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Region Schwandorf
Dienstag, 21. November 2017 7

Verkehr

Den Landkreis flexibler vernetzen

Ein Mobilitätskonzept soll Vorschläge für den Nahverkehr im Kreis Schwandorf liefern. Ab 20. Juni startet Fragebogenaktion.
Von Renate Ahrens

Mit Rufbus und E-Bike zum Ziel“ vom 24.08.2011) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Schwandorf. Mobilität ist in unserer Gesellschaft unverzichtbar. Im Landkreis Schwandorf, einem ländlich geprägten Raum, gibt es jedoch im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) immer noch viele Defizite, sowohl in räumlicher als auch in zeitlicher Hinsicht. Das könnte sich nun ändern. Ein Mobilitätskonzept für den ganzen Landkreis soll die Erreichbarkeit aller Bürger nachhaltig verbessern. Zusätzlich zum traditionellen Linienbus will man verstärkt auf flexible Lösungen setzen.

Bei einer Auftaktveranstaltung präsentierte Landrat Thomas Ebeling das geplante Verkehrskonzept zusammen mit der Regionalbus Ostbayern GmbH (RBO), die mit der Ausarbeitung des Projekts beauftragt wurde. „Wir wollen nicht etwas konzipieren, um bestehende Linien abzubauen oder um Konkurrenzlinien zu schaffen. Es geht um eine deutliche Erweiterung und Verbesserung des ÖPNV“, betonte Ebeling.

Konkrete Vorschläge liefern

Am Ende, nämlich im Januar 2018, soll das Konzept konkrete Vorschläge zur Umsetzung liefern – kostenorientiert, ökologisch und am wirklichen Bedarf orientiert. Bisher konzentriere sich die Versorgung auf zentrale Orte und auf den Schülerverkehr, findet also vor allem morgens und bis zum Nachmittag statt. Andere Wegzwecke und Mobilitätsbedürfnisse, wie zum Beispiel im Hinblick auf den demografischen Wandel, seien bislang kaum berücksichtigt worden. Auch in touristischer Hinsicht, erklärte Ebeling, wolle man Strecken erschließen, etwa im Bereich des Oberpfälzer Seenlands. Es gebe aber noch viel mehr zu beachten, wurde beim Gespräch deutlich. Wo müsse man überhaupt zusätzliche Wege schaffen, wo bewegt sich die Bevölkerung heute? Solche Fragen sollten zunächst geklärt werden.

Alfred Meller (RBO), Dominik Hauser (Landratsamt), Dr. Christian Neft (RBO), Dr. Thomas Huber (RBO), Verena Frauenknecht (Regionalmanagement), Christian Meyer (Landratsamt) und Landrat Thomas Ebeling diskutierten über ein verbessertes Mobilitätskonzept für den gesamten Landkreis. Foto: tre

Als Erstes ist also eine Bestandsaufnahme und Analyse des Nahverkehrangebots geplant. Als weiterer Schritt wird ab etwa 20. Juni in jedem Briefkasten im Landkreis ein anonymer Fragebogen zu finden sein, der nach der Auswertung wichtige Rückschlüsse geben soll. Der Fragebogen könne auch online oder, bei Mehrpersonenhaushalten, mehrmals ausgefüllt werden. Die Bürger werden hier unter anderem nach ihren Wegzielen befragt, aber auch nach Wegzwecken. Grundsätzlich sei eine landkreisumfassende Überarbeitung des ÖPNV-Systems notwendig, erklärte Verkehrsplaner Dr. Thomas Huber von der RBO – mit dem Ziel, ein zukunftsfähiges, bedarfsorientiertes und bürgernahes System zu schaffen, das über einzelne Linien hinausgeht.

Frühzeitig die Bürger beteiligen

Auch Menschen ohne Auto, so ist einer der Leitgedanken, müsse die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht werden. Alle Bevölkerungsgruppen sollen angesprochen werden, ob Senioren, Berufstätige oder Jugendliche. Dazu sei aber eine frühzeitige Bürgerbeteiligung erforderlich. Möglichst jeder Bürger sollte sensibilisiert und aktiviert werden, sich an dem Konzept zu beteiligen. Zwischenergebnisse werden in fünf Bürgerforen diskutiert, danach könnten weitere Mobilitätsbedürfnisse aufgenommen werden. Nicht nur die Ergebnisse der Fragebogen, sondern auch Expertenmeinungen, etwa aus dem Tourismusbereich, würden mit einfließen. „Umso besser können wir planen“, betonte Dr. Huber.

„Das Konzept hat nach Erfahrungswerten aus anderen Landkreisen keinen Einfluss auf die Ticketpreisentwicklung.“

Dr. Thomas Huber, RBO

Weiterer Schritt soll nämlich dann bereits die Planung und Erarbeitung eines Mobilitätskonzeptes sein. Zum Beispiel werden Einzugsgebiete definiert und gebildet und ergänzender Bedarfsverkehr, etwa zu bestimmten Zeitpunkten des Tages, erarbeitet. Schließlich soll ein konkretes Empfehlungspaket abgegeben werden.

Doch wie werden sich die Kosten für den Fahrgast entwickeln? Sind die Ticketpreise dann noch für jeden Bürger bezahlbar? „Der Kreistag wird sich darüber Gedanken machen“, sagte der Landrat. Der ÖPNV sei schließlich bezuschusst, die Preisgestaltung liege jedoch in der Hand des jeweiligen Busunternehmens, so Ebeling. „Es macht keinen Sinn, etwas zu konzipieren, was sich der Bürger danach nicht leisten kann.“ Flexibilität ist in jeder Hinsicht das Stichwort. Was in jedem Fall erforderlich sein wird, seien flexible Bedienformen, die sich der Nachfragesituation anpassen, darüber habe man sich bereits Gedanken gemacht. „Rufbusse könnten zum Beispiel bald eine Rolle spielen“, erklärte Dr. Huber. Der Bus fährt dann nur, wenn er vom Fahrgast zuvor angefordert wurde. Das (mobile) Internet würde diese Nutzung neuer Mobilitätsdienstleistungen erleichtern und die Flexibilität erhöhen. Nun aber sind zunächst die Bürger gefragt – sie dürfen und sollen mitentscheiden, welche Lösungen schlussendlich umgesetzt werden.

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Ablaufplan in vier Arbeitspaketen

  • Bestandsaufnahme und Analyse

    bis Ende Juli: Eine Datenerhebung zum derzeitigen ÖPNV-Angebot soll Erkenntnisse über Angebot und Nachfrage liefern. Außerdem soll die Landkreisstruktur analysiert und die Erschließungsqualität erkennbar werden.

  • Bedarfsanalyse

    bis Anfang September: Das Angebot soll sich nach Benutzergruppen richten. Dazu werden Mobilitätsbedürfnisse in den Teilräumen erhoben. Diese sollen genau ausgewertet werden und Teilräume abgegrenzt werden.

  • Erarbeitung des Mobilitätskonzepts,

    bis Anfang November: Angebot und Nachfrage werden räumlich analysiert. Die Funktionsräume sollen bestimmt und spezifische Bedienformen erarbeitet werden,

  • Empfehlungen für die Umsetzungsphase,

    bis Ende Januar: Die Ergebnisse werden zusammengefasst. Geeignete Umsetzformen und – varianten sollen erarbeitet werden, ebenso wie Konzeptvorschläge im Bereich des Marketings. (tre)

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