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Region Schwandorf
Samstag, 16. Dezember 2017 10

Auszeichnung

Ein Dorf macht vor, wie Inklusion geht

Der Inklusionspreis des Bezirks geht nach Weiding. Bezirkstagspräsident Franz Löffler hatte viele lobende Worte parat.
Von Renate Ahrens

  • Die Mitglieder des Sportvereins freuen sich schon auf das nächste Sportfest, bei dem das ganze Dorf beteiligt ist. Das Preisgeld in Höhe von 3000 Euro wird auch dafür verwendet. Foto: Ahrens
  • Bezirkstagspräsident lobte die Idee von Andrea Tröger (links), die das Sportfest entstehen ließ.
  • Besonders Spaß macht das Gummistiefeltorschießen. Foto: Scheiterer

WEIDING.Jubeln, wenn der Gegner ein Tor schießt? Das ist bei einem Sportfest doch etwas sehr Ungewöhnliches. Nicht so im kleinen Ort Weiding im Schönseer Land. Alles ist hier anders, und doch eines gleich: der Spaß, den Menschen mit und ohne Behinderung haben. „Der größte Lohn und die beste Motivation, um weiterzumachen, ist das Strahlen in den Augen der Teilnehmer“, sagt Andrea Tröger, die im Jahr 2005 die Idee zu diesem Projekt hatte: ein „Integratives Sport- und Spielfest“ zu veranstalten. Die junge Frau, heute 36 Jahre alt, ist Heilerziehungspflegerin in den Dr. Loew’schen Einrichtungen und Mitglied des SC Weiding.

Kontinuierlich hat sich dieses Fest seitdem weiterentwickelt. „Aus einer kleinen Idee ist etwas Großes entstanden. Niemand hätte das erwartet“, erklärte Bezirkstagspräsident Franz Löffler bewundernd bei der Verleihung des diesjährigen Inklusionspreises des Bezirks Oberpfalz in Höhe von insgesamt 9000 Euro im Freilandmuseum Neusath-Perschen. Etwas „Großartiges“ habe Andrea Tröger damals auf den Weg gebracht, lobte er.

Unter den 25 Bewerbern hatte sich die Jury deshalb für den Sportverein aus dem Landkreis Schwandorf entschieden, gleichrangig neben einem Wohnprojekt in Regensburg und einer Musikband in Neumarkt. Damals, beim ersten Sportfest in Weiding, gingen 40 Teilnehmer an den Start. Von Beginn an wurde das ganze Dorf mobilisiert, wie Engelbert Horn, zweiter Vorstand des SC Weiding, begeistert berichtet.

Tschechische Nachbarn eingeladen

Bis heute hat sich daran nichts geändert: Ob Blasmusikkapelle, Schützenverein, Einwohner in jedem Alter, ob mit und ohne Behinderung – jeder ist in irgendeiner Art beteiligt und integriert; viele nehmen selbst teil, andere wiederum helfen tatkräftig mit. In einer „Biernacht“ im Jahr 2013, wie Horn lachend erzählt, sei dann die Idee entstanden, das Ganze doch „international“ werden zu lassen. Was lag näher, als die tschechischen Nachbarn einzuladen? Schließlich, so hatte schon Löffler bei der Vorstellung erläutert, liegt das kleine Dorf mit den gerade einmal rund 500 Einwohnern nahe an der Grenze.

Auch diese Idee entwickelte sich zum Selbstläufer. Die schlauen Weidinger hatten umgehend einen Antrag auf Förderung beim Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds gestellt, der prompt und für die Sportler gar etwas überraschend genehmigt wurde: mit 3000 Euro Zuschuss.

Das Geld sollte von Anfang an komplett den Sportlern zugutekommen: Heute nennt Löffler deshalb das Sportfest augenzwinkernd „Panem et Circenses“, Brot und Spiele, denn dem Sportverein ist eine kostenlose Versorgung der Teilnehmer mit Essen und Getränken wichtig. Jeder erhält einen Gutschein über 15 Euro. „Am Anfang haben wir uns überschätzt, die Kosten waren höher. Aber diese haben zum Glück Sponsoren übernommen“, so Horn. Selbst für die Anreise bekämen die tschechischen Sportlerfreunde einen Zuschuss, erzählt er stolz. Dem Spaß steht also nichts mehr im Wege: An allen Stationen, ob beim Fußballspielen oder beim Spieleparcours mit Gummistiefeltorschießen, beim Ballrollen oder beim Überwinden der Slalomstangen, bekommt man Punkte. Das Sportfest hat sich zum großen Event entwickelt, Showeinlagen sorgen für Unterhaltung, bei einer Tombola gibt es Preise zu gewinnen. Mit diesem Inklusionspreis wolle der Bezirk, erklärte Löffler, die Ideen der Macher und ihr Engagement stärken und in den Blick der Öffentlichkeit rücken. „Wir wollen ein Zeichen setzen für Nachahmer.“

Eines steche bei allen Preisträgern ins Auge, wie der Bezirkstagspräsident sagte: „Sie zeigen, dass das gemeinsame Tun von Menschen mit und ohne Behinderung eigentlich nicht so schwierig ist.“ Das Entscheidende sei, damit anzufangen und sich darauf einzulassen.

Alle halten hier zusammen

Noch etwas ist in Weiding besonders: „Inklusion bedeutet in diesem Fall nicht nur die Gemeinschaft von Menschen mit und ohne Behinderung“, sagt Horn. „Das ganze Dorf ist hier mit beteiligt.“ Am Ende des Tages seien alle jedes Mal müde, aber glücklich.

In diesem Jahr hat das inzwischen elfte Sportfest mit rund 250 Teilnehmern stattgefunden. Bereits jetzt freut man sich auf das nächste Fest am 16. Juni des kommenden Jahres im Schönseer Land, zu dem jeder eingeladen sei. Und da gilt es sicher wieder, auch den Gegner anzufeuern. Wer am Ende gewinnt, sei nicht so wichtig. Die Teilnahme an sich sei entscheidend. Denn das, so Löffler, stärke den Menschen in seiner ganzen Persönlichkeit, ob mit oder ohne Behinderung.

Die Idee

  • Das „Integrative Sport- und Spielfest„

    in Weiding findet seit 2005 statt. In diesem Jahr wurde es vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds als Veranstaltung des Monats Juni gekürt.

  • Aus den seit Jahren

    gepflegten Kontakten im Sport haben sich auch gegenseitige Besuche entwickelt: Mitarbeiter der Dr. Loew’schen Einrichtungen in Weiding tauschen sich mit dem Haus der
    Diakonie in der Region Pilsen aus.

  • Seit 2013 werden

    mit dem Inklusionspreis des Bezirks Oberpfalz jährlich Vorbilder ausgezeichnet, die ihr Handeln in den Dienst einer sozialen Gemeinschaft stellen, einer Wertegemeinschaft, in der jeder Mensch gleichviel zähle, unter dem Motto: Es ist normal, anders zu sein. Die Verleihung dieses Preises solle auch das Bewusstsein in der Gesellschaft schärfen. Inklusion sei ein „Prozess“. (tre)

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