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Region Schwandorf
Mittwoch, 22. November 2017 5

Rettungskräfte

Feuerwehren kämpfen um den Nachwuchs

Die Zahlen der FFW-Jugendgruppen im Landkreis Schwandorf sind noch konstant. Dafür bedarf es aber einiger Anstrengungen.
Von Petra Beer-Dausch

In den Jugendgruppen liegt der Schwerpunkt auf der feuerwehrtechnischen Ausbildung, es gibt aber auch viele Freizeit-Angebote. Foto: Archiv/gkt

Schwandorf.„Die Freiwilligen Feuerwehren haben leider im ländlichen Bereich immer mehr Nachwuchssorgen.“ Zum Tag der Jugend im August ging der Landesfeuerwehrverband (LFV) mit Zahlen an die Öffentlichkeit. Demnach haben die Jugendfeuerwehren in Bayern zwischen 2007 (gut 52 200) und 2017 (knapp 49 000) mehr als 3000 Mitglieder verloren. In der Oberpfalz ist in den vergangenen fünf Jahren ein Rückgang von 9981 (2012) auf 8888 (2017) zu verzeichnen. Ein Trend, der sich auch im Landkreis Schwandorf widerspiegelt?

Nicht in dieser Deutlichkeit. Wie Kreisjugendwart KBM Christoph Spörl aus Maxhütte-Haidhof auf Anfrage unseres Medienhauses berichtet, seien hier die Zahlen seit 2011 in etwa konstant, natürlich gebe es immer ein gewisses Auf und Ab. Bei der jüngsten Erhebung wurden 1182 Jugendfeuerwehrler im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren im Landkreis gezählt, davon rund ein Drittel Mädchen. Zum Vergleich: 2011 waren es 1146 Nachwuchskräfte. „Wenn wir diese Zahlen halten können, ist das schon ein Gewinn“, sagt Spörl.

Serienbriefe sind von gestern

Bei der Kinderfeuerwehr in Kreith hat der Nachwuchs auch jede Menge Spaß. Spielerisches Heranführen an das Thema Feuerwehr und das Erlernen allgemeiner Verhaltensregeln für Notfälle stehen im Vordergrund. Foto: Archiv/sag

Denn: Die Feuerwehren müssten auf jeden Fall mehr Aufwand betreiben, um Nachwuchs zu gewinnen. Die Werbung sei in den vergangenen Jahren intensiviert worden, um Einflüssen wie den geburtenschwachen Jahrgängen oder weniger Zeit aufgrund längerer Schulzeiten entgegenzusteuern. Dabei beobachtet Spörl auch immer wieder starke Schwankungen bei den Mitgliederzahlen in den einzelnen Jugendgruppen. Oftmals sei es gerade für die Wehren in größeren Orten aufgrund der vielen Konkurrenzangebote schwieriger, Nachwuchs zu gewinnen als in kleineren Orten, wo der Zusammenhalt noch stärker sei. Verändert habe sich auch die Art der Nachwuchswerbung. Serienbriefe wie früher funktionierten heute nicht mehr. Wichtig sei es, die Jugendlichen persönlich anzusprechen bzw. über Jugendliche, die bereits Mitglied sind.

„Mit zwölf Jahren setzt die Nachwuchsarbeit zu spät an. Alle anderen Vereine werben viel früher.“

Denise Ackermann, Kinderfeuerwehrsprecherin der Stadt Schwandorf

Immer größeren Aufwand betreiben die Feuerwehren laut Spörl auch, um den Nachwuchs bei der Stange zu halten. Zwar stehe die feuerwehrtechnische Ausbildung schon noch im Vordergrund, aber auch darüber hinaus werde den Jugendlichen in den Ortsverbänden und auf KBM-Bereichs- oder Landkreis-Ebene einiges geboten. Alle Jugendfeuerwehren des Landkreises haben im vergangenen Jahr 8199 Stunden in der Ausbildung geleistet, weitere 3889 Stunden bei Freizeitaktivitäten. Als besondere Höhepunkte zählt Spörl hier die Jugendfahrt nach Berlin, die auch 2018 wieder angeboten werden soll, oder das alljährliche große Zeltlager auf.

Mit Spannung wartet der Kreisjugendwart die Entwicklung in Sachen Kinderfeuerwehren ab. Hier gebe es bislang noch keine Erfahrungswerte, wie viele Mitglieder von der Kinder- (sechs bis zwölf Jahre) dann tatsächlich in die Jugendfeuerwehr (zwölf bis 18 Jahre) wechseln.

Denise Ackermann, Kinderfeuerwehrsprecherin der Stadt Schwandorf Foto: Archiv/szd

Für Denise Ackermann, Kinderfeuerwehrsprecherin der Stadt Schwandorf, Fachbereichsleitung Kinderfeuerwehr im Kreisfeuerwehrverband (KFV) Schwandorf und im Bezirksfeuerwehrverband (BFV) Oberpfalz, sind Gruppen wie die „Feuerdrachen“, „Löschfrösche“ oder „Little Firefighters“ auf jeden Fall der richtige Weg. „Mit zwölf Jahren setzt die Nachwuchsarbeit zu spät an. Alle anderen Vereine werben viel früher.“ 13 Kinderfeuerwehren haben sich bislang im Landkreis Schwandorf gegründet, die 14. sei gerade in Schwandorf-Krondorf im Entstehen. „Es zeigt sich, dass die Kinder, wenn sie früh genug herangeführt werden, auch bleiben“, sagt Denise Ackermann.

Auch die Eltern ansprechen

Die Kinderfeuerwehren werden gut angenommen: 2013 tauchten sie erstmals in der Statistik der LFV für die Oberpfalz auf, damals wurden 96 Mitglieder gezählt; 2016 waren es schon 446 Kinder in 31 Gruppen, 2017 gar 876 Kinder in 55 Gruppen.

Die Arbeit ist laut Denise Ackermann sehr spielerisch. Etwa ein Drittel der Zeit werde für Themen wie Gerätschaften der Feuerwehr, Feuer verhindern, Erste Hilfe, Verhalten im Verkehr oder Umwelterziehung verwendet, zwei Drittel der Zeit dienten der Stärkung der Gemeinschaft etwa bei Spielen oder Ausflügen. Über die Kinder könne man auch die Eltern erreichen und für die Feuerwehr-Arbeit begeistern. Diesen Vorteil sieht auch Kreisbrandrat Robert Heinfling.

Es gebe aber viele Möglichkeiten, Jugendliche zu gewinnen. Wichtig sei dabei: „Die Kameraden müssen auf die Jugendlichen zugehen.“ Über Nachwuchsmangel zu jammern, das bringe nichts, so Heinfling. Es lohne sich, um jeden einzelnen Jungen oder jedes einzelne Mädchen zu werben. Auch wenn es in den Jugendgruppen mal schwache Jahrgänge gebe, müsse man die Arbeit fortsetzen und „den Jugendlichen, die wir haben, die Bedeutung der Aufgabe klar machen.“

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1. Kinderfeuerwehr-Olympiade

  • Idee:

    Bei einem Erfahrungsaustausch für Verantwortliche der Kinderfeuerwehren im Landkreis Schwandorf wurde die Idee geboren, dass die einzelnen Gruppen einmal bei einer Veranstaltung zusammenkommen und sich gegenseitig kennenlernen. Dazu ist nun bei der Kinderfeuerwehr Gelegenheit.

  • Termin:

    Die 1. Kinderfeuerwehr Olympiade der Stadt Schwandorf findet am Samstag, 30. September, von 13 bis 17 Uhr im Sepp-Simon-Stadion statt.

  • Rahmenprogramm:

    Bei einer Fahrzeugschau werden sich neben der FFW auch BRK und THW präsentieren.

  • Teilnehmer:

    Mit von der Partie sind die Kinderfeuerwehren aus Dachelhofen, Ettmannsdorf, Kreith, Bergham, Leonberg, Münchshofen, Neukirchen-Balbini, Ponholz, Teublitz und Weihern. Die Kinder sind bei Aufgaben wie Schlauch ausrollen, Notruf absetzen oder gemeinsam Hindernisse überwinden gefordert. „Jeder ist ein Sieger und bekommt eine Medaille“, so Kinderfeuerwehrsprecherin Denise Ackermann.

  • Werbung:

    Zu der Kinderfeuerwehr Olympiade sind interessierte Kinder und Eltern als Zuschauer jederzeit willkommen.

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