mz_logo

Region Schwandorf
Mittwoch, 13. Dezember 2017 11

Geschichte

Historie für die Zukunft bewahren

Dem Besucherschwund will das Stadtmuseum Nittenau mit etwas Neuem entgegenwirken. 2018 ist eine Sonderausstellung geplant.
Von Ulrich F. Klein

Ein Stadtmodell basiert auf dem Grundriss von 1832 und zeigt in Rekonstruktion eine Vielzahl von Häusern, wie sie auf Fotos überliefert sind. Foto: Klein

Nittenau.Warum soll ich heute noch ins Museum, wenn doch Google Art den Weg vom Sofa aus schon so schön geebnet hat? Rund 6700 Museen gibt es in Deutschland – Tendenz steigend: Kunstmuseen, Volkskunde- und Heimatkundemuseen, Schloss- und Burgmuseen, historische Museen, technische Museen und noch einige mehr.

Die Museen mit volkskundlichem, heimatkundlichem oder regionalgeschichtlichen Sammlungsschwerpunkten stellen mit ca. 45 Prozent die zahlenmäßig stärkste Museumsgruppe in Deutschland. Sie generieren aber nur weniger als 15 Prozent der Gesamtbesucherzahl.

Die Situation in Nittenau

In drei Räumen im Erdgeschoss sind die Bodenschätze unserer Umgebung gesammelt und in das geologische Bezugssystem gestellt. Foto: Archiv/Paprotta

Wie ist denn die Situation in Nittenau? Darüber berichtete Carolin Schmuck in ihrem Bericht zur „Museums- und Kulturarbeit 2017“ am 7.November im Rathaus dem Hauptausschuss der Stadträte. Die Besucherzahlen der Saison 2017 waren mit 1111 Besuchern die niedrigsten der vergangenen vier Jahre. Das besucherreichste Jahr war 2015 mit 1738 Besuchern.

„In der heutigen Zeit konkurrieren Museen (gleich welcher Größe) mit Kinos, Freibädern und Festen aller Art in puncto Freizeitgestaltung. Auch wenn man sich damit auf das glatte Eis der Eventkultur begibt, ist die Entwicklung nicht aufzuhalten, dass Besucherzahlen nur zu halten sind, wenn man etwas Neues anbieten kann, und dass man sie nur steigern kann, wenn man etwas Interessantes für Jung, Mittel und Alt zu bieten hat“, resümiert Schmuck.

Die Produkte der Steingut-Manufaktur im nahen Reichenbach am Regen bilden einen Sammlungsschwerpunkt. Foto: Klein

Sammeln, bewahren, forschen, präsentieren und bilden, das sind die klassischen Aufgaben des Museums. Das Stadtmuseum in Nittenau beherbergt das Erbes der kulturellen Entwicklung der Menschen in der Region am Regen und spiegelt deren gesellschaftliche Entwicklung in Handel, Handwerk, Religion. „Die Frage nach dem Wert und Nutzen eines Museums ist weniger vergangenheits- als vielmehr zukunftsgewandt. Wie manche Gegenstände in Familien über Generationen aufbewahrt werden, weil damit die Erinnerung weitergetragen werden kann, so sieht sich auch das Stadtmuseum in der Verantwortung des Bewahrens von Wissen (über das Objekt und über die Objektgeschichte) für die künftigen Generationen“,argumentiertSchmuck ihr Leitbild für das Museum. „Wir verstehen uns im Museum also als Vermittler, man kann es auch „Museumspädagogik“ nennen, die sich nicht nur an Kinder richtet, sondern an alle lernwilligen neugierigen Menschen“.

Dieses Foto zeigt ein geschmiedetes Uhrwerk aus dem Spätbarock (1734) von Uhrmacher Georg Wolfgang Beimell aus Amberg. Foto: Klein

Zu dieser Zielsetzung präsentiert das Stadtmuseum zahlreiche Exponate in unterschiedlichen Themenbereichen im Rahmen der Dauerausstellung. Darüber hinaus organisiert Schmuck jährlich wechselnde Sonderausstellungen. 2017 war das Thema der Sonderausstellung: „… mit der Kirche im Dorf – Institution und Frömmigkeit“. Das Leitthema wurde thematisch verbunden mit Aspekten der religiösen Volkskunst, Nittenauer Kapellen oder 150 Jahre FFW Nittenau. Ein umfangreiches und abwechslungsreiches Begleitprogramm mit Vorträgen, Museums- und Kirchenführungen, Konzerten oder eine Wanderausstellung rundeten die Sonderausstellung ab.

Begleitend zu den Themen gestaltete Museumsleiterin Schmuck diverse „Blätter zur Ortsgeschichte“, von denen bisher 9200 Exemplare ihre Interessenten fanden. Im Stadtmuseum Nittenau können sich Schulklassen, aber auch historisch interessierte Personen und Gruppen aller Art, zu den unterschiedlichsten Themen der jüngeren regionalen Geschichte informieren und mit den Ergebnissen einen Eindruck und Erkenntnisse über das Leben und Wirken ihrer Vorfahren erwerben.

Der Bestand hat 4831 Objekte

Das Stadtmuseum erhielt als Leihgabe der Bayerischen Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder den Ordenshabit des sel. Fraters Eustachius Kugler, der 1867 in Neuhaus (nun Stadt Nittenau) geboren wurde. Foto: Klein

Für 2018 plant Schmuck eine Sonderausstellung zur Wappenverleihung durch Otto II. von Mosbach an Nittenau. Auch zu diesem Leitthema wird es wieder ein abwechslungsreiches, interessantes Begleitthema, „Ummauerung und Veränderung“, geben. Die Planung, Organisation und Durchführung von Ausstellungen ist nur ein Teilaufgabengebiet von Schmuck. Die Revision des gesamten Inventars, das Nacharbeiten der Inventarblätter, die Registrierung von Neuzugängen, alles was man dem Thema „Bestandspflege“ zuordnet, mit derzeit 4831 Objekten, gehört ebenso dazu.

Das Aufgabengebiet von Schmuck ist im Lauf der Jahre gewachsen. Neben Kirchen-, Burg- und Museumsführungen begleitet sie das Kulturprogramm der Stadt und koordiniert den Kulturkalender. „Ohne die tatkräftige Unterstützung der ehrenamtlichen Helfer aus dem Museumsverein, gerade an den Wochenenden, könnte ich das alleine nicht stemmen“, sagte Schmuck dankbar.

Mehr Nachrichten aus Nittenau lesen Sie hier.

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht