mz_logo

Region Schwandorf
Dienstag, 19. September 2017 14° 5

Infrastruktur

Das Breitband ist auf der Zielgeraden

Der Ausbau hat sich in Nittenau mehrfach verzögert. Nun sollen bis Ende September die meisten Anschlüsse verfügbar sein.
Von Thomas Rieke

Der Ausbau der „Datenautobahn“ war und ist in Nittenau ein Riesenaufwand. Schließlich zählt die Regentalstadt fast 90 Ortsteile. Foto: Rieke

Nittenau.„Na, wie schaut’s aus? Wann gibt es endlich positive Nachrichten von der Telekom?“ Fast im Wochenrhythmus hat uns ein Stammkunde des Brauereigasthofs Jakob beim Mittagstisch mit solchen Fragen zum schnelleren Internet konfrontiert, denn: „Das kann und darf doch nicht sein, dass das so lange dauert! Wollten die nicht im Frühjahr freischalten?“

Tatsächlich haben sich in den letzten Monaten nicht nur einzelne Bürger über den schleppenden Fortschritt beim Ausbau der „Datenautobahn“ in Nittenau gewundert. Jakob Rester, Geschäftseiter der Stadtverwaltung und „Breitbandpate“, berichtete in unschöner Regelmäßigkeit, die Verwaltung könne sich quasi vor genervten Anrufern kaum retten. Immer öfter pflegte er zu sagen: „Auch wenn Sie hundert Mal nachhaken, geht es nicht schneller!“

Stadt war ein „gebranntes Kind“

Sollte die Stadt beim Ausbau des Breitbandnetzes ein weiteres Mal eine herbe Enttäuschung erleben? Zwischen 2012 und 2015 hatte sie mit der amplus AG heftig gerungen, weil das Teisnacher Unternehmen für die Bereitstellung von Internetverbindungen über Glasfaser im Ortsteil Fischbach deutlich länger brauchte, als vertraglich vereinbart worden war. Um Haaresbreite hätte es eine juristische Auseinandersetzung gegeben (MZ berichtete ausführlich!).

Dieses Hickhack war mit der Grund dafür, weshalb sich die Stadt später, als es um die sogenannte „Ausbaustufe 2“ für weite Teile des Stadtgebiets ging, für ein anderes Unternehmen entschied – die große Telekom. Mit ihr im Boot wähnte man sich auf der sicheren Seite; fast feierlich wurde im September 2015 ein Kooperationsvertrag unterschrieben. 1500 Haushalte in neun Erschließungsgebieten sollten „ab Sommer 2016“ mit Turbo-Anschlüssen (bis zu 200 MBit pro Sekunde) versorgt werden. „Wir haben mit der Telekom einen starken Partner (...), so können wir unseren Bürgern und Unternehmen in Kürze den begehrten Zugang zum schnellen Internet ermöglichen“, freute sich Bürgermeister Karl Bley.

Herbst 2015: Bürgermeister Karl Bley (r.) und Breitbandbeauftragte Jakob Rester (l.) zusammen mit Christoph Bernik bei der Vertragsunterzeichnung. Foto: Archiv

Tatsächlich schien anfangs alles wie geschmiert zu funktionieren. Dabei war von vornherein klar, dass der Ausbau schon wegen Nittenaus Struktur aufwendig sein würde und kompliziert sein könnte. So sollten nicht nur rund 30 Kilometer Kabel in Rohrsysteme eingezogen und knapp 30 Multifunktionskästen installiert werden; auf einer Länge von 19,5 Kilometer galt es auch, eine Linienführung unterirdisch herzustellen. An vielen Stellen wurde gleichzeitig gegraben und gebohrt; halb Nittenau schien zur Baustelle geworden zu sein.

Im September 2016 aber gab es die erste Ernüchterung: Die Unterquerung der Bahntrasse in Sulzmühl und der sogenannte Regendüker führten zu Verzögerungen, weil Baugrunduntersuchungen erforderlich wurden und Genehmigungen von Eisenbahnbundesamt sowie der Wasserwirtschaft fehlten. Trotzdem, so 2. Bürgermeister Albert Meierhofer damals, sollten ab dem 1. Quartal 2017 neue Verträge mit Internetanbietern buchbar sein. „Spätestens ab 31. März“ werde in den Gebieten, in denen die Arbeiten abgeschlossen wurden, das Breitband freigeschaltet.

Heute ist man klüger: Meierhofers Prognose war viel zu optimistisch; Monat um Monat gab es seitens der Telekom erneut Vertröstungen. Erst jetzt, also rund zwei Jahre nachdem der Vertrag in trockene Tücher gebracht wurde, sei man „auf der Zielgerade“; das versichern unisono Jakob Rester und Telekom-Sprecher Hubertus Kischkewitz auf Anfrage unseres Medienhauses.

„Vielfältige Ursachen“

Nach einem „ausführlichen und konstruktiven Gespräch“, das am 22. August stattgefunden hat, erklärte Kischkewitz: „Wir werden voraussichtlich noch im September fast alle schnellen Anschlüsse zur Verfügung stellen können. Was fehlt, wird so schnell wie möglich spätestens bis zum Jahresende nachgeliefert.“

Bei dem erwähnten Treffen informierte die Telekom über den Stand der Arbeiten und erläuterte die Hintergründe, die zu den Zeitverlusten führten. Sie seien vielfältig und unvorhersehbar gewesen. So habe die Koordination mit anderen Straßenbauarbeiten zu Terminverschiebungen gezwungen; und um Fremdanlagen zu umgehen, habe man einige Trassenpläne „angepasst“. Jakob Rester nannte diese Argumente „nachvollziehbar“.

Nun sieht man zwar nirgends mehr Kabel aus dem Boden sprießen, doch zu tun gibt es laut Kischkewitz noch immer jede Menge: „Als letzte von vielen Maßnahmen laufen zur Zeit die umfangreiche Dokumentation der neuen Leitungen und Netzkomponenten sowie Qualitätstest von Hard- und Software.“

Mehr Nachrichten aus Nittenau lesen Sie hier:

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht