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Region Schwandorf
Mittwoch, 17. Januar 2018 9

Menschen

Der letzte Kick für den Meister

Kampfsportlehrer Stefan Zimmermann bildet in Nittenau Sportler aus. Er selbst will es heuer bei der WM nochmals wissen.
Von Philipp Seitz

Thaiboxer und Trainer Stefan Zimmermann zeigt in der Nittenauer Trainingshalle einen Lowkick. Foto: Seitz

Nittenau.Stefan Zimmermann ist die Konzentration anzumerken. Sein Blick ist starr auf den Standboxsack gerichtet. Immer wieder dreht der 35-Jährige seinen Oberkörper und tritt mit den Füßen fast mühelos auf den Boxsack ein. Minutenlang geht das so. Was nach einer einfachen Übung aussieht, ist anstrengendes Training. „Bei Kampfsportarten ist Fitness das A und O“, sagt Zimmermann. Der ausgebildete Kampfsporttrainer und Geschäftsführer der Kampfsportschule Bushido muss es wissen. Fast täglich steht er in der Halle. Wenn er nicht gerade Sportler in Nittenau, Roding oder Cham ausbildet, bereitet sich Zimmermann auf seine eigenen Wettkämpfe vor.

Dem schlanken und eher zierlichen Sportler sieht man es auf den ersten Blick nicht an, welche Power in ihm steckt. Das ist vielleicht einer seiner großen Vorteile. In Deutschland hat sich Zimmermann freilich schon einen Namen erkämpft. Bei der jüngsten Bayerischen Meisterschaft im Thaiboxen musste er erst gar nicht in den Ring steigen. Seine Gegner zogen reihenweise vor dem Kampf zurück. „Den Titel habe ich dann auch nicht angenommen. Das ist für mich kein Titel, ich muss dafür schon kämpfen.“

Polnischer, ukrainischer und tschechischer Meister

Gürtelprüfungen können Nittenauer Sportler in Karate ablegen. Das jeweilige Training ist altersabhängig. Foto: Seitz

Über seine Erfolge und Kämpfe spricht Zimmermann aber eher ungern. Zurückhaltung und Bescheidenheit sei gefragt, sagt der Kampfsporttrainer. Dabei wurde er in den vergangenen Jahren polnischer, ukrainischer und auch tschechischer Meister. Die internationalen Turniere liebt Zimmermann: „Ich bin besonders gerne bei Wettkämpfen im Ausland. Die Osteuropäer kämpfen einfach anders, sie zeigen mehr Herz.“

Bei den Wettkämpfen teilt Zimmermann oft aus, muss aber auch ab und an einstecken. So wie zuletzt bei einem Thaiboxturnier in Tschechien. Am Ende musste der Ringrichter den Kampf in der zweiten Runde abbrechen. Nach einem Cut über dem Auge war Zimmermann das Blut ins Gesicht gelaufen und die Sicht getrübt. Der Gegner nutzte das aus, holte zum Kick aus und brach Zimmermann die Nase.

Stefan Zimmermann erklärt im Video, warum Kickboxen für Kinder geeignet ist:

Video: Seitz

Auch das kann passieren. Wenn Zimmerman über den Kampf erzählt, muss er lachen. „So oft habe ich mich noch nicht verletzt. Aber jetzt langsam merke ich das Alter.“ In diesem Jahr will er es nochmals wissen und es allen zeigen. Sein großes Ziel ist die Weltmeisterschaft. In der Zeit danach wird dem 35-Jährigen sicherlich nicht langweilig. Die Kampfsportschule, die an sechs Standorten Trainingseinheiten anbietet, erlebe derzeit nicht nur in Nittenau großen Zulauf, sagt Zimmermann.

Im Kinderbereich bietet die Kampfsportschule einiges an: Von der Geburtstagsfeier bis zum Training. Foto: Seitz

Ein Trend sei, dass sich immer mehr Mädchen und Frauen für Kampfsportarten interessieren. Ihnen geht es dabei um die Selbstverteidigung und die eigene Sicherheit. Überhaupt seien die Trainingseinheiten und das pädagogische Konzept nicht vorrangig auf das Kämpfen ausgelegt, sagt Zimmermann.

„Ich bin besonders gerne bei Wettkämpfen im Ausland. Die Osteuropäer kämpfen einfach anders, sie zeigen mehr Herz.“

Stefan Zimmermann

Es gehe um Fitness, um den Spaß und darum, einen sportlichen Ausgleich für sich selbst zu finden. Wer kämpfen wolle, der könne bei Turnieren antreten. „Das macht aber nur ein relativ geringer Anteil unserer Sportler.“ In erster Linie unterrichte er Handgriffe, mit denen der Gegner abgewehrt oder entwaffnet werden könne. „Das ist optisch nicht schön, aber effektiv.“ In Nittenau bildet Zimmermann Interessierte in der israelischen Selbstverteidigungskunst Krav Magan, im Thaiboxen und in Arnis, einer Art des Stockkampfes, aus.

Kinder für den Sport begeistern

Kurse werden in Nittenau und weiteren fünf Standorten unter anderem in Thaiboxen und Krav Maga angeboten. Foto: Hans Wiedl/dpa

Die Verletzungsgefahr im Kampfsporttraining sei geringer als beim Fußball, sagt Zimmermann. „Man lernt auch spezielle Falltechniken, um sich nicht zu verletzen.“ Ein Anliegen ist es ihm, die Kinder vom Computer wegzulocken und deren motorische Fähigkeiten zu verbessern. „Wir kooperieren deshalb auch mit Schulen und bieten dort altersgerechte Trainingseinheiten an.“ Eines stimmt Zimmermann nachdenklich: „Die Kinder haben weniger motorische Fähigkeiten. Teilweise können Elfjährige nicht richtig rückwärts laufen. Das liegt daran, dass sie ständig vor dem PC oder Tablet sitzen.“

Zimmermann konnte das nicht passieren. Mit Zwölf begann er mit Karate, konzentrierte sich dann immer mehr auf das Thai- und Kickboxen. „Mir war Karate irgendwann zu wenig, ich brauchte eine härtere Sportart“, sagt er.

So trainieren Kinder in der Kampfsportschule Bushido:

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