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Region Schwandorf
Donnerstag, 18. Januar 2018 7

Bücher

Fette Tage in „Schwarzendorf“

Christian Huber schreibt eine Hommage an seine Heimatstadt Schwandorf, verpackt in eine ironische Weihnachtsgeschichte.
Von Reinhold Willfurth

  • Das Schwarzendorf aus Hubers Buch ähnelt irgendwie seiner Heimatstadt Schwandorf. Foto: Zwick
  • Christian Huber Foto: Joseph Strauch

Schwandorf.Neureiche Mütter, die in der Schlange vor der Kaufhauskasse prollig mit der Ausstattung ihres Porsche-Kinderwagens angeben, sind ein vorweihnachtliches Ärgernis – wenn man es denn selbst erleiden muss. Zum Vergnügen wird ein solcher Auftritt aber, wenn er als Nebenhandlung zwischen zwei Buchdeckeln auftaucht – und wenn er schön zu lesen ist.

Beides trifft auf „Sieben Kilo in drei Tagen“ zu, dem Buch von Christian „Pokerbeats“ Huber, das dieser Tage erschienen, innerhalb kurzer Zeit auf Platz zehn der Spiegel-Bestsellerliste geklettert ist und damit sogar einen Promi wie Horst Lichter („Keine Zeit für Arschlöcher“) überholt hat.

Mit der Kaufhaus-Szene beginnt die weihnachtliche Reise von Hubers Helden Bastian. Sie führt ihn vom rummeligen Köln nach Hause in die beschauliche Oberpfalz, genauer nach Schwarzendorf. Schwarzendorf? Das klingt doch wie – „eine Kombination aus Schwandorf und Schwarzenfeld“, ergänzt Christian Huber im Gespräch mit der MZ. Viele Schauplätze und Menschen in seinem Buch werden Lesern aus der Region denn auch irgendwie sehr bekannt vorkommen.

„Das ist schon sehr angelehnt an Schwandorf.“

Christian Huber

Auch im fiktiven Schwarzendorf löst „jede Ecke“ Kindheits- und Jugenderinnerungen beim Heimkehrer Bastian aus – von der tristen Innenstadt-„Skyline“ über das Stammwirtshaus „Hirschwirt“ bis zum weihnachtlich dekorierten „kargen Marktplatz“ mit der Weihnachtstanne, „in die mein Kumpel Stefan im Abi-Jahr seinen Glühweinrausch gekotzt hat“. „Das ist schon sehr angelehnt an Schwandorf“, sagt der Autor, der in Klardorf aufgewachsen ist und sich schon sehr auf seine eigene Heimkehr zur Familienfeier in der Weihnachtswoche freut.

Heimweh nach Schwandorf

Der Autor ist festes Mitglied von Jan Böhmermanns „Neo Magazine Royale“. Foto: Joseph Strauch

Denn wiewohl Huber nicht verschweigt, dass Schwandorf auch seine hässlichen Seiten hat – auf seine Heimatstadt lässt er nichts kommen. „Ich liebe Schwandorf, und das liest man auch in meinem Roman“, sagt Huber auf dem Sofa in seiner Kölner Wohnung. Was er vermisst in der Großstadt, wiegt schwer: „die persönliche Nähe zu den Menschen und die Natur“. Auf der anderen Seite bietet die Metropole kulturelle Vielfalt und eine Beschäftigung kreativer Art, die es nur dort gibt: Huber ist „fester Freier“ bei der schärfsten Satiresendung im deutschen Fernsehen, Jan Böhmermanns „Neo Magazin Royale“. Einen Namen gemacht hat er sich auch als Verfasser von (sehr) witzigen Twitter-Kommentaren über den Lauf der Dinge unter dem Pseudonym „Pokerbeats“.

Noch wohler aber fühlt sich Huber als Buchautor: „Ich erzähle einfach sehr gerne Geschichten, ich bin ein Geschichtenerzähler“, charakterisiert sich der Autor selbst. Dass ein 175 Seiten starker Roman ganz andere Fähigkeiten erfordert wie eine Story mit 140 Zeichen, hat er „auf die harte Tour“ gelernt. Beim Schreiben kommen ihm aber sein Blick für Situationskomik und für diese Archetypen, die jeder sofort zu kennen meint, zugute.

Lesen Sie auch einen Bericht über eine Lesung aus Christian Hubers Buch „Fruchtfliegendompteur“.

Und die Dialoge, die er in der S-Bahn, im ICE oder an der Kaufhauskasse aufschnappt, kommen mitten aus dem Leben, fern aller Künstlichkeit. Da gelingt auch einmal ein Weihnachtsbuch, das in der Sommerpause des Böhmermann-Magazins geschrieben wird – „bei 35 Grad in unserer Dachwohnung schreiben, wie der Held im knirschenden Schnee durch Schwarzendorf pflügt“, ist auch eine Leistung.

Liebe zur genüsslichen Völlerei

Zurück zur Dame mit dem Porsche-Kinderwagen. „Ich weiß oft nicht, ob so etwas witzig ist, weil man das selber schwer beurteilen kann“, sagt Christian Huber. Schon richtig, die Dame ist eine rechte Tragödie. Aber wenn sie so beiläufig in all ihrer Verrücktheit vorgeführt wird, dann ist das halt einfach herrlich absurd.

Liebevoll wird Hubers Ironie, wenn es um das Zuhause seines Helden geht. Schon der Buchtitel zeigt dem Leser ja mit scheinbar schonungsloser Konsequenz, wohin drei Weihnachtsfeiertage genüsslicher Völlerei in der Familie führen können. „Die Zeit, die man über Weihnachten bei seinen Eltern bleibt, wird nicht in Tagen, sondern in Mahlzeiten gerechnet“, heißt es – und jeder weiß, was gemeint ist.

Zur Person und zum Buch

  • Person:

    Christian Huber, geboren 1984, lebt als Autor in Köln. Er konzipiert Comedy-Programme und schreibt für Radio- und TV-Shows. „Pokerbeats“ führt einen der beliebtesten deutschsprachigen Twitter-Accounts .

  • Buch:

    „7 Kilo in 3 Tagen“ ist Hubers drittes Buch. Einen Monat nach Erscheinen beim Rowohlt-Taschenbuchverlag (ISBN: 978-3-499-63329-4) hat die Geschichte Platz zehn der Spiegel-Bestsellerliste erklommen. Hier finden Sie eine Leseprobe. (fu)

Als Gagschreiber fühlt sich Huber mitnichten. „Ich würde gerne auch mal etwas Ernstes schreiben“, sagt er. Das hat er bereits getan. Denn diese ironisch-swingende Weihnachtsgeschichte hat auch eine bittersüße Seite: Bastian hat sich vor zwei Jahren von seiner langjährigen Freundin Fine getrennt, die jetzt ausgerechnet mit seinem großen Bruder Niklas liiert ist – und in diesem Jahr erstmals wieder mit am Familientisch sitzen wird. Eine peinliche Situation, oder nicht? Christian Huber verspricht ein überraschendes Ende für diese Geschichte.

Christian Huber kommentiert auf Twitter auch das Geschehen in seiner Heimat:

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