungen überzeugte sich Bürgermeister Thomas Gesche jüngst am Kreuzberg mit Förster Reinhold Weigert (links) vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie Walter Preis von der „Baumpflege-Zentrale“. Foto: Stadt Burglengenfeld

BURGLENGENFELD.Wieder einmal heulen die Kettensägen, wieder einmal heißt es: „Gefahr in Verzug!“ Auf Hinweis eines Sachverständigen müssen laut Stadtverwaltung auch am Kreuzberg binnen 14 Tagen vier Bäume gefällt werden. „Aus Sicherheitsgründen.“ Auch beim Waldkindergarten am Karlsberg stehen Baumpflegemaßnahmen an. Bürgermeister Thomas Gesche überzeugte sich dieser Tage vor Ort mit Förster Reinhold Weigert vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie Walter Preis von der „Baumpflege-Zentrale“ von der Notwendigkeit der einschneidenden Maßnahmen.

Seit Wochen bietet sich am beliebten Irl ein unverändertes Bild: Die gefällten Bäume sind noch immer nicht abtransportiert. Foto: ht

Die Nachricht aus dem Rathaus ist besonders interessant, weil erst vor rund zwei Monaten eine Baumfällaktion am Irl für Aufsehen gesorgt und erheblichen Unmut ausgelöst hat. Wie ausführlich berichtet, hatten die Stadtwerke am Irl vier stattliche Bäume umlegen lassen. Die Burglengenfelder Wählergemeinschaft (BWG) protestierte energisch und reklamierte unter Berufung auf einen Gutachter. Mindestens eine Esche sei völlig ohne Not umgelegt worden. Sie habe lediglich unter „leicht beginnender Stammfäule“ gelitten, was die Stabilität keineswegs gemindert habe.

Sich widersprechende Experten

Die Stadt berief sich freilich ebenfalls auf die Expertise eines Fachkundigen, und so gab es am Ende zwei sich ziemlich krass widersprechende Aussagen zweier Sachverständiger.

Wiederholt sich die Geschichte? Zumindest ist Bürgermeister Gesche in die Offensive gegangen, um potenziellen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. In einer Pressemitteilung der Verwaltung lässt er sich mit folgendem Satz zitieren: „Das Fällen von Bäumen ordnen wir nur an, wenn es sich aus Sicherheitsgründen überhaupt nicht vermeiden lässt.“

„Die Sicherheit hat oberste Priorität.“

Bürgermeister Thomas Gesche

Der Kreuzberg sei das aktuellste Beispiel dafür: Direkt am stark frequentierten Weg entlang der Kreuzwegstationen hinauf zur Kreuzbergkirche stünden Bäume, die „teils massive, bereits abgestorbene Äste – sogenanntes Totholz“ – trügen. Um Gefahren für Menschen ausschließen zu können, müsse dieses Holz entfernt werden. „Die Sicherheit hat oberste Priorität“, sagt Gesche. – Kommt einem das nicht „1:1“ aus der Irl-Debatte bekannt vor?

Seltene Artenvielfalt

  • Das Biotop:

    Am Kreuzberg ist laut Förster Reinhold Weigert „eine gigantische Artenvielfalt“ anzutreffen, wie es sie in unserer Region nur selten gebe: 20 verschiedene Baumarten auf rund zehn Hektar. In dem Laubbaum-Mischbestand dominiert die Buche; auch die Eiche ist dort häufig zu sehen. Ferner spielen Ulme und Linde, Kirsche und Birke eine Rolle. Beim vereinzelten Nadelholz ist die Kiefer führend, aber auch die Lärche ist anzutreffen. Im Kreuzwegbereich ist von „hallenartigem Altholz“ die Rede.

  • Ziel der Pflege (laut Stadt):

    „Die parkartige Struktur unter Wahrung der Verkehrssicherheit erhalten.“

  • Bauausschuss:

    In der Sitzung am Donnerstag geht es u. a. wieder um die Irlbrücke I (Ingenieurplanung/Provisorium/BWG-Antrag). (ht)

Bevor zur Fällung geraten werde, prüfe der Baumsachverständige Diplom-Ingenieur (FH) Markus Auburger stets, ob alternative Maßnahmen wie Kronensicherungsschnitte oder Einkürzungen ausreichten, heißt es in der Mitteilung weiter. Oder er empfehle weitere Untersuchungen in luftiger Höhe durch Fachleute wie Walter Preis von der „Baumpflege-Zentrale.“ Auch er betont: „Unser Anliegen ist nicht das vorschnelle Fällen, sondern fachgerechte Baumpflege.“

Keine Wahl habe die Stadt jedoch bei vier Bäumen am Kreuzberg: Hier müssten ein Spitzahorn, zwei Rotbuchen und eine Stieleiche weichen. Beim Waldkindergarten am Karlsberg sei es eine Waldkiefer, die geopfert werden müsse. Ein Ast rage gefährlich über den Raum, in dem sich die Kinder und ihre Erzieherinnen aufhielten.

Feuerwehrzufahrt behindert

Bei der Realschule am Kreuzberg müssen Bäume laut Stadtverwaltung eingekürzt werden, um die Feuerwehrzufahrt gemäß der Vorgaben („Lichtraumprofil“) frei zu halten. Bei weiteren Bäumen sollten Kronenreduktionen und Einkürzungen helfen, den Wald und insbesondere die markanten alten Laubbäume am Kreuzberg zu erhalten. Förster Weigert stellt klar: Totholz abseits der Wege, wo es keine Gefahr für Menschen darstellt, wird dem Lauf der Natur überlassen. Auch das sei am Kreuzberg zu besichtigen. Tote Altbäume, sogenannte Biotopbäume, blieben als Lebensraum im Wald.

BWG-Stadtrat Albin Schreiner prangerte im September die Fällungen am Irl an. Foto: bjs

Unterdessen hat BWG-Rat Albin Schreiner in der jüngsten Stadtratssitzung erneut den Finger in die „Wunde Irl“ gelegt. Wann denn die umgelegten Eschen am Naabufer verschwinden würden, wollte er vom Bürgermeister wissen. Eile sei geboten, denn der Ist-Zustand sei auch alles andere als „sicher“. Gesche erklärte, man sei an dem Thema natürlich dran; der Abtransport sei allerdings nicht so einfach. Es gelte erst, eine geeignete Verbindung dafür zu finden.

Schon wurde gemunkelt, die Stadt habe sich mit der Sperrung des Holzstegs am Irl selbst ein Bein gestellt und die einfachste Lösung gekappt. Dem ist aber nicht so; für tonnenschwere Bäume und Transportgerät wäre der Steg völlig ungeeignet gewesen. Über das weitere Vorgehen diesbezüglich wird in der nächsten Sitzung des Bauausschusses am Donnerstag Neues zu hören sein. (ht)

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