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Samstag, 18. November 2017 5

Schwandorf

Elektro Gleixner dreht das Licht aus

Elektromeister Helmut Gleixner geht nach 50 Jahren in den Ruhestand. Auch Ehefrau Maria schließt aus Altersgründen den Laden.
Von Karl-Heinz Probst

Elektromeister Helmut Gleixner (76) werkelt noch täglich in seiner Werkstatt. Foto: Karl-Heinz Probst

NEUNBURG.Die berufliche Karriere von Helmut Gleixner wurde beim Schafkopfspielen entschieden. Der junge Helmut war schon immer an Technik interessiert. Am liebsten wäre er Uhrmacher geworden wie sein Onkel Hans Wieland. Der besaß ein Uhrmachergeschäft in der Hauptstraße. Zum Leidwesen von Helmut bildete der Onkel aber keine Lehrlinge aus. So kam alles anders. Als Vater Josef Gleixner, ein Finanzbeamter, einmal mit dem Elektromeister Alois Meindl senior beim Schafkopfspielen beisammen saß, machte er Nägel mit Köpfen.

Meindl brauchte nicht lange überredet zu werden und nahm den jungen Helmut anno 1956 in die Lehre. Das Geschäft von Alois Meindl befand sich in der Hauptstraße zwischen der Metzgerei Baumgärtner, „Richter Max“, und den Central-Kino (heute Raiffeisenbank). Das Haus ist vor vielen Jahren bereits abgerissen und durch einen Parkplatz ersetzt worden.

Lehre bei Alois Meindl senior

Helmut stellte in seiner Lehrzeit sein Geschick unter Beweis und die Ausbildung machte ihm Spaß. 1959 legte er die Gesellenprüfung vor der Elektroinnung Amberg erfolgreich ab. Noch zwei Jahre arbeitete er als Geselle bei Meister Meindl weiter, bis Vater Staat zu den Fahnen rief. Im Oktober 1961 trat Helmut seinen Wehrdienst bei der Luftwaffe in Erding an. Aufgrund seiner Berufsausbildung verwendete ihn die Bundeswehr ebenfalls als Elektriker. Einsatzbereiche waren die Instandhaltung und Inspektion von Flugzeugen.

Nach der Entlassung aus der Bundeswehr arbeite der 22-Jährige wieder für einige Jahre bei der Firma Meindl. Helmut besaß eine gesunde Portion Ehrgeiz. Er wollte in seinem Beruf weiterkommen. Sein erklärtes Ziel war es, als selbstständiger Handwerksmeister zu arbeiten. Dazu drückte er von Oktober 1966 bis März 1967 noch einmal die Schulbank an der Bundesfachlehranstalt für Elektrohandwerk in Oldenburg. Die Meisterprüfung legte er dann am 26. Mai 1967 vor der Handwerkskammer Oldenburg mit Erfolg ab. Als Meisterstück hatte Helmut unter anderem einen Schwimmerschalter (für Pumpen geeignet) angefertigt.

Seite 1972 betreiben Maria und Helmut Gleixner ihr Elektro-Fachgeschäft in der Neukirchner Straße. Foto: Karl-Heinz Probst

Helmut wohnte inzwischen in Thann, wo sein Vater nach seiner Pensionierung ein Haus gekauft hatte. Dort wagte der Jungmeister den Schritt in die Selbstständigkeit, richtete seine erste eigene Werkstatt ein und eröffnete eine Firma für Elektroinstallation. Die ersten größeren Aufträge erhielt Gleixner von den Landwirten, die im Zuge der Errichtung des Eixendorfer Stausees ihre angestammten Höfe aufgeben mussten und umgesiedelt wurden.

Die Aufträge wurden immer mehr und größer, so dass das Arbeitspensum nicht mehr alleine zu bewältigen war. Gleixner stellte zunächst einen ersten Gesellen ein, das war Georg Frank, der spätere Hausmeister der Zentralvolksschule an der Katzdorfer Straße. Zudem bildete der Jungmeister seine ersten eigenen Lehrlinge aus; diese waren Franz Graßmann aus Hansenried und Robert Meier aus Neunburg.

Nicht nur die berufliche Situation hat sich in diese Zeit für Helmut Gleixner geändert, auch privat erfolgte ein gravierender Einschnitt. 1969 schloss er mit Maria Fichtlscherer aus Neunburg den Bund der Ehe. „Wir waren von Anfang an ein Team, das sich hervorragend ergänzte“, stellte Helmut Gleixner im Gespräch mit unserem Medienhaus fest. Er kümmerte sich um das Handwerk und sie um den Schriftverkehr, die Buchhaltung und den Laden. Letzterer war 1972 hinzugekommen.

Umzug nach Neunburg

In diesem Jahr zog die Familie Gleixner nach Neunburg in die Neukirchner Straße 17. Das alte Gebäude wurde umgebaut und im Erdgeschoss ein Elektro-Fachgeschäft eingerichtet. Dieses ist seit mittlerweile 45 Jahren die Domäne von Maria Gleixner. Ihr macht der tägliche Umgang mit den Kunden den meisten Spaß. Für Helmut Gleixner waren insbesondere größere Projekte eine berufliche Herausforderung, die ihn erfüllten. Er nennt hier öffentliche Bauten wie die Dreifachturnhalle, Banken, Arztpraxen oder Industriebauten sowie zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser in Neunburg und der näheren Umgebung. Die vielseitige Beschäftigung auf vielen Gebieten der Elektrotechnik war für ihn das Schöne an seinem Beruf, den er bis heute gerne ausübt.

Zur Person: Helmut Gleixner

  • Geboren: 30. April 1941 in Neunburg als Sohn eines Finanzbeamten

  • Ausbildung: nach dem Volksschulabschluss Elektrikerlehre bei Alois Meindl senior in Neunburg; 1959 Abschluss mit der Gesellenprüfung

  • Bundeswehr: Oktober 1961 bis März 1963 Wehrdienst bei der Luftwaffe in Erding

  • Meisterprüfung: Bundesfachlehranstalt für Elektrohandwerk in Oldenburg, am 26. Mai 1967 Prüfung abgelegt vor der Handwerkskammer Oldenburg

  • Selbstständigkeit: seit 1967; zunächst in Thann; ab 1972 mit Ladengeschäft in der Neukirchner Straße

  • Geschäftsaufgabe: am 31. Dezember 2017

Eigentlich ist Helmut Gleixner seit über zehn Jahren schon in Rente. Jetzt müsse allerdings auch einmal Schluss sein. Auch Ehefrau Maria will nicht zuletzt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr jeden Tag im Laden stehen. Ende des Jahres werde endgültig das Geschäft nach 45 Jahren zugesperrt, bekräftigen beide. Anfänglich werde ihr der gewohnte Umgang mit den Kunden schon fehlen, räumt Maria Gleixner ein.

Helmut Gleixner wünscht sich, dass wieder mehr junge Leute den Beruf des Elektrikers ergreifen. Leider würden die Fachleute immer weniger. Dabei ist Gleixner voll davon überzeugt, dass das Handwerk hierzulande nach wie vor „goldenen Boden“ habe. Mit berechtigtem Stolz blickt er auf die zahlreichen Lehrlinge zurück, die er in den vergangenen 50 Jahren ausgebildet hat. Viele von ihnen hätten es in ihrem Beruf zu etwas gebracht.

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