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Region Schwandorf
Dienstag, 12. Dezember 2017 5

Stadtentwicklung

Hoffnungen ruhen auf den Hausbesitzern

Die Sanierung der Friedrich-Ebert-Straße in Schwandorf ist beschlossen. Nun richten sich die Anstrengungen auf die Anwohner.
Von Reinhold Willfurth

Schwandorf.Unspektakulärer Start für das wichtigste öffentliche Bauprojekt in der Innenstadt: An fünf Stellen holen Arbeiter dieser Tage Bohrkerne aus dem Untergrund in der Friedrich-Ebert-Straße. Schließlich will man vor bösen Überraschungen, wie sie das Krankenhaus St. Barbara kürzlich mit einer Fliegerbombe in seiner Baugrube erleben musste, gefeit sein, wenn im Frühjahr 2018 die eigentlichen Bauarbeiten beginnen. Bis in fünf Meter Tiefe wird gebohrt, ein Spezialteam hat außerdem die Straße mit einem Metalldetektor abgehört. Bislang ohne Alarmmeldung. Damit ist der Boden bereitet für den lange erwarteten und lange diskutierten Umbau der Einkaufs- und Durchgangsstraße in eine Flaniermeile, in der sich Fußgänger, Radler, Kinderwagen- und Rollstuhlfahrer die Straße mit den als unvermeidlich angesehenen Autos teilen – inklusive Platz für Straßencafés, Ruhebänke und Parkmöglichkeiten. Das Bild oben, wo Sie mit dem Schieberegel entscheiden können, welchen Teil Sie sehen möchten, zeigt die Straße, wie sie im Moment aussieht und in Zukunft aussehen soll (Foto: Willfurth/Plan: SEP Baur).

Durststrecke für Läden

Josef Meier ist zuversichtlich, dass sein Sportgeschäft die zweijährigen Umbauphasen heil übersteht – auch wenn er sich keine Illusionen darüber macht, dass die Baustelle eine Durststrecke für seinen Betrieb bedeutet: „Dass Umsatz verloren geht, haben wir eingeplant“, sagt Meier, den Stadtumbaumanager Dr. Stefan Leuninger Anfang Oktober als einer von vier Sprechern der Anwohner und Hausbesitzer in der Ebert-Straße berufen hat. Meier setzt auf seine Stammkundschaft – und auf gute Geschäfte nach dem Umbau. Dass die aufwendige Sanierung ein Glücksfall, nicht nur für die Geschäftsleute in der Friedrich-Ebert-Straße ist, davon ist Meier ebenso überzeugt wie sein Beirats-Kollege Alfred Popp.

„Das ist eine Riesen-Aufwertung für die Stadt.“

Alfred Popp, Architekt

„Das ist eine Riesen-Aufwertung für die Stadt“ sagt Architekt Popp. Von der „Initialzündung“ für die Innenstadtentwicklung erhofft er sich auch Inspirationen für den einen oder anderen Hausbesitzer, die Straßensanierung als Steilvorlage für die Aufwertung der eigenen Immobilie zu begreifen. Ob die Meierhofer-Anwesen, schlimmster Schandfleck in der Innenstadt, in absehbarer Zeit aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt werden, glaubt Popp dagegen eher nicht: „Da wird nichts passieren“ – im Gegensatz zu anderen Hausbesitzern, die die Verwandlung der einstigen Durchgangsstraße in eine Flaniermeile als Chance begriffen, so seine Beobachtung.

Ramm-Sondierung vor dem Baubeginn

  • Verwandlung:

    Die Friedrich-Ebert-Straße verwandelt sich von einer Durchgangsstraße in eine Flaniermeile, die Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern eine Begegnung auf Augenhöhe ermöglicht. Bänke und Freischankflächen sollen zum Verbleib einladen. Einladend soll die Straße auch abends wirken, wofür das Planungsbüro zwei Lichtkonzepte entwickelte. Eine Lichtinstallation zwischen Bahnhof- und Schwaigerstraße soll an das Stadttor erinnern.

  • Sondierung:

    Voraussetzung für den im Frühjahr 2018 geplanten Baubeginn ist eine Baugrunduntersuchung. Die Arbeiten wurden am Dienstag und Mittwoch von einer Firma aus Deggendorf ausgeführt, teilte der Sprecher der Stadt, Lothar Mulzer, mit. Fünf Bohrpunkte wurden in leitungsfreien Bereichen festgelegt, an denen die sogenannten Ramm-Sondierungen mit Entnahme von Bohrkernen ausgeführt wurden. Die Kosten betragen rund 5000 Euro.

Die Arbeit mit den Eigentümern der Immobilien haben sich die Stadtumbaumanager Dr. Stefan Leuninger und Annegret Michler gleichwohl als Aufgabe für das kommende Jahr ins Lastenheft geschrieben. „Mit der Straßensanierung ist es nicht getan“, sagt Leuninger im Gespräch mit der MZ. Vorausgesetzt, die Bezirksregierung gebe grünes Licht, werde man „intensiv in die Eigentümerberatung einsteigen“. Die Hoffnung, dass sich bei den Meierhofer-Anwesen, dem „Herzstück“ der Ebert-Straße, noch etwas tut, hat Leuninger noch nicht aufgegeben.

Infos und „positive Stimmung“

An fünf Stellen in der Friedrich-Ebert-Straße wird der Untergrund auf alarmierende Inhalte wie Altlasten oder Weltkriegsbomben untersucht.

Während Marc Weschta vom Münchener Büro SEP Baur seit kurzem intensiv an der Ausführungsplanung arbeitet, entwickelt der neue Citymanager Roland Kittel Ideen, wie man die Durststrecke der Geschäfte am besten überbrücken könnte. „Eine positive Grundstimmung“ will Kittel im Umfeld der Baustelle schaffen, „mit Lust auf das neu Entstehende“. Transparenz sei dabei das oberste Gebot. Bei den umfassenden Informationen über den Verlauf der Bauarbeiten (und mögliche Verzögerungen) solle „niemand durchs Netz fallen“. Der Citymanager stellt sich zum Beispiel eine Art Baustellenzeitung vor. Auch Gewinnspiele oder Führungen über die Baustelle könnten für ihn Maßnahmen sein, um Bedenken und Ängste vor der großen Umbaumaßnahme zu zerstreuen.

Mit unkonventionellen Aktionen wie Etappenfesten oder roten Teppichen vor den Geschäften könne man das Thema Baustelle positiv besetzen. Auch Kittel hofft, dass sich Hausbesitzer „im Windschatten der Straßensanierung“ ermutigt fühlen, auch ihre eigene Immobilie zu sanieren. Die Stadt wolle dazu ein Signal senden. Darüber müsse aber noch der Stadtrat diskutieren.

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