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Region Schwandorf
Dienstag, 22. August 2017 23° 1

Trauer

Gemeiner Angriff auf Nittenauer Storch

Eine Spaziergängerin entdeckte den Vogel mit schweren Bissverletzungen. Ihm war nicht mehr zu helfen.
Von Renate Ahrens

Der Storch wurde bei dem Angriff am Bauch und an den Beinen so schwer verletzt, dass er nicht mehr zu retten war. Foto: Stangl

Nittenau.Weiße, flaumige Federn liegen noch auf der großen Wiese. Doch bald zeugt hier nichts mehr von der Tragödie, die sich am Samstag, vermutlich in den frühen Morgenstunden, in dem Biotop „Buign“ am Stadtrand in der Nähe der Kläranlage abgespielt hat. Gunther Stangl ist immer noch niedergeschlagen. Am Vormittag hatte ihn eine Spaziergängerin, den Tränen nahe, angerufen und aufgeregt von einem verletzten, blutenden Storch mitten auf dieser Wiese berichtet.

Gunther Stangl ist erfahrener Jäger, zudem Falkner und stellvertretender Landkreisjagdberater – und hat in den 25 Jahren Jagderfahrung schon viel erlebt. Doch der Anblick des sterbenden Vogels erschütterte ihn zutiefst. Sofort ist er, nachdem er die Polizei verständigt hatte, herbeigeeilt. „Beide Beine des Storchs waren gebrochen und wurden nur von Hautfetzen gehalten, auch an der Brust hatte der Vogel Bissverletzungen“, berichtet Stangl. Vergebens hatte sich der schöne Vogel bemüht, aufzustehen und wegzufliegen. Erschöpft blickt er Stangl an und kann nur noch den Kopf heben.

Trauer, Ärger und Wut

Ein trauriger Anblick: Weiße Federn zeugen noch vom Todeskampf des schönes Vogels auf der Buign. Gunther Stangl ist entsetzt.

Der Nittenauer weiß sofort: „Es war einer der beiden Störche, die gerade auf dem Haus des Gastes brüten.“ Nun drängt die Zeit. Vielleicht wäre er ja noch zu retten, so hofft der Falkner und schickt einem spezialisierten Tierarzt ein Foto. „Dieser sagte sofort: Mach dem Leiden ein Ende“, erklärt Stangl traurig. „Das habe ich getan, und es war nicht leicht.“ Neben Trauer spürt er aber auch Ärger und Wut. Der erfahrene Jäger ist sich nämlich sicher, dass ein Hund den Storch verletzt haben muss. Jeder Hund habe einen Jagdreflex. „Ein Fuchs hätte den Storch sofort getötet. Ein Unfall durch ein Auto oder eine Stromleitung ist hier ohnehin auszuschließen. Vermutlich hat der Besitzer den Hund zurückgepfiffen.“

Ein Fuchs hätte den Storch sofort getötet. Ein Unfall durch ein Auto oder eine Stromleitung ist hier ohnehin auszuschließen. Vermutlich hat der Besitzer den Hund zurückgepfiffen.

Gunther Stangl

Dieses Biotop sei das „Hundeparadies von Nittenau“. Nur wenige Minuten von der Stadt entfernt, würden hier jeden Tag etwa 30 Hunde ausgeführt. Beileibe nicht alle Besitzer halten sich jedoch an das deutlich erkennbare Verbot, die Wege zu verlassen und gar die Hunde von der Leine zu lassen, so die Beobachtungen von Gunther Stangl. Überall weisen Schilder der Stadt und des Straßenbauamts auf die Verbote hin. „Viele sind uneinsichtig, auch wenn man sie darauf anspricht. Jeder Aufruf an Vernunft ist vergebens“, beklagt Stangl und schüttelt den Kopf über so viel Unverständnis. „Jeder sagt dann, er habe seinen Hund im Griff, doch das ist eine gewaltige Selbstüberschätzung“, erklärt er bitter und blickt auf die Wiese.

Storch auf Futtersuche

Dort, so rekonstruiert Revierinhaber Herbert Weinhart später, muss der Storch für seine Jungen nach Würmern und Fröschen gesucht haben. „Der Storch war schon zutraulich den Menschen gegenüber. Der Buign mit dem Überlaufbecken des Regens ist ein Landeplatz für Störche, weil immer noch etwas Wasser vorhanden ist“, weiß Weinhart. Hitze und Trockenheit machten den Tieren zurzeit sehr zu schaffen. Für den verbleibenden Partner werde es nun nicht leicht sein, die drei Jungen alleine zu füttern.

Munter versuchen die Küken nämlich schon, im Nest umherzustolzieren und die Flügel auszubreiten. Das kann man über die Webcam auf der Homepage der Stadt Nittenau gut beobachten. Bald sind die Jungtiere flügge – und haben dementsprechend Appetit. Alle ein bis zwei Stunden, so Weinhart, fliegen die Eltern abwechselnd das Nest an. Was beide Jäger besonders wütend macht: Genauso hat es sich schon einmal, vor etwa vier Jahren, zugetragen. Auch da biss ein Hund dem Storch vom Haus des Gastes beide Beine ab.

Dringender Appell der Jäger

Die Stadt und auch das Straßenverkehrsamt haben überall Schilder aufgestellt, die nicht zu übersehen sind. Bereits vor vier Jahren gab es einen ähnlichen Fall mit einem tot gebissenen Storch, danach hat man noch mehr Verbotsschilder in diesem Biotop angebracht. „Doch viele Hundebesitzer sind unbelehrbar“, so die Erfahrung von Gunther Stangl. Foto: Ahrens

„Nun muss sich der Storch wieder einen neuen Partner suchen“, schüttelt Stangl empört den Kopf. Normalerweise bleiben Storchenpaare ihr Leben lang zusammen. Ob das tote Tier das Männchen oder das Weibchen war, könne nur durch eine Federanalyse festgestellt werden. Stangl hat den Vogel sofort eingefroren und wird ihn der Naturschutzbehörde übergeben, die entscheidet, was mit ihm geschieht.

Bodenbrüter und auch Wild wie Rehkitze werden durch freilaufende Hunde extrem gestört – auch wenn dieser noch so brav ist.

Gunther Stangl

Der Jäger appelliert eindringlich an die Hundebesitzer: „Bodenbrüter und auch Wild wie Rehkitze werden durch freilaufende Hunde extrem gestört – auch wenn dieser noch so brav ist.“ Man solle nur die offiziellen Wege benutzen. Früher, so blickt Stangl zurück, habe es noch nicht so viele Hunde gegeben. Da war das Biotop noch voller Fasane, Waldwasserläufer, Rebhühner und Kibitze. „Die Natur erfahren bedeutet auch, sie nicht zu stören.“

Laut Aussage von Heiner Poiger, zuständig für das Haus des Gastes, habe der verbleibende Storch am Samstagnachmittag den Nachwuchs allein gefüttert. Noch sei jedoch nicht absehbar, so Stangl, ob er die Betreuung schaffe und das Futter ausreiche. Dann müsste man sich Maßnahmen überlegen.

Nittenaus Bürgermeister Karl Bley zeigte sich ebenfalls entsetzt über den Vorfall und versprach, noch strikter in diesem Gebiet kontrollieren zu lassen.

Die Störche auf dem Nittenauer Haus des Gastes können über die Webcam beobachtet werden.

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Hinweise und Hilfe

  • Zeugenhinweise

    zu dem Angriff auf den Storch am Samstagfrüh im Biotop „Buign“ am Nittenauer Stadtrand in der Nähe der Kläranlage wären wichtig, erklärte Rainer Hirschmann, Leiter der Polizeistation Nittenau. Wer etwas beobachtet hat, solle sich an die Polizei wenden. Die Spaziergängerin hat den verletzten Storch am Samstag gegen 7.15 Uhr entdeckt. Hinweise von eventuellen Zeugen erbittet die Polizeistation in Nittenau, Tel. (0 94 36) 9 03 89 30.

  • Storch-Paten:

    Die beiden Jäger Gunther Stangl und Herbert Weinhart suchen „Paten“ für die drei Jungstörche. Über die Webcam (Internetadresse: www.fuenffinger-nittenau.de/webcam/kirchplatz/webcam.html) können die Küken im Nest beobachtet werden. Man sollte melden, wenn der verbliebene Elternstorch nicht etwa alle zwei Stunden das Nest anfliegt. Hinweise nimmt Gunther Stangl, Tel. (0 94 36) 29 89 entgegen.

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