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Region Schwandorf
Mittwoch, 13. Dezember 2017 3

Märkte

Die Direktvermarkter ziehen um

Nach dem Umbau ist das Tierzuchtzentrum für den Bauernmarkt nicht mehr geeignet. Neue Adresse ist am Sportpark Schwarzenfeld.
Von Hubert Heinzl

Der Oberpfälzer Bauernmarkt zieht nach Schwarzenfeld, doch das Angebot bleibt. Foto: Ahrens/Archiv

Schwandorf.Seit 20 Jahren ist der Oberpfälzer Bauernmarkt ein Markenzeichen für das Schwandorfer Tierzuchtzentrum an der Hoher-Bogen-Straße. Dreimal im Jahr – an Weihnachten, Ostern und zum Erntedank – bieten hier Direktvermarkter aus der Region ihre bäuerlichen Waren an: Lammfleisch und Käse, Fischprodukte und Strickwaren, Bienenwachskerzen oder Gestecke. Organisiert werden die Events von der Interessengemeinschaft Landwirtschaft im Landkreis Schwandorf, in der sich die vielen Direktvermarkter zusammengeschlossen haben; unterstützt und inhaltlich begleitet werden sie vom Bayerischen Bauernverband. In den Hallen sind die Stände aufgebaut, wird gebrutzelt und gekocht. Im Auktionssaal, dem „Großen Ring“, ist meist ein Streichelzoo aufgebaut.

Besucher bis aus Norddeutschland

Der Zulauf ist groß: Dorthin, wo sonst Großvieh oder Kälber versteigert werden, pilgern an den Veranstaltungswochenenden regelmäßig Tausende von interessierten Gästen. „Die Besucher kommen von weit her, bis aus Norddeutschland“, weiß Josef Wittmann, Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands. Der Bauernmarkt ist aber nicht nur der Ort, wo Anbieter und Kunden zusammenkommen, sondern auch beliebter Treffpunkt für den Berufsstand. „Hier tauschen sich auch die Landwirte gerne aus, sogar für Familientreffen werden die Veranstaltungen gerne genutzt“, sagt Wittmann. Doch damit ist es künftig vorbei. Denn der Rinderzuchtverband Oberpfalz, Eigentümer und Betreiber des Schwandorfer Tierzuchtzentrums, hat die Einrichtung in den vergangenen Monaten umgebaut, um auf die Veränderungen auf dem Markt zu reagieren.

Statt der Ställe, die sich für den Bauernmarkt abbauen ließen, wurden feste Boxen installiert, in denen die Tiere auf die Auktionen warten. Rund 100 000 Euro wurden für den Umbau investiert, informiert der Vorsitzende des Rinderzuchtverbands, Erich Pillhofer.

Tiere deutlich entspannter

Das Ganze hat mit Verschiebungen auf dem Rindermarkt zu tun, aber auch mit dem Gedanken des Tierwohls. Laut Pillhofer ziehen immer mehr Landwirte ihre Jungkühe in Laufställen groß, und das wirkt sich auch auf die Form der Vermarktung aus. Die Tiere lassen sich nur ungern an der Leine führen; bei den Auktionen werden die Kühe in kleinen Gruppen und im „losen Auftrieb“ durch das Gebäude in den „Großen Saal“ des Tierzuchtzentrums befördert. Das kommt gut an bei den Haltern – und offenbar auch bei den Jungkühen selbst, wie Pillhofer erklärt. „Die Tiere präsentieren sich deutlich entspannter“, sagt der Verbandsvorsitzende, der die Neuerung bei der jüngsten Auktion erstmals erfolgreich getestet hat. Bei den Bullen bleibt es allerdings beim herkömmlichen Auftrieb – schon allein aus Sicherheitsgründen.

Dass die Rinderzüchter künftig neue Wege gehen – die Form der Präsentation liegt in ganz Bayern im Trend – hat allerdings folgen für die Besucher des Bauernmarkts: Sie müssen künftig draußen bleiben. Durch den Umbau sei das Tierzuchtzentrum für größere Besucherzahlen einfach nicht mehr geeignet, sagt Pillhofer. Weder entspreche der Brandschutz den künftigen Anforderungen, noch gebe es zwischen den fest installierten Boxen ausreichend Platz für Fluchtwege: „Die Gassen sind dann einfach zu knapp bemessen“.
Beim Bauernverband verfolgt man die Entwicklung mit ein bisschen Wehmut, äußert aber auch Verständnis. „Es war eine großzügige Geste, dass wir hier untergekommen sind, und wir sind sehr dankbar dafür“, sagt Josef Wittmann, „aber natürlich muss sich auch der Rinderzuchtverband weiterentwickeln bei der Vermarktung“. Zusammen mit der Interessengemeinschaft Landwirtschaft hat er sich deshalb schon frühzeitig nach Alternativen umgesehen. Ursprünglich wollte man mit dem Bauernmarkt in die Schwandorfer Oberpfalzhalle umziehen, doch das scheiterte an der Belegung. „Die nächsten drei Termine waren alle schon vergeben“, sagt Wittmann, „und wenn man den Markt dreimal ausfallen lässt, dann ist er tot“ – in diesem Punkt habe Einigkeit unter den Veranstaltern geherrscht.
Bei der Suche nach Alternativen wurde man schließlich in Schwarzenfeld fündig, am Sportparkgelände. Nach einem einstimmigen Beschluss des Schwarzenfelder Marktrats kann bereits der nächste Erntedank-Bauernmarkt am 14. und 15. Oktober in der Marktgemeinde stattfinden.

Der vertraute Stallgeruch fehlt

Den typische Atmosphäre im Tierzuchtzentrum, den vertrauten Stallgeruch sozusagen, werden die Besucher zwar vielleicht vermissen. Doch Wittmann ist überzeugt, dass auch der neue Standort gut angenommen wird. Gekocht und aufgetischt wird in der Sportparkhalle zwar nicht, doch dafür wird nach den Worten des BBV-Geschäftsführers künftig ein großes Zelt im Außenbereich zur Verfügung stehen. Und für die Anbieter sei die Halle mit ihren rund 1500 Quadratmetern Fläche und dem austauschbaren Boden ideal. Parkplätze gibt es nach seiner Einschätzung ausreichend, und auch die zentrale Lage spreche für den Sportpark.

Auch die Marktgemeinde Schwarzenfeld, weiß Wittmann, ist über die Autobahn leicht erreichbar. Dem großen Familientreffen beim Bauernmarkt steht als auch in Zukunft nichts mehr im Wege.

Bauernmarkt

  • Jubiläum:

    Der Oberpfälzer Bauernmarkt kann in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiern. Die erste Veranstaltung dieser Art fand 1997 im Tierzuchtzentrum Schwandorf statt, rechtzeitig zum Weihnachtsfest.

  • Organisation:

    Die Organisation des Oberpfälzer Bauernmarkts liegt in den Händen der „Interessengemeinschaft Landwirtschaft im Landkreis Schwandorf“, in der sich zahlreiche Direktvermarkter zusammengeschlossen haben. Der Bayerische Bauernverband, Kreis Schwandorf, unterstützt die Initiative unter anderem inhaltlich.

  • Termine:

    Der Oberpfälzer Bauernmarkt findet jeweils dreimal im Jahr statt, an Weihnachten, Ostern und zum Erntedankfest.

  • Neuer Standort:

    Künftig wird der Bauernmarkt im Sportpark Schwarzenfeld abgehalten. Die Waren werden in der Halle, frisches Essen gibt es in einem eigenen Zelt. Auftakt ist am Wochenende des 14./15. Oktober anlässlich des Erntedanks. (hh)

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