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Region Schwandorf
Mittwoch, 13. Dezember 2017 11

Verkehr

Bahn stellt Weichen für die Oberleitung

Die DB hat mit der Planung für die Elektrifizierung der Strecke Regensburg-Hof begonnen – umfassender Lärmschutz inbegriffen.
Von Reinhold Willfurth

Bis zum Baubeginn ist es noch weit. Die Vorplanungen für den Ausbau der Bahntrasse Regensburg-Hof, das größte Infrastrukturprojekt der nächsten Jahre für die Oberpfalz, hat aber bereits begonnen.Foto: dpa

Schwandorf.Die Elektrifizierung der Strecke Regensburg-Hof gilt als bahnbrechendes Projekt für die Schienen-Infrastruktur der Oberpfalz. Komfortablere, leisere und umweltfreundliche Züge, den Anschluss an das Intercity-Netz der DB und die Verlagerung von Gütern von der Straße auf die Schiene verspricht die Bahn. Auch die Oberfranken dürfen sich freuen – obwohl auf der Teilstrecke von Marktredwitz nach Hof die Planungen kürzlich gestoppt wurden. Der Grund dafür ist in einem Auftritt des gewesenen Bundesverkehrsministers Alexander Dobrindt am 26. Juli in Neustadt an der Waldnaab zu suchen. Dobrindt hatte mitten im Wahlkampf festgelegt, dass die Elektrifizierung der Oberpfalzmagistrale mit seinen Folgen für den Güterverkehr nicht zulasten der vielen tausend Strecken-Anwohner gehen werde.

Er werde die Bahn AG und das federführende Eisenbahnbundesamt (EBA) dementsprechend anweisen, den Umbau der Trasse „unter Zugrundelegung von Lärmvorsorge“ zu planen, sagte Dobrindt und bestätigte dies wenig später noch einmal den ostbayerischen CSU-Bundestagsabgeordneten, darunter auch Karl Holmeier. Die Lärmvorsorge ist der jeweils bestmögliche Schutz vor dem Lärm und den Erschütterungen, die vor allem Güterzüge mit sich bringen. Die Elektrifizierung lässt die Oberpfalz-Magistrale zur Güterverkehrsstrecke mit internationaler Bedeutung aufsteigen. Bis zu 80 Güterzüge könnten demnach in 24 Stunden durch das Naabtal rollen.

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Alexander Dobrindt ist jetzt CSU-Landesgruppenchef im Bundestag. Foto:dpa

Die ministerielle Anweisung aus Berlin ist mittlerweile bei der Bahn angekommen, wie der Sprecher der DB Netz AG, Florian Liese, auf Anfrage der Mittelbayerischen bestätigt. Deshalb müssen jetzt auch die bereits weiter fortgeschrittenen Pläne für die Ertüchtigung der Strecke von Marktredwitz nach Hof angepasst werden. Für diese Teilstrecke war bisher überhaupt kein Lärmschutz vorgesehen.

Gespräche mit Bürgermeistern

Unterdessen haben in der Regionalabteilung Süd für Großprojekte der DB Netz in München auch die Vorarbeiten für das Teilstück von Marktredwitz über Schwandorf nach Regensburg begonnen. In der „Leistungsphase eins“ werden dem Sprecher zufolge zunächst die Grundlagen für das größte Infrastruktur-Projekt Ostbayerns (geschätzte Kosten: mindestens 750 Millionen Euro) ermittelt. Dabei sehen sich die Planer die gegenwärtige Strecke genau an und lassen sich die bestehenden Pläne vorlegen.

Lärmschutz und Lärmvorsorge

  • Schallschutz:

    Unterschieden wird zwischen aktiven und passiven Maßnahmen. Aktiv: Klassische Schallschutzwand, Kombination aus einer niedrigen Schallschutzwand und Gabionen. Schienenstegdämpfer und Schmiereinrichtungen sorgen für weiteren Schutz. Passiv: Schallschutzfenster und Dämmlüfter an Wohngebäuden

  • Anspruch:

    Voraussetzung ist die Frage, ob es sich um eine wesentliche Änderung im Sinne der Bundesimmissionsschutzverordnung handelt. Die bloße Elektrifizierung entspricht dieser Anforderung nicht. Durch den starken Anstieg des Güterverkehrs sah Minister Dobrindt „in diesem Einzelfall“ aber die Voraussetzung als erfüllt an.

  • Lärmreduzierung:

    Unabhängig davon wird sich laut Deutscher Bahn der Lärm von Güterzügen bis 2020 halbieren, weil alle 64 000 Güterwaggons der DB bis dahin auf leisere Verbundstoff-Bremssohlen umgerüstet sein würden. Ein lärmabhängiges Trassenpreissystem soll außerdem Anreize für die Umrüstung anderer Eisenbahnunternehmen setzen. (fu)

Bei der anschließenden Vorplanung werden mögliche Varianten untersucht und der Kontakt mit dem Freistaat Bayern, den Landkreisen, Städten und Gemeinden entlang der Strecke gesucht. Auch die Bürgermeister der betroffenen Kommunen im Landkreis, ob mit oder ohne eigenen Bahnhof – Maxhütte-Haidhof, Teublitz, Schwandorf, Schwarzenfeld, Stulln, Nabburg, Pfreimd und Wernberg – erhalten demnächst Post von der DB Netz mit einem Gesprächsangebot. Dabei geht es nicht nur um eine reine Kontaktaufnahme, sondern unter Umständen auch um viel Geld. Ein mögliches Hindernis bei der Elektrifizierung von Bahnstrecken sind nämlich Brücken mit zu niedrigem Profil. Die neuen Brücken muss zwar die Bahn zahlen, die Kommune muss sich aber angemessen beteiligen, sofern sie einen Nutzen daraus zieht („Vorteilsausgleich“).

IC über Schwandorf nach Dresden

Einen Zeitplan, bis wann die ersten Elektroloks und Intercitys durch das Naabtal rollen, kann die DB Netz nicht angeben. Allein die „Leistungsphase eins“ werde sich über zwei Jahre hinziehen, sagt Florian Liese. Fest stehe allein dieses Datum: Bis spätestens 2030, dem Verfallsdatum des aktuellen Bundesverkehrswegeplans, sollte das Mammutprojekt abgeschlossen sein. Liese rechnet aber mit einem deutlich früheren Termin. Die Deutsche Bahn hat schon mal für den Winterfahrplan 2022/23 eine Intercity-Verbindung von München nach Dresden anvisiert – über Regensburg, Schwandorf, Weiden und Hof. Voraussetzung dafür sei allerdings die Elektrifizierung der Strecke.

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Dass die Frage nach einem umfassenden Lärmschutz entlang der Strecke wirklich ausgestanden ist, daran mag Hansjörg Bohm nicht so recht glauben. Der Städteplaner und Bahnexperte aus Weiden bezweifelt, dass ein Verkehrsminister „nach Gutsherrenart und aus dem Handgelenk“ eine Lärmvorsorge anordnen kann. Denn die „Extrawurst“ für die Oberpfalz könnte als Präzedenzfall für andere Regionen dienen, die jetzt schon unter Bahnlärm leiden – und damit einen „Dammbruch“ provozieren, der kaum mehr finanzierbar wäre.

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