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Region Schwandorf
Freitag, 19. Januar 2018 3

Geschichte

Die Könige und ihre Geschenke

Der Dreikönigstag beschert einen Feiertag. Doch was hat es mit den Königen auf sich? Das beantwortet Pfarrer Adolf Schöls.
Von Philipp Seitz

Die Weisen aus dem Morgenland sollen durch ein außergewöhnliches Himmelsereignis zur Krippe in Bethlehem gelangt sein. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Im Neuen Testament ist nie von „drei Königen“ die Rede. Wie entstand diese Zahl?

Es stimmt! Von drei Königen ist im Neuen Testament nicht die Rede. Außerdem wird nur im Matthäusevangelium die Huldigung der Sterndeuter aus dem Osten erwähnt. Die anderen drei Evangelien (Markus, Lukas und Johannes) berichten nicht darüber.

Im Matthäusevangelium heißt es: „Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, siehe, da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem. (…) Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.“ Weil die Sterndeuter drei Gaben brachten, hat man jedem von ihnen eine Gabe in die Hand gelegt und so kam es zu der Zahl drei.

Warum sprechen wir heute nicht von Sterndeutern, sondern von Königen?

Adolf Schöls ist seit 2012 Seelsorger in der Pfarrei Mariä Geburt Nittenau. Foto: ph

Sterndeuter gab es schon sehr lange vor allem im Orient. Sie waren gelehrte Männer, die am Hof eines Königs als Berater fungierten. Aus dem Lauf der Sterne deuteten sie die zukünftige Geschichte. Sie hatten großen Einfluss auf die Entscheidungen des Königs. Sie konnten eine Sonnen- oder Mondfinsternis oft sehr genau voraussagen. Von daher genossen sie ein hohes Ansehen. Im 6. Jahrhundert wurden aus den Sterndeutern Könige. Man konnte sich einfach nicht vorstellen, dass Sterndeuter so königliche Geschenke dem Kind in der Krippe brachten. Damit wurde natürlich auch die Bedeutung Jesu aufgewertet.

Wie kamen die Namen Caspar, Melchior und Balthasar zustande?

Wenn in diesen Tagen die Sternsinger unterwegs sind, schreiben sie an die Türen unserer Häuser 20*C+M+B+18. Das ist die Abkürzung für den lateinischen Satz: Christus mansionem benedicat, daher Christus segne dieses Haus. Die drei Anfangsbuchstaben C, M, B entsprechen den drei Namen Caspar, Melchior und Balthasar.

Diese Bedeutung haben die Namen der Heiligen Drei Könige:

In der Bibel werden keine Namen genannt. Im 6. Jahrhundert tauchen erste Namen auf: Melichior, Bithisarea und Gathaspa. 300 Jahre später wurden daraus Caspar, Melchior, Balthasar. Caspar bedeutet Schatzmeister (persisch). Er soll Weihrauch zur Krippe gebracht haben. Melchior heißt: König des Lichtes (hebräisch). Er trug das Gold zur Krippe. Balthasar bedeutet in der aramäischen Sprache: Gott schütze das Leben des Königs. Er brachte die Myrrhe.

Hatten die Sterndeuter wirklich Gold, Weihrauch und Myrrhe dabei?


Darüber zu spekulieren ist problematisch. Die Botschaft der Bibel ist hier eindeutig. Sie spricht von diesen drei genannten Gaben. Wie viel das nun war, kann man nicht sagen, da in der Bibel dazu keine Angaben gemacht werden. Gold steht für den König, Weihrauch für seine Gottheit und Myrrhe für sein Leiden. Myrrhe war damals ein sehr wertvolles und teureres Öl. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Herrscher den Sterndeutern diese Gabe mitgegeben haben, um den neugeborenen König zu huldigen und ihm damit ihre Aufwartung zu machen.

Kein König ohne Krone und je schöner das Gewand, desto würdevoller das Gefühl: So werden Kinder und Jugendliche Sternsinger.

Es gibt verschiedene Darstellungen. Wie müssen wir uns ihr Aussehen vorstellen?

Ich denke mir, sie müssen so ähnlich ausgesehen haben wie damals die besseren und höher gestellten Menschen aus Babylonien und Mesopotamien. Die Sterndeuter waren Orientalen und gehörten zur Oberschicht. Sie waren wie schon erwähnt hoch gebildete und angesehene Gelehrte, die vom König ausgestattet wurden. Sie repräsentierten als königliche Berater den jeweiligen Herrscher ihres Landes.

Mehr über die Sternsinger erfahren Sie im Spezial der Neumarkter Kollegen.

Am besten stellt man sich eine orientalische Krippe vor mit Männern in kostbaren Gewändern, mit Turban etc. Oder man denke an einen alten Film, der im alten Orient spielt. Ich bin der Meinung, dass ihr Auftreten in Jerusalem auf jeden Fall für Furore gesorgt hat, weil sie nicht alltäglich gekleidet waren.

Unser Kollege Seitz war mit den Sternsingern in Nittenau unterwegs:

Video: Seitz

Welche Botschaft geben Sie den Gläubigen am Dreikönigstag mit auf den Weg?

Die Weisen aus dem Orient haben sich nach einem neuen König gesehnt und gehofft, dass er es sein werde, der Frieden bringt, der die Welt zum Guten wendet. Sie waren Menschen, die mit der momentanen Situation nicht zufrieden waren und gespürt haben, es muss noch mehr geben als ein Leben in Gemütlichkeit, mit einem guten Auskommen. Sie spürten, dieser König bringt ein neues Klima in unsere Welt.

Pfarrer Schöls erklärt den Dreikönigstag

  • Zur Person:

    Pfarrer Adolf Schöls war von 1996 bis 2002 Pfarrer in Nieder- und Oberviehbach. Danach war er zehn Jahre lang Pfarrer von Altenthann, Brennberg und Frauenzell. Seit fünf Jahren wirkt er in Nittenau.

  • Das Studium:

    Pfarrer Schöls studierte fünf Jahre lang katholische Theologie an der Universität Regensburg und in seinem Freisemester in Münster. Bis zum Abitur engagierte sich Schöls in der Kirche als Ministrant. Auch im Priesterseminar habe er danach noch lange ministriert.

  • Sein Hobby:

    Bei der Schönstattjugend brachte sich Schöls als Gruppenleiter ein. In dieser Funktion organisierte und veranstaltete er als Jugendlicher viele Wochenenden, Zeltlager und Gruppenstunden.

  • Die Botschaft:

    Er wolle den Menschen vermitteln, „dass es gut tut, an der Seite Gottes sein Leben zu gestalten“, sagt Schöls. „Durch ihn bekomme ich ein viel besseres und ganz anderes Lebensgefühl, weil ich weiß, ich bin von Gott geliebt und angenommen.“

Ich möchte die Gläubigen ermutigen, immer wieder neu zu Jesus Christus aufzubrechen. Er ist die Sehnsucht, die mein Herz erfüllen kann und er will mich motivieren, für ein besseres Klima (Atmosphäre) bei mir und unter uns zu sorgen. Von Jesus geht Segen aus und wir Christen sollen, wie die Sternsinger es uns zeigen, zum Segen werden. Segnen heißt lateinisch „benedicere“, also Gutes über jemanden sagen. So wünsche ich uns, dass wir gerade in diesem Jahr gut über andere sprechen und so für eine neues Klima sorgen.

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  • RW
    Rosmarie Wein
    05.01.2018 09:09

    Hier finden sich alle Infos: https://de.wikipedia.org/wiki/Heilige_Drei_Könige

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