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Region Schwandorf
Dienstag, 21. November 2017 7

Vereinsserie

Großer Verein vor großem Umschwung

Der TSV 1880 gehört mit 13 Sparten, 21 Disziplinen und 996 Mitgliedern zu den größten Sportvereinen der Stadt Schwandorf.
Von Ingrid Hirsch

Gerhard Bendl und seine Turnerinnen sind weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Fotos: xih

SCHWANDORF.Stagnierende Mitgliederzahlen, knappe Finanzen und ein sanierungsbedürftiges Sportgelände: Der TSV 1880 Schwandorf steht vor gewaltigen Herausforderungen. „Wir brauchen neue Einnahmequellen“, ist sich Präsident Dr. Karl-Heinz Saur bewusst. Nur mit den Mitgliedsbeiträgen kann der Verein nicht überleben.

Der Haushalt ist „auf Kante genäht“. Dies wurde auch bei der jüngsten Hauptversammlung deutlich. Beim ersten Anlauf verweigerten die Delegierten dem Präsidium sogar die Entlastung. Ein einmaliger Vorgang in der 137-jährigen Geschichte des größten Spartensportvereins in der Stadt.

Inzwischen haben sich die Gemüter zwar beruhigt, die Probleme aber sind geblieben. „Warum lässt sich der Verein nicht helfen?“ fragt der Vorsitzende des Stadtverbandes für Sport, Thomas Fink. Er ist gleichzeitig Bezirksgeschäftsführer beim Bayerischen Landessportverband und hat Unterstützung angeboten – in Workshops, bei denen es um die Frage geht: Wo will der TSV hin und wie kann er diese Ziele erreichen?

Voraussetzung ist eine hauptamtliche Geschäftsführung. Darin sind sich Präsident Dr. Karl-Heiz Saur und Stadtverbandsvorsitzender Thomas Fink einig. Aber wie lässt sich eine solche Stelle überhaupt finanzieren? Dr. Karl-Heinz Saur denkt an eine Zusammenarbeit mit den anderen Sportvereinen der Stadt. Wer aber soll die Fusion anstoßen und umsetzen. Zahnarzt und Unternehmer Dr. Karl-Heinz Saur winkt ab: „Dazu fehlt mir die Zeit“. Thomas Fink würde die Moderation übernehmen, „wenn Vereine mit konkreten Zielvorstellungen auf mich zukommen“.

Sportlich sieht Dr. Karl-Heinz Saur den Verein mit 13 Sparten und 21 Disziplinen gut aufgestellt. „Unsere Aufgabe ist die Förderung des Breitensports“, erklärt der Präsident. Die Abteilungen setzen sich aber durchaus auch ambitionierte Ziele. Wie etwa die Basketballer, die die Saison mit dem dritten Platz in der Bayernliga beendet haben. Gesportelt wird in folgenden Abteilungen: Basketball, Fußball, Gewichtheben, Handball, Judo, Ju-Jutsu, Karate, Kegeln, Leichtathletik, Schach, Tanzen, Tennis, Turnen, Badminton (nur noch hobbymäßig).

Ein viel diskutiertes Thema ist die Zukunft der Tennishalle, die einem Privatunternehmer gehört, aber auf Vereinsgrund steht. Präsident Dr. Karl-Heinz Saur hätte sie gerne erworben, um mit der Verpachtung Einnahmen zu erzielen, fand dazu aber im Verein keine Mehrheit. Inzwischen soll ein privater Investor Interesse bekundet haben.

Großen Wert legt der TSV 1880 Schwandorf auf Tradition und Mitgliederpflege. Einmal im Jahr lädt der Verein langjährige Mitglieder und erfolgreiche Sportler zu einem Ehrenabend ein. Seit sage und schreibe 81 Jahren gehört Franz Sichler dem Turnverein an. Er begann seine sportliche Laufbahn 1936 als Turner. Nach dem Krieg schloss er sich den Leichtathleten an und war ein erfolgreicher Mittelstreckenläufer. Gleichzeitig spielte er Handball auf dem Großfeld. Nach seiner aktiven Zeit widmete er sich dem Tennisspiel.

Franz Sichler war jahrelang Sportbeauftragter der SPD im Schwandorfer Stadtrat, gehörte dem Vorstand des damaligen „Stadtverbandes für Leibesübungen“ an und saß im Wirtschaftsbeirat des TSV Schwandorf. Anfang der 1980er Jahre war er maßgeblich an der Aussiedlung des Vereins vom „Hubmannwöhrl“ an die Wackersdorfer Straße beteiligt. Die Stadt bekam damals staatliche Fördergelder und konnte den TSV Schwandorf ablösen. Mit dem Geld baute sich der Verein ein eigenes Sportgelände. Auf dem Hubmannwöhrl entstand bekanntlich der Schwandorfer Stadtpark.

Bereits Jahre vorher, so hat es der pensionierte Oberstudiendirektor und langjährige Stadtrat in Erinnerung, stand die Fusion des Turnvereins mit dem FC Schwandorf zur Diskussion. Kurz nach Fertigstellung des Sepp-Simon-Stadions sollten sich dort die beiden Großvereine unter einem Dach ansiedeln.

Das war zumindest der politische Wille im Rathaus. Doch die beiden Vereine konnten sich nicht einigen. So baute sich der TSV Schwandorf etwas Eigenes, und der FC blieb auf dem gepachteten Gelände an der Naab. „Der TSV Schwandorf hat mit der Aussiedlung das bessere Los gezogen“, stellt Franz Sichler im Nachhinein fest. Aus dem Rathaus ist seitdem kein Signal mehr gekommen. Es wäre an der Zeit für einen neuen Versuch.

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