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Region Schwandorf
Samstag, 16. Dezember 2017 5

MZ-Serie

Die Liebe zum Dialekt ist geblieben

Mit 17 Jahren zog Simone Bauer aus Maxhütte-Haidhof nach München. Sie fand, was sie suchte: Karriere, Mode, Musik.
Von Katia Meyer-Tien, MZ

Autorin Simone Bauer liebt das Shoppen in München. Doch das ist nicht das einzige, was sie an der Großstadt fesselt. Foto: Meyer-Tien

München.„Loadig“ ist ihr Lieblingsdialektwort, und Simone Bauer erklärt auch gleich, was es bedeutet: extrem laut, manchmal nervig. „Genauso bin ich.“ Davon allerdings merkt man nichts, wenn man die 25-Jährige an diesem Morgen auf dem bequemen Sofa in einem Münchner Café sitzen sieht. Ruhig nippt sie ab und zu an ihrem Wasser und redet konzentriert über das, was ihr wichtig ist: der Oberpfälzer Dialekt, weil er für sie Heimat bedeutet, das Schreiben – und ihr München.

Dass sie schon immer nach München wollte, haben nicht alle verstanden, die mit ihr zusammen in Maxhütte-Haidhof (Landkreis Schwandorf) groß geworden sind. Ihre Eltern noch am ehesten, die haben früher selber eine Weile in München gelebt, bevor sie in die Oberpfalz zurückkehrten. Sie freuen sich jetzt, wenn sie ihre Tochter besuchen können.

Bei ihren Freunden dagegen überwog das Unverständnis, erzählt Bauer. München: weit weg, groß, unbekannt. Begriffe, die andere verschreckten, bei Simone Bauer aber vor allem Neugierde weckten.

Mit etwa zwölf Jahren entdeckte sie die Lust am Schreiben, erfand neue Abenteuer für ihre Lieblingsserienhelden und schrieb Geschichten für ihre Freundinnen. Journalismus oder Kommunikationswissenschaften zu studieren, hätte nahegelegen, aber Bauer wollte etwas Richtiges lernen: Industriekauffrau. Sie bewarb sich auch in Regensburg und in der Umgebung, doch als sie von einem großen Münchner Unternehmen eine Zusage bekam, zögerte sie keine Sekunde.

In die Konzertszene gestürzt

So war sie gerade 17 Jahre alt, als sie nach München kam und sich erst einmal in die Konzertszene stürzte. „Exzessiv“, wie sie sagt. Musik ist bis heute ihre zweite große Leidenschaft. Oft schafft sie es inzwischen, die Musik und das Schreiben zu verbinden, wenn sie für Internetmagazine und Blogs schreibt. Und das ist längst nicht alles, was sie tut. Noch während sie in der Ausbildung war, wurde sie ausgewählt, einen Beitrag zu einem Kurzgeschichtenband zu schreiben, der Verlag unterstützte sie dann dabei, ein eigenes Buch zu schreiben. Am Tag ihrer Abschlussprüfung, erinnert sie sich, hatte sie die ersten Pressegespräche zu ihrem Romandebüt: „Ganz entschieden unentschieden“.

Seither hat sie zwei Vollzeitjobs: Als PR-Spezialistin bei dem Unternehmen, bei dem sie ihre Ausbildung gemacht hat. Und als Autorin. Vier Bücher sind mittlerweile von Simone Bauer erschienen, das fünfte kommt im Mai. Ihre Geschichten drehen sich um das Erwachsenwerden, um Beziehungen, Liebe und Freundschaften, München und Regensburg sind die Schauplätze Viel von ihr selber steckt in diesen Geschichten, sagt die 25-Jährige. Sie freut sich, wenn sich ihre Leser mit ihren Figuren identifizieren können. Wenn Menschen ihr schreiben, dass es ihr gelungen ist, ihren Charakteren Leben einzuhauchen, dann ist das für sie das größte Lob.

„Wenn ich nachts mit dem Taxi durch die Stadt fahre und alles ist angestrahlt, dann denke ich mir immer wieder: ,Wow, ist das schön!‘“

Simone Bauer

Bauer liebt ihr Großstadtleben, die vielen Möglichkeiten rund um ihren Job, die PR-Arbeit, das Schreiben, den Journalismus. In ihrer Freizeit besucht sie VHS-Kurse, zum Modejournalismus und zum Drehbuchschreiben. Und sie genießt die Atmosphäre: „Wenn ich nachts mit dem Taxi durch die Stadt fahre und alles ist angestrahlt, dann denke ich mir immer wieder: ,Wow, ist das schön!‘“ schwärmt sie. Wie das Leben in einer Filmkulisse, auf den Spuren von Baby Schimmerlos, immer mit der Verheißung, hinter der nächsten Biegung auf einen Film-, Fernseh- oder Musikstar zu treffen.

Oberpfälzer in München: Simone Bauer

Ihr nächstes Ziel heißt Japan

Und doch: Denken, sagt Simone Bauer, tut sie noch immer im Oberpfälzer Dialekt. Und wenn sie für eines ihrer Internetmagazine mal eine Musikgruppe aus der Heimat interviewen muss, sagt sei, dann stellt sich sofort eine Vertrautheit ein, ganz ungezwungen und selbstverständlich. Irgendwann wieder zurück in die Oberpfalz zu gehen, kann sie sich momentan nicht vorstellen, erst einmal will sie die Welt kennenlernen, diesen Sommer Japan. Deswegen lernt sie seit einiger Zeit sogar Japanisch: Die Kultur rund um Manga und Anime hat sie schon immer fasziniert. Auch in ihrem Job kann Bauer viel reisen.

Nur wenn sie ganz weit in die Zukunft schaut, dann wird sie ein wenig nachdenklich. Neulich hat sie eine alte Dame in der U-Bahn gesehen, zittrig und allein, niemand bot ihr einen Sitzplatz an. Da kam sie ins Nachdenken: So alt werden, einsam und in der Anonymität der Großstadt, dass will sie doch nicht. Aber bis dahin dauert es ja noch eine ganze Weile.

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Viele Oberpfälzer in München fühlen sich ihrer Heimat eng verbunden. Hier geht es zu den weiteren Folgen unserer MZ-Serie.

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