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Region Schwandorf
Sonntag, 17. Dezember 2017 4

Ehrung

Der Dornröschenschlaf ist beendet

Michaela Gottmeier hat für die Renovierung ihres Böhmerwaldhauses in Stadlern den Denkmalpreis des Bezirks erhalten.
Von Maria Bauer

Bezirksrat und Altlandrat Volker Liedtke (von links), der Architekt Christian Schönberger, stellvertretender Landrat MdL Joachim Hanisch, Preisträgerin Michaela Gottmeier und Bezirkstagspräsident Franz Löffler Foto: gmb

Stadlern.Die Trägerin des Denkmalpreises des Bezirks Oberpfalz kommt dieses Jahr aus dem Landkreis Schwandorf. Für die Sanierung eines Böhmerwaldhauses in Stadlern hatte Michaela Gottmeier bereits die Urkunde sowie das Preisgeld von 5000 Euro erhalten. Bezirkstagspräsident Franz Löffler übergab Michaela Gottmeier, zur Anbringung am Gebäude, das Preisträgerschild mit der Aufschrift „Denkmalpreis 2017“. Das Böhmerwaldhaus setzte sich gegen 28 weitere Bewerbungen für den Denkmalpreis durch.

Für die Sanierung dieses Hauses in Stadlern hat der Bezirk Oberpfalz den Denkmalpreis verliehen. Foto: gmb

„Es gibt schöne Termine und es gibt ganz schöne Termine. Heute ist einer dieser ganz schönen Termine“, begann der Bezirkstagspräsident seine kurze Ansprache bei der Übergabe. Er zeigte sich beeindruckt über das Ergebnis der aufwendigen und vorbildlichen Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes: „Dahinter steckt sehr viel Mühe und Begeisterungsfähigkeit“, war Löffler sich sicher.

30 Jahre stand das Haus leer

Michaela Gottmeier führte die Ehrengäste, darunter auch Altlandrat Volker Liedtke und stellvertretender Landrat MdL Joachim Hanisch, durch das Haus, und erklärte die geleisteten Bau- und Sanierungsschritte in den jeweiligen Zimmern. Das rund 200 Jahre alte Haus zählt zu den letzten Exemplaren des Haustyps „Böhmerwaldhaus“. Dieser Baustil war früher im oberpfälzisch-tschechischen Grenzgebiet weit verbreitet.

Blick ins Wohnzimmer Foto: gmb

Um die 30 Jahre stand das ehemalige Wohnstallhaus leer bis sich Gottmeier, die das Haus von ihrem Vater überlassen bekam, sich entschloss, den Familienbesitz wieder instand zu setzen. „Es war schon immer mein Traum, das Haus herzurichten“, erzählte Gottmeier. Sie und ihre Familie leisteten über einen Zeitraum von drei bis vier Jahren mehr als 1000 Stunden an Eigenleistung, um das denkmalgeschützte Haus vorschriftsgemäß zu sanieren.

Gottmeier selbst arbeitet als Architektin und brachte so bereits Fachwissen mit. Zur Sanierung holte sie sich jedoch fachliche Unterstützung von dem Architekten Christian Schönberger und dem zuständigen Gebietsreferenten Raimund Karl vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.

Der Originalzustand des Böhmerwaldhauses konnte weitgehend wieder hergestellt werden. So ziert das Haus nun zum Beispiel ein Dach aus Lärchenschindeln. Viele Jahre war ein Blechdach angebracht, darunter waren jedoch mehrere Schichten Holzschindeln, weshalb sich die Bauherrin dazu entschied, diese ursprüngliche Dacheindeckung zu wählen. Die Doppelfenster wurden original nachgebaut, manche sogar mit alten Beschlägen versehen.

Der Denkmalpreis

  • Der Preis

    Seit dem Jahr 2013 vergibt der Bezirk Oberpfalz einen eigenen Denkmalpreis, um die Leistungen der Eigentümer bei der aufwendigen und kostenintensiven Sanierung zu würdigen.

  • Die Förderung

    Der Preis weist auch auf die Förderung des Bezirks Oberpfalz hin, der pro Jahr etwa 1 Million Euro zur Sanierung denkmalgeschützter Gebäude in der Oberpfalz zur Verfügung stellt.

  • Bisherige Preisträger

    Soifererhaus in Berching, Kreis Neumarkt i. d. OPf. (2013), Hotel Fronfeste in Amberg (2014), Weismannstadel in Hemau, Kreis Regensburg, und Ledereranwesen in Tännesberg, Kreis Neustadt a. d. Waldnaab (2015), ehemaliges Konventgebäude des Klosters Gnadenberg, Kreis Neumarkt i. d. OPf. (2016), Böhmerwaldhaus in Stadlern, Kreis Schwandorf (2017)

Die Raumaufteilung hat sich etwas verändert und aus den ursprünglich vielen kleinen, engen Zimmern ist ein geräumiges Hausinneres geworden. Im Originalhaus gab es auch keine richtige Toilette, weswegen nun im Gebäudeteil, in dem sich früher der Stall befand, ein Badezimmer vorzufinden ist. Generell wurden im ganzen Haus natürliche Materialen verwendet wie Lehmputz und Lärchenholzdielen. „Die Kunst ist es, die Haustechnik zu verstecken“, erklärt Schönberger. Vieles sehe man nicht, wie zum Beispiel die Wandtemperierung. So wird das Gebäude durch Heizschlangen in den Wänden warmgehalten.

Eine Reihe der Einrichtungsgegenstände stammen von den früheren Bewohnern und wurden saniert. Foto: gmb

Die meisten Möbel, mit denen das Böhmerwaldhaus nun ausgestattet ist, waren bereits in der Baulichkeit vorhanden. Gottmeier ließ die Möbelstücke reparieren und ausbessern und verwendet sie nun, ebenso wie alte Vasen, Uhren, Nähmaschinen, als Innenausstattung des Hauses.

Den Schritt hat sie nie bereut

Bereut habe Gottmeier den Schritt nie, auch wenn die Sanierung viel Arbeit bedeutete und es durchaus schwierige Momente gegeben hätte. Vor allem zu Beginn der Bauarbeiten gab es erst einmal sehr viel zu entrümpeln und Schutt zu entsorgen. „Am Anfang sind wir sehr belächelt worden“, erzählt Gottmeier. Jetzt bekämen sie jedoch viel Zuspruch für das fertig sanierte und ausgestattete Gebäude. Im letzten Jahr beteiligte sich die Familie am Tag des offenen Denkmals und viele Besucher seien angetan gewesen vom Böhmerwaldhaus und der originellen Inneneinrichtung. „Die Leute erkennen viele Sachen wieder aus der eigenen Kindheit und Jugend“, so Gottmeier.

„Ein denkmalgeschütztes Haus herzurichten ist das eine, es mit Leben zu füllen, das andere.“

Bezirkstagspräsident Franz Löffler

„Ein denkmalgeschütztes Haus herzurichten ist das eine, es mit Leben zu füllen, das andere“, lobte der Bezirkstagspräsident die Familie Gottmeier. Laut Löffler sei es oft ein Problem für die Eigentümer denkmalgeschützter Häuser, dass sie nicht wissen, wie das Gebäude zukünftig genutzt werden soll. Michaela Gottmeier fand eine Lösung für sich: Auf der Online-Plattform Belvilla vermietet sie das Böhmerwaldhaus an Feriengäste.

Mit der Beschreibung „Wohnen wie bei Oma, mit modernem Komfort“ konnte Gottmeier schon viele Gäste auf das „Waldlerhaus“ in Stadlern aufmerksam machen. Viele Gäste kämen vor allem aus Belgien und den Niederlanden. „Die Feriengäste schätzen die Ruhe“, weiß Hans Gottmeier, der Ehemann der Preisträgerin. In ein paar Jahren möchte die momentan in Dietersdorf ansässige Familie Gottmeier das Böhmerwaldhaus gerne selbst bewohnen.

Laut Michaela Gottmeier gäbe es auch schon eventuelle „Nachahmer“, welche durch die Sanierung des Böhmerwaldhauses inspiriert wurden, eigene denkmalgeschützte Gebäude wieder instand zu setzen.

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