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Region Schwandorf
Dienstag, 21. November 2017 5

Umwelt

Das Klärschlamm-Problem wird entsorgt

Brennstoff statt dubioser Dünger: Die Trocknungsanlage für Klärschlamm in Schwandorf soll bereits Ende 2018 in Betrieb gehen.
Von Reinhold Willfurth

Mit der Baggerschaufel durfte der Verbandsvorsitzende den symbolischen ersten „Spatenstich“ für die Trocknungsanlage vollziehen. Foto: Willfurth

Schwandorf.Es werden immer mehr: Er könne sich vor Anfragen von Kommunen und Abwasserzweckverbänden kaum retten, sagt Thomas Knoll, Direktor des Schwandorfer Müllkraftwerks, am Montag auf der Baustelle der neuen Klärschlammtrocknungsanlage. Deren Kapazität der Anlage sei aber mit den bisherigen Mitgliedern des Zweckverbands Thermische Klärschlammverwertung Schwandorf (ZTKS) schon jetzt ausgeschöpft.

29 Mitglieder hat der ZTKS derzeit, sie vertreten Städte und Gemeinden aus den Landkreisen Schwandorf, Neustadt an der Waldnaab, Amberg-Sulzbach sowie die kreisfreien Städte Amberg und Regensburg. Im Dezember sollen noch Landshut, Beratzhausen und Kallmünz dazukommen – und dann ist Schluss. Eine Erweiterung der Anlage komme aus Platzgründen nicht in Frage, versichert Thomas Knoll.

50 000 Tonnen Schlamm pro Jahr

Verbandsvorsitzender Feller und Landrat Thomas Ebeling präsentieren ein Modell der Anlage Foto: Willfurth

Rund 50 000 Tonnen Klärschlamm jährlich aus den Verbandskommunen sollen bereits ab Ende nächsten Jahres auf den beiden Trocknerlinien der Anlage auf zehn Prozent Restfeuchte heruntergetrocknet werden. Energielieferant ist Abwärme aus dem benachbarten Müllkraftwerk. Das bei der Trocknung entstehende „Brüdenwasser“ wird in der Verbandskläranlage Schwandorf-Wackersdorf von Kohlenstoff- und Stickstoffverbindungen gereinigt und fließt anschließend in die Naab. „Die Anforderungen an die Kläranlage steigen etwas an“, sagt Dipl. Ingenieurin Claudia Scharnagl vom Regensburger Büro U.T.E. Umweltschäden wie belastetes Abwasser, aber auch Geruchs- und Lärmbelästigungen durch die Trocknungsanlage schließt sie gemäß der Baugenehmigung durch das Landratsamt aus.

In der für eine großtechnische Anlage dieser Dimension rekordverdächtigen Zeit von sieben Monaten hat das Landratsamt Schwandorf Mitte Juli die Baugenehmigung erteilt. Ein Bestandteil darin ist eine rund 80 Zentimeter hohe grüne Plane, die das Baugebiet nach Norden abgrenzt: Die geschützte Zauneidechse, die hier lebt, soll damit abgehalten werden, unter die Räder zu geraten.

Hier wird die Trocknungsanlage stehen:

Auch vor unliebsamen Überraschungen im Untergrund sollen die Planer gefeit sein. „Das gesamte ZMS-Gebiet ist eine einzige Altlastenverdachtsfläche“, sagt Verbandsdirektor Thomas Knoll. Der Verdacht habe sich für das Baugebiet aber nicht erhärtet. Auch Blindgänger seien nicht zu erwarten, wie eine Nachschau des Kampfmittelräumdienstes bescheinigt habe.

Recht zügig trotz der boomenden Baukonjunktur ging auch das anschließende Vergabeverfahren über die Bühne. Von den auf 15,9 Millionen Euro geschätzten Baukosten sind nach Angaben von ZMS-Sprecher Franz Grabinger bereits drei Viertel vergeben. Ein Drittel der Bausumme fließt Grabinger zufolge an Firmen aus der Region. Auf dem Baugelände neben dem Müllkraftwerk arbeiteten am Montag die Bagger der Weidener Firma Scharnagl, die das komplette Baugewerk erstellt. Die rund 40 mal 30 Meter große Trocknerhalle erstellt die Firma C + P aus Neutraubling.

Felder werden zur Tabuzone

So soll das Gebäude aussehen. Foto: Willfurth

Die Eile der Genehmigungsbehörden und der Andrang potenzieller Verbandsmitglieder haben einen gemeinsamen Grund: Der Gesetzgeber will das Ausbringen von Klärschlamm auf Feldern eindämmen und in wenigen Jahren verbieten. In der Schwandorfer Anlage werden die Rückstände aus den Verbandskläranlagen per Lkw angeliefert. Mehr als 15 Lastwagen pro Tag werden es nach Schätzung von Thomas Knoll nicht werden, die ihre Schlamm-Lieferungen in den bereitstehenden Abkippbunker abladen. Nach der Trocknung würden maximal drei Lastwagen die Anlage wieder in Richtung Zementwerk Burglengenfeld verlassen. Dort werden die letzten Reste verbrannt.

Klärschlammtrocknung

  • Technik:

    Die Anlage wird hauptsächlich aus Annahme- und Zwischenlagereinrichtungen, einer Halle mit zwei Bandtrocknern und der notwendigen Abluftreinigung sowie Biofiltern bestehen. Die entstehenden Abwässer sollen über eine eigene Druckleitung direkt zur Verbandskläranlage Schwandorf abgeleitet werden. Das Material wird von ca. 25 Prozent Trockensubstanzgehalt (d. h. ca. 75 Prozent Wassergehalt) auf über 90 Prozent getrocknet und anschließend als Ersatzbrennstoff, z. B. im Zementwerk verwendet. Eine Verbrennung des Trockengutes im Müllkraftwerk ist nicht vorgesehen.

  • Genehmigung:

    Die Trocknungsanlage benötigte aufgrund der geplanten Durchsatzleistung eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung mit Öffentlichkeitsbeteiligung. Zuständig für die Genehmigung war das Landratsamt Schwandorf. Neben den standardmäßigen Anforderungen zur Minimierung der Umweltbeeinträchtigungen wurde dort ganz besonderes Augenmerk auf den Schutz der Anwohner vor Lärm und Gerüchen gelegt. (Quelle: ZTKS)

OB Andreas Feller, der derzeitige Vorsitzende des ZTKS, gab einen kurzen Überblick über den Bauablauf. Nach der Stabilisierung des Bodens und der Verlegung der Bodenplatte wird bis zum späten Frühjahr 2018 die Trocknerhalle aus Stahl sowie ein massives Nebengebäude errichtet. Danach wird bis September der Bandtrockner montiert. Betrieben wird die Anlage von zwei Mann, gesteuert wird sie vom ZMS-Leitstand aus, gewartet von der ZMS-Mannschaft.

Im Stadtrat und im Kreistag war die Trockungsanlage nicht unumstritten. Hauptgrund für Kritik ist die Tatsache, dass durch die Trocknung und anschließende Verbrennung der endliche Rohstoff Phosphor verlorengeht. Die Trocknungs-Befürworter entgegnen, dass es bis heute keine funktionierende Phosphor-Rückgewinnung gebe.

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