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Region Schwandorf
Mittwoch, 29. März 2017 16° 1

Holnstein-Mausoleum

Begründete Holnstein das Kaiserreich?

Martin Irl präsentierte am Denkmaltag ein interessantes Dokument. Um Schulden zu tilgen, soll Graf von Holnstein König Ludwig beeinflusst haben.
Von Christina Ott

Gespannt verfolgten die Besucher die Ausführungen von Martin Irl. Foto: Ott

Schwarzenfeld. Am „Tag des offenen Denkmals“ öffnete Martin Irl auf dem Schwarzenfelder Friedhof die Ahnengruft der Gräflichen Familie von Holstein aus Bayern. Etwa 20 Personen folgen Irl vor die Prunksärge von Caroline Freifrau von Gumppenberg-Pöttmes, Max Karl Theodor Graf von Holnstein und seinem, im Alter von 15 Monaten verstorbenen Sohn Karl Theodor Graf von Holnstein. Berühmtestes Mitglied der Holnsteinschen Adelslinie ist wohl Max von Holstein, Oberstallmeister von König Ludwig II. Über ihn hatte Irl jetzt erstmals neue Erkenntnisse zu verkünden.

Die Besucher durften einen Blick auf das Dokument werfen, das vielleicht den wahren Grund offenbart, warum Graf Holnstein den König von Bayern zur Unterzeichnung des Kaiserantrags drängte. Graf Holnstein war nämlich ein enger Vertrauter des Königs; schon als Kind verbrachte er seine Zeit am Königshof. Später wurde er königlicher Oberstallmeister und reiste für König Ludwig nach Tunis, um die besten Araberpferde zu besorgen. Allerdings hatte der Graf auch Schulden. Zwar hätte er viel Grund besessen, aber die Güter hätten nicht ausgereicht, sagte Irl. Er lieh sich 100000 Gulden bei seinem Schwiegervater von Gumppenberg-Pöttmes. Diesen Schuldschein hält Irl nun in den Händen. 20 Jahre hätte es gedauert, das Geliehene zurückzuzahlen – viel zu lange für einen Grafen, für den eine solche Schuld eine Schmach war.

Da machte der preußische Gesandte am Bayerischen Hof dem Grafen ein Angebot: Wenn er den König dazu brächte, sich reichsfreundlich zu zeigen und dem König von Preußen die Reichskrone antragen würde, dann könne er mit einer größeren Summe Geld rechnen. So geschah es auch: Graf Holstein reiste nach Versailles, wo er auch Bismarck kennenlernte. „Die beiden waren sich sehr ähnlich, sie waren große, stattliche Erscheinungen und auch vom Charakter stimmte es, da kam es schnell zu einer Einigung“, sagt Irl.

Graf Holnstein setzte also den Kaiserantrag mit auf und drängte den König zu einer Unterschrift: Trete das Königreich nicht dem Kaiserreich bei, so könne das das wirtschaftliche Aus für Bayern bedeuten. Außerdem würde auch auf König Ludwig eine finanzielle Entlohnung warten. Der König von Bayern unterschrieb, der Kaiser wurde proklamiert.

Bismarck zahlte dem Grafen seine Schulden und zusätzliche Prämien für die Vermittlung. Graf Holnstein war auch nach dem Handel noch gut mit Bismarck befreundet, zum Beispiel schenkte er ihm seine beiden berühmten Doggen Sultan und Tyras. Immer wieder wurde er zum Vermittler zwischen König und Regierung. Er versuchte den König beim Schlossbau zu bremsen und ihn dazu zu bewegen, sich wieder öfter dem Volk zeigen – doch das blieb ohne Erfolg. König Ludwig wurde entmachtet, Graf Holstein wurde sozusagen sein Vormund. Nach dem mysteriösen Tod des Königs geriet Holnsteins Name im Verruf, er wurde verdächtigt, am Tod von Ludwig beteiligt zu sein. „Man könnte ihm höchstens vorwerfen, dass er besser auf den König hätte aufpassen müssen“, sagt Irl. Nach Bismarcks Absetzung wurde es sogar noch schlimmer: Ohne Bismarck hatte Graf Holstein kein Schutzschild mehr - die Presse kam hinter den Geldhandel bei der Reichsgründung. Für die Regierung war er so nicht mehr tragbar, er ließ sich sein Schloss in Schwarzenfeld ausbauen, wo er noch zwei Jahre, allerdings durch einen Reitunfall erblindet, lebte und schließlich verstarb.

Anschließend führte Irl die Besucher in die Kapelle, wo er Bilder, Postkarten und Dokumente rund um die Gräfliche von Familie Holnstein zeigte. Geduldig beantwortete er alle Fragen der Geschichtsinteressierten über den Tod von König Ludwig, die Umbettung der Leichen in der Ahnengruft und die in Schwarzenfeld bekannte Frau von Max von Holnstein, Maximiliane, Gräfin von Holstein. (soc)

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