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Region Schwandorf
Samstag, 18. November 2017 5

Kooperation

Die Partnerschaft mit Laizhou besiegeln

Beim Gegenbesuch einer Delegation aus China in Schwandorf soll Absichts- in eine Partnerschaftserklärung münden.
Von Reinhold Willfurth

  • Die Stadt Laizhou am Ostchinesischen Meer punktet mit wirtschaftlicher Stärke und schöner Küstenlandschaft.Foto: MZ-Archiv
  • Die chinesischen Gastgeber begrüßten im Oktober 2016 eine Delegation mit Landrat Thomas Ebeling (rechts) in Laizhou.Foto: Archiv

Schwandorf.Die Chinesen kommen: Drei Tage lang besucht eine Abordnung der Stadt Laizhou Ende September den Landkreis. Die sechsköpfige Gruppe aus der ostchinesischen Metropole wird von einem knappen Dutzend Repräsentanten von Firmen aus der Region Laizhou begleitet. Mit der Visite erwidern die Chinesen den Besuch einer Delegation aus dem Landkreis Schwandorf im Oktober vergangenen Jahres. Ziel sei es diesmal, die damals angebahnte Partnerschaft in offizielle Formen zu gießen, hieß es in der Vorlage von Kulturreferent Franz Pfeffer für die Sitzung des Kreisausschusses am Montag.

Pfeffer entwirft derzeit das Besuchsprogramm für die Besucher aus dem fernen Osten. Viel Zeit für Sehenswürdigkeiten wird nicht bleiben. Neben der Unterzeichung der Partnerschaftserklärung stehen „umfangreiche Firmenbesuche“ auf der Agenda. Die Unternehmen sind vor allem in den Bereichen Autozulieferer, Kunststoffverarbeitung und Maschinenbau tätig und wollen vergleichbare Betriebe im Landkreis kennenlernen. Ob alle Wünsche erfüllt werden können, steht dahin. Die „Shandong Hua Delong New Building materials“ etwa sucht den Zugang zu „Bayer, BASF und anderen Branchenriesen“ im Bereich der Lackherstellung, die „Laizhou Yatong Metal Products Company“ die Zusammenarbeit mit „Deutsch schwere Kohlegruben“, wie es in der wohl mit dem Google-Übersetzer übertragenen Wunschliste heißt. Auffallend ist neben dem Interesse für traditionelle (Schwer-)Industrie die Nachfrage nach Zusammenarbeit im Bereich Automatisierung und Robotik. Auch die Schwandorfer Kreistags-Delegation in Laizhou wurde im vergangenen Oktober von einer Reihe von Unternehmensvertretern aus der Region begleitet.

Nicht nur auf wirtschaftlichem Gebiet soll die Kooperation zwischen dem bayerischen Landkreis und der kreisfreien 900 000-Einwohner-Stadt am ostchinesischen Meer vorangetrieben werden. Auch „Einrichtungen im Bildungs-, Freizeit- und Kulturbereich, die sich für künftige Kooperationen eignen“, will die chinesische Delegation in den drei Tagen vom 25. bis 27. September besuchen.

Im April vergangenen Jahres entschied sich der Kreistag dazu, die Einladung aus China anzunehmen und eine erste Visite in Laizhou anzupeilen. Auf den Weg gebracht hat die Partnerschaft der Nittenauer Bürgermeister Karl Bley, der die Stadt bereits 2011 zusammen mit der BigBand des Regentalgymnasiums besucht und von dort den Eindruck mitgebracht hatte, dass dort „angenehme und interessante Leute“ leben. Bei einer Veranstaltung der bayerischen Staatskanzlei im März 2015 sprach dann der stellvertretende Bürgermeister Laizhous, Sun Yuewei, den Kulturreferenten Franz Pfeffer und Wirtschaftsreferent Rudolf Reger an, ob eine Partnerschaft denkbar wäre. Der Freistaat Bayern ist seit Jahren Partner der chinesischen Provinz Shandong mit seiner Hauptstadt Tsingtao, zu der auch Laizhou gehört.

Im Kreistag war die geplante Partnerschaft umstritten. Die SPD – mit Ausnahme ihres Fraktionsmitglieds Karl Bley – lehnte das Ansinnen ab, unter anderem wegen politischer Bedenken. Auch Rudi Sommer (Grüne) wandte sich dagegen, dass der Besuch auf Kosten des Landkreises vor allem Unternehmensinteressen diene.

Auch der Aufenthalt der chinesischen Delegation wird vom Landkreis finanziert. Die Kosten halten sich aber laut Landrat Thomas Ebeling mit rund 10 000 Euro „in Grenzen“.

Einen weiteren Artikel von der Sitzung des Kreisausschusses lesen Sie hier.

Laizhou

  • Lage:

    Die kreisfreie Stadt an der Ostküste des Chinesischen Meeres liegt rund 450 Kilometer südöstlich von Peking in der Provinz Shandong. Diese ist seit 1988 Partnerprovinz des Freistaats Bayern. Das Büro des Freistaats in der Provinzhauptstadt Tsingtao, ehemals deutsche Kolonie und berühmt für sein gleichnamiges Bier, dient vor allem der Anbahnung wirtschaftlicher Kontakte.

  • Wirtschaft:

    Die Stadt Laizhou erhielt erst 1988 die Stadtrechte. Derzeit leben knapp 900 000 Menschen dort. Die Goldvorkommen (Nummer eins in China) und andere Rohstoffe begründeten eine lange Bergbautradition. Die Steinindustrie exportiert z. B. Granit in alle Welt. Eine bedeutende Rolle spielt der Seehafen. Entlang der 108 Kilometer langen Küste werden Meeresfrüchte gezüchtet.

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