mz_logo

Region Schwandorf
Mittwoch, 22. November 2017 3

Natur

Die fliegende Bedrohung im Wald wächst

Förster schlagen Alarm: Vor allem im südöstlichen Landkreis Schwandorf ist der Borkenkäfer auf dem Vormarsch.
Von Cornelia Lorenz

Auch im Raum Nittenau breitet sich der Borkenkäfer im Moment stark aus. Förster Fabian Pscheidt hofft, dass die Waldbesitzer schnell reagieren, wenn sie befallene Bäume entdecken. Foto: Lorenz

Landkreis.Eigentlich hatte Waldbesitzer Christof Obermeier aus Nittenau nicht vor, jetzt im August an die 100 Fichten fällen zu lassen, doch zum Kahlschlag gibt es keine Alternative: Der Borkenkäfer hat sich in einem seiner Waldstücke breit gemacht und für braune Baumkronen und abfallende Rinde gesorgt. Und das ist in der Region bei Weitem kein Einzelfall: Vor allem im südöstlichen Landkreis sind die Forstwirte alarmiert, weil sie immer häufiger auf die Spuren des Schädlings stoßen. „Das ist eine Folge des Hitzesommers 2015 – die Bäume sind davon heute noch geschwächt“, sagt Fabian Pscheidt, Förster im Revier Bodenwöhr.

Die Lage verschärft sich

Mit Argusaugen sind er und seine Kollegen im Landkreis derzeit in den Wäldern unterwegs, um frühzeitig befallene Bäume identifizieren zu können. Bereits Anfang Juli hatte das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten auf eine spürbare Zunahme der Zahl der vom Käfer befallenen Bäume hingewiesen und die Waldbesitzer um Wachsamkeit gebeten – und das zu Recht. „Die Lage verschärft sich zunehmend“, sagt Forstdirektor Peter Hummel. Vor allem im Raum Neunburg sei der Borkenkäfer im Moment sehr aktiv, was sich anhand der vielen Fundstellen mit frischem Bohrmehl zeige.

Insgesamt spitzt sich Hummels Worten zufolge die Gefahrenlage im gesamten südöstlichen Landkreis derzeit weiter zu. Im Regental bei Nittenau zum Beispiel seien die Fichtenbestände an den Südhängen besonders gefährdet, weil hier durch die stärkere Sonneneinstrahlung das Wasser im Boden schneller verdunste und die Bäume deshalb häufiger mit Trockenheit zu kämpfen hätten – eine ideale Angriffsstelle für den Käfer.

Doch insgesamt will Hummel noch nicht von einer Katastrophe sprechen. Im Raum Regensburg oder im Gebiet rund um Landshut habe es die Wälder aufgrund der Witterungsverhältnisse dort noch deutlich schlimmer erwischt. Von den Dimensionen des dortigen Käferbefalls sei man im Landkreis deshalb zum Glück noch entfernt, betont Hummels.

Noch wenig Spuren in Schönsee

Zwar ist der Borkenkäfer im südöstlichen Landkreis stark auf dem Vormarsch, doch es gibt auch einige Gebiete, in denen noch wenig Spuren des gefräßigen Schädlings zu finden sind. Das gilt zum Beispiel für das Forstrevier in Schönsee. „Dort ist das Klima wegen der Höhenlage ein wenig rauer und der Käferbefall deshalb noch nicht so tragisch“, sagt Hummel.

Auch Förster Dieter Ernst vom Amt für Landwirtschaft, der fürSchwandorf, Schwarzenfeld, Fensterbach, Schmidgaden, Stulln und Wackersdorf zuständig ist, ist von Borkenkäfer-Panik noch weit entfernt. „Hier geht es erst langsam los“, lautet sein Fazit. Im Großraum Burglengenfeld und Neunburg ist die Gefahrenlage seiner Einschätzung nach deutlich dramatischer.

Trotzdem rät auch er allen Waldbesitzern, wachsam zu sein. „Sie sollten rausgehen und nachschauen, ob es einen Neubefall mit Käfern gibt – das geht oft sehr schnell“, sagt er. Wenn man an einem Baum die typischen Spuren wie Bohrmehl und Harztropfen bemerke, müsse man damit rechnen, dass sich der Käfer auch schon in den benachbarten Bäumen breit gemacht habe.

So war es auch bei Christof Obermeier in Nittenau. Seit dem Frühjahr hatte er regelmäßig in seinem Wald nach dem Rechten geschaut, um keine Warnzeichen für Käferbefall zu übersehen. Doch nun hat es auch einen Teil seiner Fichten erwischt. Pro Festmeter Holz, das er nun so schnell wie möglich aus dem Wald bringen lässt, entsteht ihm ein Schaden von rund 20 Euro.

Laubbäume als Alternative

Um die gehäckselten Baumkronen, in denen der Käfer aktiv war, an den Mann zu bringen, müsste er derzeit sogar rund fünf Euro pro Festmeter draufzahlen, da dieses Material im Moment überhaupt nicht gefragt ist. Kein Wunder also, dass Obermeier sich nun überlegt, wie er das nun kahle Areal in seinem Wald künftig bepflanzen wird. Ein reiner Fichtenbestand solle es nicht mehr werden, sagt er. Stattdessen denkt er daran, Laubbäume wie Eichen, Ahorn oder Vogelkirschen zu pflanzen, um eine gesunde Mischwaldstruktur zu erzielen.

Dann könnte sich in Zukunft der Borkenkäfer nicht mehr so rasant ausbreiten, auch wenn ein heißer Sommer die Bäume schwächt. Förster Pscheidt befürchtet, dass sich heuer aufgrund des trockenen Frühjahrs sogar noch eine vierte Generation Käfer auf Fress-Tour machen könnte. Für die Waldbesitzer dürfte es ein aufregender Herbst werden.

Mehr Nachrichten aus dem Kreis Schwandorf lesen SIe hier.

Waldbesitzer sollten aktiv werden

  • an die Waldbesitzer kommt von der Waldbesitzervereinigung (WBV) Neunburg-Oberviechtach: Da die Borkenkäferaktivität vor allem im südlichen und westlichen WBV-Gebiet zur Zeit enorm sei und auch im restlichem Bereich vermehrt Käfernester auftauchten, bittet die WBV alle Waldbesitzer dringend, ihre Fichtenbestände zu kontrollieren. Zu achten sei auf abfallende Rinde oder braunes Bohrmehl, das am Stamm herunter rieselt. Bei diesen Symptomen sollten Waldbesitzer laut WBV sofort aktiv werden und die Stämme einschlagen lassen, um den Käfer zu stoppen.

  • Hilfsangebote:

    Wer sich nicht sicher ist, ob ein Käferbefall vorliegt oder nicht, kann sich beim zuständigen staatlichen Revierleiter des AELF oder bei der WBV beraten lassen. Wenn die WBV den Einschlag übernehmen soll, wird um baldmöglichste Anmeldung gebeten, da Vorplanungen nötig sind. Momentan sind drei Harvester im Gebiet der WBV Neunburg/Oberviechtach unterwegs, damit man überall relativ zeitnah eingreifen kann. Grundsätzlich sollten sich alle Waldbesitzer bei Bekanntwerden des Schadens, mit der WBV-Geschäftsstelle, Tel. (0 96 73) 91 32 66 absprechen.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht