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Region Schwandorf
Donnerstag, 23. November 2017 4

Vortrag

Das Kreuz mit dem Glaubensstreit

Die Reformation kam in Burglengenfeld mit Verspätung an, doch die Auswirkungen waren heftig. Dr. Adolf Rank
Von Josef Schaller

Dr. Adolf Rank mit der Originalfassung der Kirchenordnung für Pfalz-Neuburg von 1543 Foto: Schaller

Burglengenfeld.Martin Luther hat am 31. Oktober 1517, als er der Überlieferung nach seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg schlug, die Welt verändert. Es war der Beginn der Reformation, eine kirchliche Erneuerungsbewegung, die zur Spaltung des westlichen Christentums führte. Es sollte aber noch 25 Jahre dauern, bis die Reformation auch im Burglengenfelder Raum Einzug hielt.

Dr. Adolf Rank, der seit 2001 die Bibliothek und das Archiv im Evangelischen Dekanat Sulzbach-Rosenberg betreut, erinnerte kürzlich in der Christuskirche mit seinem Vortrag „Reformation und Gegenreformation in der Superintendentur Burglengenfeld“ an diese Zeit. Dabei referierte er auch über das evangelische Leben im Städtedreieck und Kallmünz seit 1520. Und er brachte aus dem Sulzbach-Rosenberger Archiv auch die Originalfassung der Kirchenordnung für Pfalz-Neuburg von 1543 mit. Ottheinrich I. hatte diese nach Einführung der Reformation erstellen lassen.

Plötzlich deutsche Liedtexte

Erst seit 1531 machten sich die Anhänger der neuen Lehre in Burglengenfeld bemerkbar. In den Hochämtern wurden plötzlich geistige Lieder mit deutschen Texten gesungen. Die Beichte und schließlich auch die Bezahlung des Kirchenzehnts wurden verweigert. Und es wurden, gegen den erbitterten Widerstand der ansässigen Pfarrer, Gottesdienste und Sakramente nach der neuen Ordnung verlangt.

Die evangelische Kirche in Burglengenfeld heute Foto: bjs

Dabei hatten sich die Pfalz-Neuburger Fürsten Philipp und Ottheinrich zunächst gegen ein Vordringen der neuen Lehre im Lande ausgesprochen. Es waren schließlich die Ratsherren von Burglengenfeld, die in Abwesenheit von Ottheinrich – er war unterwegs auf einer Reise nach Krakau, um Schulden einzutreiben – das Sakrament in beiderlei Gestalt erlaubten, was letztlich auch den Kurfürsten beeindruckte.

Der bayerische Herzog Ludwig X., von Ottheinrich über diesen Vorgang unterrichtet, ließ überraschenderweise seinen Untertanen mitteilen, dass sich jeder wegen der Kommunion nach seinem eigenen Gewissen richten solle. Der endgültige Entschluss Ottheinrichs, sich der Reformation anzuschließen, fiel wohl im Frühjahr 1541 auf dem Reichstag zu Regensburg, als er erstmals evangelische Predigten hörte und sich das Abendmahl in beiderlei Gestalt reichen ließ.

Wiedererwachen evangelischen Lebens

  • Mehr als 200 Jahre

    hat es in Burglengenfeld keine evangelische Kirche mehr gegeben. Erst das vom bayerischen Kurfürsten und späteren König Max Josef 1801 erlassene Toleranzedikt und das bald darauf folgende Religionsedikt machten es möglich, dass sich wieder Protestanten ansiedeln konnten. Maxhütte hatte in den 1850er Jahren durch das Stahlwerk starken Zuzug an Protestanten erhalten.

  • An Ostern 1865

    fand dort der erste evangelische Gottesdienst der neu gegründeten Sammelgemeinde statt. 1887 wurde ein Kirchenbauverein gegründet, 1891 war Grundsteinlegung für die Segenskirche. In Burglengenfeld gibt es erst seit 1960 eine eigenständige Pfarrei. 1955 hatte die evangelische Gemeinde die alte, 1717 erbaute Kirche des ehemaligen Kapuzinerklosters gekauft und renoviert. (bjs)

Ottheinrich beauftragte den als Reformator bekannten Andreas Osian-der, Pfarrer von St. Lorenz in Nürnberg, ein Reformationsmandat zu erstellen, das im Juni 1542 in ganz Pfalz-Neuburg bekannt gemacht wurde. Was jetzt noch fehlte, war ein verbindliches Regelwerk, das schließlich im April 1543 erschien. Auch diesmal war es Andreas Osiander, der die Pfalz-Neuburger Kirchenordnung erstellte. Der Schmalkaldische Krieg in den Jahren 1546/47 brachte die reformatorische Entwicklung in Pfalz-Neuburg vorerst für einige Jahre zum Erliegen. Kaiser Karl V. hatte sich dem „Schmalkaldischen Bund“, ein Verteidigungsbündnis protestantischer Fürsten gegen seine katholische Religionspolitik, entgegengestellt.

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Ottheinrich musste 1544 die Regentschaft abtreten. Der alte Glauben begann, wieder aufzuleben. Diese neue katholische Phase dauerte aber nicht lange. Nachdem Moritz von Sachsen 1552 Karl V. in einer militärischen Blitzaktion überrumpelt hatte, erhielt Ottheinrich sein Land zurück. Das gesamte Fürstentum wurde endgültig in Superintendenturen, den heutigen Dekanatsbezirken entsprechend, eingeteilt. Bis zur 1615 einsetzenden Gegenreformation war Pfalz-Neuburg ein Land, in dem die lutherische Konfession tief verankert war.

Androhung drakonischer Strafen

Der streng lutherische Pfalzgraf Philipp Ludwig, der bis 1614 Landesherr in Pfalz-Neuburg war, hatte testamentarisch schon 1592 seine Nachfolge geregelt. Sein ältester Sohn Wolfgang Wilhelm sollte einmal die Oberherrschaft über das ganze Fürstentum erhalten. Dieser trat aber 1613 überraschend, ohne seinen Vater davon in Kenntnis zu setzen, zur römisch-katholischen Kirche über.

Nach dessen Tod konnte Wolfgang Wilhelm seine weitreichenden Pläne umsetzen und Pfalz-Neuburg wieder dem römisch-katholischen Glauben zuführen. Nachdem er in Neuburg bereits 1616 die ersten lutherischen Prediger vertrieben hatte, kam 1617 auch in Burglengenfeld der Befehl, dass alle protestantischen Prediger und Schullehrer unverzüglich ihren Wirkungskreis zu verlassen hätten. Die Pfarrangehörigen mussten sich zur katholischen Konfession bekennen. Mit militärischer Gewalt und Androhung harter Strafen bis hin zur Verbannung gelang es schließlich, die Menschen zur Konversion zu veranlassen.

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