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Region Schwandorf
Montag, 20. November 2017 7

Schaden

Ein Buntspecht zerlegt die Fassade

Der Vogel hat in die Dämmung der Grund- und Mittelschule Nittenau Löcher geklopft. Flatterbänder sollen ihn nun abschrecken.
Von Cornelia Lorenz

Die hellgrüne Westfassade des Schulgebäudes hatte es dem Specht angetan. Seit die Flatterbänder dort hängen, hat sich das Tier nicht mehr blicken lassen. Foto: scl

Nittenau.Ein vorwitziger Vogel sorgt an der Grund- und Mittelschule Nittenau für Aufregung: Ein Buntspecht hat mehrere tennisballgroße Löcher in die Westfassade geschlagen und sich an einigen Stellen durch die Styropordämmung sogar bis zum Mauerwerk durchgearbeitet.

Um weitere Schäden zu vermeiden, hat die Schule schnell reagiert und die Freiwillige Feuerwehr um Hilfe gebeten. Dank der Drehleiter konnten zwei Floriansjünger die Fassade bis hinauf zum dritten Stockwerk mit rot-weißen Flatterbändern bestücken. Die Aktion ist bis dato von Erfolg gekrönt. „Der Specht hat sich seitdem nicht mehr blicken lassen“, sagt Rektor Ernst Deißler.

Styroporkügelchen am Boden

Vergangene Woche dagegen war der Vogel an der Fassade so aktiv, dass seine Arbeit im Inneren des Gebäudes auffiel. Eine Lehrerin und ihre Schüler zum Beispiel hörten zwei Stunden lang hinter der Tafel seltsame Klopfgeräusche und informierten deshalb Hausmeister Bernhard Fürst. Der machte sich auf die Suche nach der Ursache – und wurde schnell an der Fassade des Gebäudes fündig: Am Boden stieß er auf weiße Styroporkügelchen. „Es hat ausgesehen, als ob es geschneit hätte“, sagt er. Der Blick nach oben zu den Löchern brachte die Gewissheit: Hier muss ein Specht am Werk sein, der den hellgrünen Außenputz und die Wärmedämmung malträtiert.

„Buntspechte sind nicht scheu und sie sind überall.“

Zeno Bäumler, Landesbund für Vogelschutz

Was tun? Schnell wurde klar, dass es sich bei dem Vogel um ein sehr penetrantes Exemplar handelt. Fürst versuchte mehrmals, ihn durch Klatschen und Schreien zu verscheuchen. Doch der Specht machte es sich in den Bäumen in der Nachbarschaft gemütlich, um in einem unbeobachteten Moment erneut aufzutauchen.

Schäden schnell ausgebessert

Schnell war deshalb klar: Gegen den Specht müssen wirksamere Geschütze aufgefahren werden. Die Flatterbänder sollen ihm den Spaß am Fassadenklopfen nun gründlich verderben. Doch damit allein war es nicht getan: Die Löcher mussten so schnell wie möglich beseitigt werden. Bauhofmitarbeiter haben sie deshalb sofort mit PU-Schaum ausgespritzt. Weil dieser aber nicht beständig gegen UV-Licht ist, müssen die schadhaften Stellen auch neu verputzt werden.

Rektor Ernst Deißler und Hausmeister Bernhard Fürst hoffen, dass der Buntspecht nun von der Schulfassade ablässt. Foto: scl

Werner Götzer, dessen Firma vor etwa fünf Jahren die Dämmung an der Schule angebracht hat, wurde ebenfalls zur Rate gezogen. „Ich habe schon rund 50 000 Quadratmeter Dämmung gelegt, aber so etwas habe ich bisher noch nicht erlebt“, sagt er. Im Raum Berlin seien Spechte als Fassadenvandalen durchaus bekannt, hierzulande aber eher selten.

Götzer betont, dass es äußerst wichtig sei, Spechtlöcher in der Dämmung so schnell wie möglich zu verschließen. „Für die Spechte klingt die Styropordämmung wie ein alter morscher Baum und sie vermuten Nahrung dahinter“, sagt er. Ein Erfolgserlebnis für den Vogel müsse man möglichst verhindern. Denn wenn in einem frisch gehackten Loch eine Spinne Unterschlupf sucht und der Specht sie beim nächsten Besuch dort findet, fühlt er sich bestätigt und wird erst recht in der Dämmung nach Futter klopfen.

„Für die Spechte klingt die Styropordämmung wie ein alter morscher Baum und sie vermuten Nahrung dahinter.“

Werner Götzer

Der finanzielle Schaden an der Fassade der Schule hält sich dank des schnellen Eingreifens in Grenzen. Weil die Feuerwehr und die Bauhofmitarbeiter schnell zur Stelle waren, konnten weitere Attacken des Spechts verhindert werden – und man musste dafür auch keine Firma beauftragen. Lediglich die neue Putzschicht an den beschädigten Stellen muss die Firma Götzer neu aufbringen.

Die Bänder bleiben hängen

Ob sich der Vogel von den Gegenmaßnahmen abschrecken lässt, bleibt abzuwarten. Die Flatterbänder müssten in nächster Zeit erst einmal hängen bleiben, sagt Deißler. Er will sichergehen, dass das Tier kapituliert hat – und auch nicht auf die Idee kommt, sich an den anderen Seiten des Gebäudes auszutoben.

Reich gedeckter Tisch für den Specht

  • Ernährung

    Buntspechte ernähren sich hauptsächlich von Insekten und ihren Larven. Im Winter fressen sie aber auch Nüsse, Beeren und Samen. Im Frühjahr und im Herbst, wenn die Nächte kühl sind, suchen sich Fliegen, Mücken und Spinnen gern einen Platz, der relativ lang von der Sonne beschienen wird, und bleiben deshalb oft auf erwärmten Flächen wie Häuserfassaden sitzen. Wird es noch kälter, erstarren sie dort oder kriechen nur sehr langsam herum. Für Spechte sind solche Fassaden deshalb ein reich gedeckter Futtertisch, an dem sie nach einem Erfolgserlebnis immer wieder zurückkehren.

  • Klang

    Wenn der Specht gegen das Wärmedämmverbundsystem an der Fassade klopft, ist der hohle Klang für ihn sehr interessant. Experten gehen davon aus, dass die Geräusche für ihn wie eine morsche Holzborke klingen, hinter der er weitere Insekten vermutet. Mit seinem klangvollen Trommeln an der Häuserfassade kann der männliche Specht außerdem Konkurrenten lautstark mitteilen, dass er hier Revier bezogen hat. Mit seinem Trommelwirbel kann er darüber hinaus interessierten Weibchen in der Nähe signalisieren, dass sie seine neue Wohn- und Bruthöhle besichtigen können.

Dass sich ein hungriger Specht an der Dämmung vergeht, sei in der Region zwar ein eher seltenes Phänomen, sagt Zeno Bäumler, Kreisgruppenvorsitzender beim Landesbund für Vogelschutz. Es komme aber hin und wieder vor. „Buntspechte sind nicht scheu und sie sind überall – zum Beispiel auch unter den Dächern, wo sie sich in den Spinnweben gern bedienen“, sagt er. In der Styropordämmung sei so ein Vogel auf Futter und auf ein Schlafplätzchen aus. An der Nittenauer Schule ist er mit diesem Wunsch jetzt an der falschen Adresse.

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