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Region Schwandorf
Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Hobby

Einmal Fasching, immer Fasching

Wer die Karriereleiter der närrischen Zunft erklommen hat, gibt die Begeisterung weiter. In Nittenau gibt es viele Beispiele.
Von Philipp Seitz

Nittenau.Eigentlich würde es ganz gut passen, wenn sich Roswitha und Josef Süß in der fünften Jahreszeit kennengelernt hätten. Beide leben für den Fasching, beide lieben den Fasching. Seit fast drei Jahrzehnten steht Josef Süß an der Spitze der Nittenauer Faschingsgesellschaft Allotria, seine Frau ist derweil diejenige, die sich um die Musik und die passenden Kostüme kümmert.

Bei Familie Süß dreht sich alles um den Fasching. Foto: Seitz

Und natürlich verschreibt sich auch Tochter Manuela mit ganzer Hingabe dem bunten Faschingstreiben. Die 45-Jährige ist seit neun Jahren für die Choreographie der Gardetänze zuständig. Alle haben den entscheidenden Karriereschritt, der in der närrischen Biografie nicht fehlen darf, schon hinter sich: Sie waren die Tollitäten der Allotria. Wenn es um die Auswahl der neuen Prinzen und Prinzessinnen geht, dann muss die Familie Süß auch ein wenig an ihre Zeit im Majestätenamt zurückblicken. „Toll war das schon“, sagt Roswitha Süß mit einem breiten Lächeln.

Keine Hektik, sondern Routine

Kurz vor dem offiziellen Startschuss für die närrische Zeit, geht es im Hause Süß noch ganz gemächlich zu. „Das ist alles schon reine Routine“, sagt Josef Süß, der 1969 seine närrische Karriere im Elferrat der Faschingsgesellschaft Allotria begonnen und danach die Karriereleiter bis ins Präsidentenamt hinaufgestiegen ist. Die Zeiten hätten sich aber schon gewandelt, sagt Süß. „Es ist alles viel professioneller geworden, alles wird bis ins kleinste Detail geplant. Es geht halt um die Show.“ Damals, als er 1973 das Tollitätenzepter übernommen hat, da sei es noch vorrangig um den Tanz des Prinzenpaars gegangen.

Doch kritisieren will Süß diese Entwicklung nicht. Das Wichtigste an der fünften Jahreszeit sei über all die Jahrzehnte hinweg gleich geblieben: Die Freude und der Spaß an den bunten Kostümen und an den Auftritten der Prinzenpaare und Garden.

Dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder verlieh die Allotria auch schon einen Orden:

Ein Bussi für den Bundeskanzler

  • Ordensträger:

    Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder ist wohl die prominenteste Persönlichkeit, die mit dem Nittenauer Faschingsorden der Allotria ausgezeichnet wurde.

  • Übergabe:

    Von Prinzessin Manuela gab es vor 17 Jahren in Bonn neben dem Orden außerdem ein Bussi, von Prinz Uli zumindest einen warmen Händedruck und einige nette Worte.

  • Gespräch:

    Wo Nittenau liegt, habe Schröder nicht gewusst, berichtet Josef Süß. Er soll die Nittenauer außerdem gefragt haben: „Ja, gibt es denn da bei euch auch Karneval?“

  • Auszeichnung:

    Der Orden der Faschingsgesellschaft hat stets unterschiedliche Motive. Unter welchem Motto die diesjährige Session steht, will Präsident Süß erst am 11.11. verraten.

Auch die Rituale seien noch immer so streng wie früher. Die wichtigste Grundregel: Vor dem 11.11. darf über die neuen Prinzenpaare nicht gesprochen werden. Josef Süß verrät nur so viel: „Wir haben zwei neue Prinzenpaare.“ Die Erwachsenen hätte er schon dazu überreden, ja fast beknien müssen, bei den Kindern gebe es dagegen keine Probleme. „Die stehen förmlich Schlange. Wir haben schon Voranmeldungen für die nächsten drei Jahre.“ Billig ist das Vergnügen Fasching aber nicht. Im Elferrat braucht es die edle Narrenkappe, als Gardemädchen das richtige, glitzernde Outfit und an die Majestäten werden sowieso besonders hohe Ansprüche gestellt.

Lesen Sie mehr: Die Prinzengarde der FG Allotria fiebert dem Inthronisationsball am 11.11. entgegen. Seit dem Frühjahr trainieren sie eifrig.

Fragt man die aktuell noch amtierende Kinderprinzessin Maria Braun, womit sie am meisten Zeit während des Faschings verbracht hat, kommt eine überraschende Antwort: Mit dem Styling vor dem Auftritt. Ihr Prinz Maximilian Schmatz kann da nur grinsen: „Bei mir ging das immer ganz schnell.“

Die schwere Last des Amtes

An ihr vergangenes Amtsjahr kann sich das Kinderprinzenpaar noch gut erinnern. Aufregend sei es gewesen – und viel Spaß habe es gemacht. Oberste Anforderung: Jeder Schritt muss passen. „Es muss beim Auftritt alles sitzen“, sagt Maria. Dafür hätten sie auch eifrig trainiert. Ein kostenloses Krafttraining gab es bei den Treffen der Kinderprinzenpaare noch gratis dazu: Da baumelten am Ende über 20 verschiedene Orden am Hals der Tollitäten.

Zur Tradition gehört es nämlich, dass sich alle Prinzenpaare gegenseitig ihren Orden schenken. Leicht war das nicht, sagt Maximilian: „Ich habe gedacht, jetzt passt kein Orden mehr um meinen Hals. Die waren fast ein Kilogramm schwer. Am nächsten Tag, wenn ich den Kopf gedreht habe, hat alles noch gezogen.“

Es liegt quasi in der Familie

Max und Maria sind das derzeit noch amtierende Kinderprinzenpaar. Am 11.11. übergeben sie ihre Insignien. Foto: Seitz

Doch da musste der kleine Prinz durch. Auch er stammt aus einer faschingsbegeisterten Familie. Seine Eltern waren, wie sollte es anders sein, ebenfalls Prinzenpaar der Allotria. Und auch die Schwester durfte mit zehn Jahren schon die Krone der Faschingsprinzessin tragen. Klar, dass auch der Sohn das Zepter in der fünften Jahreszeit schwingen wollte. Wenn es nach Maximilian und Maria geht, dann ist noch lange nicht Schluss mit Fasching. Sie tanzen heuer in der Garde und könnten sich gut vorstellen, auch als Erwachsene nochmals die Insignien des Narrentums zu übernehmen. „Ich kann das nur weiterempfehlen“, sagt Maria.

Lesen Sie mehr: Die Nittenauer Faschingsgesellschaft kann sich glücklich schätzen: Irmgard Hecht sorgt seit Jahren für das passende Outfit.

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