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Region Schwandorf
Montag, 26. September 2016 21° 1

Energiewende

Ein Vorzeigeprojekt ist entstanden

Ein symbolischer erster Spatenstich unterstreicht die Bedeutung der ersten Bürgerwindkraftanlage im Landkreis Schwandorf.
Von Ralf Gohlke

  • Zahlreiche Ehrengäste und die Anleger der ersten Bürgerwindanlage im Landkreis begleiteten den kleinen Festakt zum Spatenstich. Foto: ggo
  • Mit Polizeieskorte fuhren die Tieflader durch Penting. Foto: ggo
  • Vor knapp zehn Tagen stand erst die erste Doppelschale auf dem Betonsockel
  • Der „kleine Kran“ hat jetzt ausgedient. Jetzt muss sein der große Bruder ran.
  • Für den Antransport der Stahlrohre für den oberen Turmteil und der Rotorblätter wurden an der Neukirchner Straße extra Kurvenradien gebaut. Foto: ggo
  • Auf Tiefladern wurden die unteren Turmteile als „Halbschalen“ geliefert.
  • Stefan Trummer, Voltgrün ggoFoto:

Penting.Das mit der Bürgerbeteiligung nimmt die erste Bürgerwindanlage im Landkreis Schwandorf sehr wörtlich. Das galt sogar für den Spatenstich. Diesmal waren es nicht nur die Planer, Bauherren und Politiker, die einen sogar mit Rosen geschmückten, nagelneuen Spaten in die Hand gedrückt bekamen. Per Los wurden aus den anwesenden Anlegern vier Personen ermittelt, die ebenfalls symbolisch etwas Aushub in die Luft werfen durften. Die Eröffnung der Feierstunde lag in Händen des Geschäftsführers der Bürgerwindanlage Penting GmbH, Erich Wust. Sein Gruß galt besonders auch den „Grundstücksbesitzern und Nachbarn“, natürlich neben der Auflistung der sonstigen Ehrengäste.

„Ohne Sie wäre das gesamte Projekt nicht möglich gewesen“, wandte er sich schließlich an die Anleger. Er erinnerte noch einmal an den einstimmigen Beschluss des Neunburger Stadtrats vom Oktober 2013, mit dem die Weichen für das weitere Vorgehen gestellt wurden. Dieser Beschluss sei mit der klaren Absicht getroffen worden, ein echtes Bürgerwindmodell auf den Weg zu bringen. Er ließ nicht unerwähnt, dass die Firma Voltgrün als Planer im Genehmigungsverfahren eine „Ehrenrunde“ wegen des Artenschutzes drehen musste. Sie wurde zugleich dafür genutzt, den vorher eher noch etwas knappen Datenbestand in Sachen Windgeschwindigkeit durch intensive Messungen zu aktualisieren und anzupassen. Schließlich konnten in einer sehr gut besuchten Informationsveranstaltung im Dezember 2104 den Bürgern die Vorteile aber auch die Risiken einer Beteiligung vorgestellt werden. Inzwischen seien es 92 Gesellschafter, die mit ihrer Einlage den notwendigen Eigenkapitalanteil von rund 1,4 Millionen Euro gesichert hätten. „Das dies fast ausschließlich Bürger aus der Region sind, darauf können wir alle miteinander stolz sein“, so Wust.

Einen großen Dank sagte er der Sparkasse im Landkreis Schwandorf, die als Regionalbank ihrer Verantwortung nachgekommen sei und die weiteren 3,3 Millionen Euro finanziert habe. Der Ablauf habe „Champions- League-Niveau“ gehabt. „Diesmal waren es die Roten, das nächste Mal sind wieder die Blauen dran“, scherzte er mit einem Hinweis auf die Genossenschaftsbanken. Zur Gesamtdiskussion um die Windkraft und die 10H-Regel hob er deutlich hervor: „Als Bürgermodell steigt die Akzeptanz gewaltig.“ In dem Zusammenhang sprach Wust der Stadt Neunburg ein großes Kompliment aus, die als Gründungskandidat mit aufgetreten sei, als längst noch nicht alles in trockenen Tüchern gewesen sei.

Bürgermeister Martin Birner verwies darauf, dass hier etwas Besonderes entstehe, nämlich die erste Bürgerwindanlage im Landkreis Schwandorf und das noch in Rekordzeit. Er erinnerte sich, nicht sicher gewesen zu sein, ob das Vorhaben ohne Protest über die Bühne gehen würde. Stattdessen sei das Bürgerinteresse von Beginn an sehr groß gewesen. Keinen Zweifel ließ der Bürgermeister am möglichen Scheitern des Vorhabens, wenn nur ein einziger Grundstücksbesitzer nicht abgabebereit gewesen wäre. Daher sprach Birner jenen einen besonderen Dank aus, den er auf alle Beteiligten ausdehnte. „Die Stärke lag von Beginn an in der Gemeinsamkeit“, fasste er zusammen. Entstanden sei daraus ein Vorzeigeprojekt in der Bürgerbeteiligung. „Viele reden von der Energiewende, wir leisten einen Beitrag dazu“.

Stellvertretender Landrat Mdl Joachim Hanisch drückte seine Freude darüber aus, dass die Windkraft im Landkreis angekommen sei. Ein wenig bedauerte er, dass Fukushima noch nicht wirklich weltweit zu einem Umdenken geführt habe, Deutschland aber jetzt auf einem guten Weg sei. Er ließ mit einem Blick nach Penting offen, ob das Projekt unter der 10H-Vorgabe hätte verwirklicht werden können.

Darin stimmte ihm auch sein Landtagskollege Franz Schindler zu, der Hoffnung ausdrückte, dass diese Einschränkung vor dem Bayerischen Verfassungsgericht keinen Bestand haben werde. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Peter Scheitinger unterstrich den Leitsatz der Sparkasse aus der Region, für die Region und sprach den Wunsch nach dem „gewohnt kräftigen böhmischen Wind“ aus. Stefan Trummer von Voltgrün sprach von einem „arbeitsintensiven Jahr“. Für ihn war wichtig, dass die politisch geänderten Rahmenbedingungen die Euphorie für dieses Projekt nicht gebremst habe. Er erneuerte die Hoffnung, dass bereits Ende September der Startschuss erfolgen werde und dann die „Winterwinde geerntet werden können“.

Der Zeitrahmen

  • November 2012:

    erste Informationsveranstaltung und Gespräche

  • Juli 2013:

    zweite Informationsrunde in Penting mi t Vorstellung der Anlage. Beginn der Windmessungen

  • Oktober 2013:

    Neunburger Stadtrat billigt Bauantrag für die Anlage

  • Juli 2014:

    Das Landratsamt Schwandorf genehmigt den Bau der Windkraftanlage Penting

  • Dezember 2014:

    Infoversammlung zur Gründung einer „Bürgerwindenergie Neunburg vorm Wald GmbH& Co.KG

  • Dezember 2014:

    Beginn der Rodungsarbeiten für den Wegebau zum Standort der Windkraftanlage

  • März 2014:

    Wegebau

  • April 2015:

    Beginn der Sockelarbeiten und Aufbau des Betonteiles für den Turm

  • April 2015:

    Ausbau von Kurvenradien für die überlangen Schwertransporter an öffentlichen Straßen

  • Mai 2015:

    Offizieller Spatenstich für die gesamte Maßnahme

  • Mai/Juni 2015:

    Anlieferung und Montage der acht Stahlrohrteile für den Turm

  • August/September 2015:

    Anlieferung und Montage der Gondel und der Rotorblätter mittels 14 Schwerlasttransportern; Anschluss ans Stadtwerkenetz

  • September 2015:

    Justage und Inbetriebnahme der Kompletten Anlage in Penting.

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