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Region Schwandorf
Montag, 25. September 2017 17° 3

Kundgebung

Für Vielfalt, Solidarität und Toleranz

100 Schwandorfer protestierten vor der Oberpfalzhalle gegen die AfD. Die machte Wahlkampf mit Spitzenkandidatin Alice Weidel.
Von Hubert Heinzl

  • Etwa 100 Schwandorferinnen und Schwandorfer beteiligten sich an der Kundgebung gegen die AfD vor der Oberpfalzhalle. Fotos: Heinzl
  • Die Musiker waren aus Amberg nach Schwandorf gekommen.
  • Zwischendurch herrschte auch mal so etwas wie Partystimmung.

Schwandorf.Die zentrale Wahlkampfveranstaltung der AfD am Freitagabend in der Schwandorfer Oberpfalzhalle blieb nicht ohne Widerspruch. Abgesichert von einem starken Polizeiaufgebot, verfolgten drinnen gut 300 Zuhörer aus der gesamten Oberpfalz die Wahlkampfreden von Bundestags-Spitzenkandidatin Alice Weidel & Co. Draußen vor der Tür, auf der Grünfläche vor der Halle, trafen etwa 100 Schwandorferinnen und Schwandorfer zusammen, um ihren Protest gegen die Rechtspopulisten kundzutun.

Doch die Kundgebung, zu der das Oberpfälzer Bündnis für Toleranz und Menschenrechte und das Schwandorfer Bündnis gegen Rechtsextremismus aufgerufen hatten, sollte mehr sein als nur eine Gegenveranstaltung. „Wir wollen zeigen, wofür wir sind“, brachte Marius Brey von der Partei „Die Linke“ das Ziel der Organisatoren auf den Punkt – und nannte Vielfalt, Solidarität und Weltoffenheit als Beispiele. „Zehn Millionen Menschen in Deutschland haben sich 2015 für Flüchtlinge engagiert. Die Erfahrungen daraus werden die Gesellschaft zum Besseren verändern“, zeigte er sich überzeugt.

Als „Fest für Toleranz und Menschenrechte“ war die Kundgebung angekündigt. Und auch wenn sich die Veranstalter vielleicht einen etwas größeren Zuspruch erhofft hatten, sorgten die „Prackers“ aus Amberg mit gepflegter Rock-Musik zwischendrin für relaxte Stimmung.

Günter Kohl vom Schwandorfer Bündnis gegen Rechtsextremismus hielt die Auftaktrede.

Doch natürlich stand bei der über zweistündigen Kundgebung vor der Oberpfalzhalle die inhaltliche Auseinandersetzung mit der AfD im Vordergrund. Günter Kohl vom Schwandorfer Bündnis gegen Rechtsextremismus erinnerte zum Auftakt daran, dass die AfD schon seit ihrer Gründung ein „diffuses Spektrum rechten Gedankenguts“ aufweise, das Nationalkonservative, Burschenschaften und völkische Ideologien gleichermaßen umfasse. In ihrer Rhetorik nähere sich die AfD „immer wieder dem äußersten rechten Rand an“, so Kohl. Der Bündnis-Sprecher warf den Rechtspopulisten unter anderem auch Geschichtsvergessenheit vor. Deutschland sei „schon immer ein Einwanderungsland“ gewesen, vom 14. Jahrhundert bis heute. „Es wird eingewandert und sich kräftig vermischt. Und das ist gut so“, so Kohl.

Wir waren mit der Videokamera vor der Oberpfalzhalle dabei. Video: Baumgarten

Auch SPD-Fraktionsvorsitzender Franz Schindler, der wie Altlandrat Hans Schuierer zum „Fest für Toleranz“ gekommen war, bemühte in seiner kurzen Ansprache die Lehren aus der Geschichte. „Die AfD ist nicht die erste Partei mit Fremdenfeindlichkeit und fließenden Grenzen zum Rechtsextremismus“, sagte er. 1933 sei nicht über Nacht gekommen, sondern habe in den Köpfen von Rechtsintellektuellen begonnen. „Solche Schreibtischtäter gibt es immer noch, und die AfD ist ihr Sprachrohr“, so Schindler.

Auch Grünen-Stadträtin Marion Juniec-Möller warf den Rechtspopulisten eine „offene Verstrickung in rechtsextreme Kreise“ vor. Die von der AfD vertretene Politik sei „genauso irr wie die von Donald Trump“, kritisierte sie. Statt Fakten zählten nur „gefühlte Wahrheiten, die in das eigene Weltbild passen“. In der Umweltpolitik fordere die AfD eine Rückkehr zu Kohle und Atom. Die von ihr angestrebte Renaissance des Nationalstaats gefährde Europa, „das wichtigste Friedensprojekt, das es gibt“. Angesichts dieses Programms müssten die Menschen ihre Stimme gegen die Rechtspopulisten erheben. „Schweigen ist der falsche Weg. Schweigen ist Akzeptanz“, so Juniec-Möller.

Als „Anti-Zukunftspartei für Deutschland“ bezeichnete ÖDP-Stadtrat Alfred Damm die AfD. Sie sage Nein zu Klimaschutz und Dekarbonisierung und spreche sich dafür aus, die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern. Wer den Klimawandel leugne und die Energiewende bekämpfe, werde Migrationsbewegungen auslösen, „weit umfangreicher als heute“, so Damm.

Nur kurz zog eine größere Demonstrantengruppe zur Polizeiabsperrung.

Stefan Dietl, stellvertretender ver.di-Bezirksvorsitzender, warf der AfD nicht nur die Ausgrenzung von Geflüchteten und Migranten, sondern auch „Sexismus und Homophobie“ vor. Sie sei nicht die Partei des kleinen Mannes, sondern stehe für eine „durch und durch arbeitnehmerfeindliche Politik“. Katharina Graßler vom Bezirksverband der „Piraten“ hielt den Spitzenfunktionären der AfD vor, „Begriffe der Nazis salonfähig zu machen“. Doch Vorurteile, Verschwörungstheorien und Hass hätten „in einer bunten Welt keinen Platz“.

Kundgebung gegen die AfD

  • Mitwirkende:

    Oberpfälzer Bündnis für Toleranz und Menschenrechte, Schwandorfer Bündnis gegen Rechtsextremismus, Grüne, SPD, ÖDP, DGB-Jugend, ver.di, Die Linke, Piratenpartei, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten.

  • Rechtsextremismus:

    Wie schon bei der AfD-Veranstaltung mit Bundessprecherin Frauke Petry im vergangenen Jahr in Kreuth bei Rieden, wurde auch bei der Kundgebung am Freitag in der Oberpfalzhalle Neonazi Patrick Schröder gesichtet – zuletzt als Autor in „N.S. Heute“ vom Juli/August „hervorgetreten“.

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