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Donnerstag, 30. Juni 2016 25° 6

Strahlenschutz

Bei Reaktorunfall Daten schnell messen

Eine Großübung der sechs im gesamten Bundesgebiet verteilten mobilen Messsysteme mit insgesamt zwölf Fahrzeugen fand am Dienstag bei Thanstein statt.
Von Ralf Gohlke

Ein Bild mit Seltenheitswert: Die sechs mobilen Strahlenmesseinheiten aus ganz Deutschland wurden am Dienstag auf einer Wiese bei Thanstein unter gleichen Standortbedingungen einheitlich kalibriert. Foto: ggo

Thanstein.Eine Wiese zwischen Thanstein und Dautersdorf war am Dienstag der Schauplatz eines nicht alltäglichen Einsatzes des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS). Zum ersten Mal wurde in dieser Form eine Großübung der sechs im gesamten Bundesgebiet verteilten mobilen Messsysteme mit insgesamt zwölf Fahrzeugen durchgeführt. Unterstützung erhielt das Amt durch einen Hubschrauber der Bundespolizei, der ebenfalls mit entsprechenden Equipment ausgestattet wurde.

Die Aufgabe der Messeinheiten, welche die rund 1800 bundesweit bestehenden stationären Messanlagen ergänzen, besteht in der Messung, Erfassung und Kartierung der Umweltradioaktivität. Laut Pressemitteilung ist das Ziel, nach einem nicht auszuschließenden Reaktorunfall möglichst schnell die Daten am Boden und in der Luft zu erfassen, um den Katastrophenschutzbehörden zeitnah Ergebnisse als Basis für Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung liefern zu können. Die mobilen Einheiten und Hubschrauber können ganz gezielt nach radiologischen Auffälligkeiten suchen.

Dr. Ulrich Stöhlker, wissenschaftlicher Direktor beim Bundesamt für Strahlenschutz in Freiburg, erläuterte, warum ausgerechnet diese Wiese für die Übung ausgewählt wurde. Der Grund sei eine leicht erhöhte Radioaktivität aufgrund einer thoriumhaltigen Gesteinsschicht. Die Wert lägen hier etwa doppelt so hoch wie in der Umgebung. Diese geologische Besonderheit mache das Gebiet besonders interessant um die unterschiedlichen Messverfahren (fahrzeug- und hubschraubergestützt) miteinander zu vergleichen und zu optimieren. Das betraf auch die Kalibrierung der Messeinheiten unter gleichen Standort- und Witterungsbedingungen, um künftig die Messwerte optimieren zu können.

Hauptkommissar Jürgen Ackermann erläuterte die Rolle der Bundespolizei beziehungsweise des Hubschraubereinsatzes. Ein Kriterium für den Einsatz ist die Vorgabe, innerhalb von maximal fünf Stunden jeden beliebigen Ort in Deutschland erreichen zu können. Die technische Ausstattung sei so gestaltet, dass sie innerhalb einer halben Stunde einzubauen sei. Vier dieser Messlabors, die über zwei Sensoren, einen Halbleiterdetektor und eine eigene Computeranlage verfügen, sind auf die bayerischen Standorten in Neubiberg und Oberschleißheim verteilt. Für die Piloten stellten die Flüge eine gewisse Herausforderung dar, da die häufig geforderten, parallelen Kurse sehr exakt ausgeführt werden müssten. Trotz technischer Unterstützung durch Autopilotsysteme erfordere dies in Landschaften wie rund um Thanstein hohe Konzentration. Der eingesetzte Helikopter war ein Eurocopter EC 135, der Standardhubschrauber bei der Bundespolizei und einigen Rettungsdiensten.

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