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Region Schwandorf
Donnerstag, 18. Januar 2018 7

Festakt

„Es ist sicherer geworden“

Seit zehn Jahren sorgt das Gemeinsame Zentrum in Schwandorf für den ruhigen Schlaf der Bürger in der Grenzregion.
von Reinhold Willfurth

Bei einer Übung am 30. August im Grenzgebiet bei Furth im Wald demonstrierten bayerische und tschechische Polizei reibungslose Zusammenarabeit. Innenminister Joachim Herrmann (rechts) und Tschechiens Innenminister Milan Chovanec das Geschehen mitverfolgen.

Schwandorf.Seit zehn Jahren sorgen Polizisten und Zollbeamte aus Bayern und Böhmen im „Gemeinsamen Zentrum der deutsch-tschechischen Polizei- und Zollzusammenarbeit“ (GZ) für mehr Sicherheit im Grenzgebiet. Bei einem Festakt im deutschen GZ auf dem Schwandorfer Weinberg würdigte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann vor vielen Gästen die Leistung der rund hundert Beamten in Schwandorf und Petrovice in Nordböhmen. Die Einrichtung habe sich auch bei „harter Belastung“, etwa in der Flüchtlingskrise, bestens bewährt, sagte Dr. Jiri Novacek, im Prager Innenministerium für die innere Sicherheit zuständig.

Am 21. Dezember 2007 fiel mit dem Beitritt der Tschechischen Republik zum Schengenraum die letzte Barriere an der lange so unüberwindlich erscheinenden Grenze zwischen Bayern und Böhmen. Vier Tage vorher nahmen die ersten Polizeibeamten an den beiden Standorten in Schwandorf und Petrovice ihre Arbeit auf.

Hand in Hand rund um die Uhr

Polizisten aus Bayern und Sachsen von Bundes- und Landespolizei und des Zolls arbeiten rund um die Uhr mit Kollegen aus dem Nachbarland zusammen, unterstützen grenzüberschreitende Ermittlungen, stellen Identitäten fest oder melden dem Nachbarn jenseits der grünen Grenze Verbrechensspuren. Sprachliche und bürokratische Hürden werden miteinander überwunden. Die Arbeit kann ganz unspektakulär sein wie die Verifizierung von Führerschein und Fahrzeugschein bei einer Verkehrskontrolle – oder sie führt zu spektakulären Fahndungsergebnissen, wie im Fall eines brutalen Raubüberfalls vor zwei Jahren in Weiden. Das GZ hatte eine Schlüsselrolle bei der Ermittlung der Täter, die in Tschechien festgenommen werden konnten. Im Blickpunkt seien aber ebenso deutsche Kriminelle, stellte Innenminister Herrmann, so etwas wie ein „Stammgast“ beim GZ in Schwandorf, fest. Anhand von Vergleichszahlen im besonders sensiblen Bereich der Wohnungseinbrüche rückte Herrmann auch das Vorurteil zurecht, die Grenzöffnung habe das Leben in den Grenzregionen unsicherer gemacht. 2007 seien in Ostbayern noch 355 Einbrüche registriert worden. Im vergangenen Jahr seien es nur mehr 286 gewesen – für Herrmann ein weiterer Beweis, dass das GZ erfolgreiche Hintergrundarbeit bei der Ermittlung von Straftätern dies- und jenseits der Grenze verrichte. Bei der Bewältigung der Flüchtlingsströme sei die deutsch-tschechische Grenze ein sehr sicherer Ort, auch dazu habe das GZ mit seinen rund 14 000 Einsätzen pro Jahr beigetragen. So seien im Vorjahr 70 000 illegale Einreisende gezählt worden – an der deutsch-österreichischen Grenze. Im gleichen Zeitraum wurden nur 2700 Illegale beim Grenzübertritt in Ostbayern erwischt, so Herrmann. Kein Grund also, die Grenzkontrollen am bayerisch-böhmischen Grenzkamm wieder einzuführen. „Wir wollen an Schengen festhalten“, sagte der Innenminister. „Das geht aber nur, wenn die EU-Außengrenzen sicher sind“.

„Die Rückkehr nach Europa“

„Die Rückkehr Tschechiens nach Europa“ habe der Beitritt Tschechiens zum Schengen-Abkommen bedeutet, sagte Dr. Jiri Novacek, Stellvertretender tschechischer Innenminister. Das GZ sei ein Garant dafür, dass die Freizügigkeit nicht von Kriminellen ausgenutzt werde – und es habe dazu beigetragen, dass das Bild Tschechiens diesseits der Grenze bei allen Problemen im Grenzgebiet nicht leide.

Der tschechische Polizeipräsident Tomas Tuhy sagte, dass die grenzüberschreitende Zusammenarbeit die Probleme mit Drogen- und Eigentumsdelikten „in erträglichem Rahmen“ gehalten habe. Tuhy mahnte aber mehr Personal für das GZ an, sollten neue Aufgaben wie die Bekämpfung des Terrorismus es erfordern. Nach den Anschlägen in Paris und Brüssel hätten alle Infokanäle versagt, berichtete Tuhy – mit einer Ausnahme: Das GZ Schwandorf-Petrovice habe zuverlässig funktioniert.

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Vorbild Gemeinsames Zentrum

  • Jürgen Schubert,

    Vizepräsident des Bundespolizeipräsidiums: „Wenn es Schwandorf noch nicht gäbe, müsste man es erfinden. Die mustergültige Kommunikation zwischen den Beamten beider Länder ist Vorbild für weitere Gemeinsame Zentren.
    tschechischer Vize-Innenminister: „Der Wegfall der Grenzen und die Freizügigkeit war die Rückkehr Tschechiens nach Europa. Aber Ordnung muss sein, auch im Verhältnis zu den Nachbarn. Das GZ hat sich auch bei harter Belastung bewährt.“
    Polizeipräsident der Tschechischen Republik: „Das GZ hat dafür gesorgt, die Kriminalität im Grenzgebiet im erträglichen Rahmen zu halten. Mehr Aufgaben, etwa bei der Terrorismusbekämpfung, erfordert aber auch mehr Personal.“
    Bundeszollverwaltung: „Die Zusammenarbeit der Beamten an zwei grenzüberschreitenden Dienststellen war nicht nur bei der Erfüllung der geschäftlichen Pflichten ein Erfolg, sondern hat auch die menschlichen Beziehungen untereinander vertieft.“ (fu)

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