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Region Schwandorf
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Menschen

In einer Sekunde vom Retter zum Opfer

Nach dem schweren Unglück bei einer Feuerwehrübung sammeln Verletzte und Aktive aus Teublitz für den Rettungshubschrauber.
Von André Baumgarten

Kommandant Marco Feicht sowie Finn, Tina und Marcel Gradl (von links) können ein Jahr nach dem schrecklichen Unfall langsam auch wieder lachen. Foto: Baumgarten

Teublitz.Ertönt die Sirene oder piepst der Funkwecker, eilen die Feuerwehrfrauen und -männer los, um anderen zu helfen. Als am 28. Mai 2016 das Telefon im Feuerwehrhaus klingelt, ist alles anders: Drei Ehrenamtliche, die eine Übung für ihre Kameraden vorbereiten, sind selbst Opfer eines Unglücks geworden – Bernd Hopfinger, Finn Gradl und Melanie Muck werden bei einer heftigen Explosion teils schwer verletzt. Zwei Rettungshubschrauber fliegen den 34-jährigen Feuerwehrmann und den Buben (8) dann in eine Nürnberger Spezialklinik.

Fast zwölf Monate später sind die Brandwunden zwar gut verheilt; verarbeitet ist der tragische Zwischenfall bei den wenigsten. Dennoch ist ihnen eins ganz wichtig: „Aufrichtig und öffentlich Danke zu sagen – auch, weil das nicht selbstverständlich ist“, wie Michael Muck, Vorsitzender des Feuerwehrvereins, betont. Dank gilt den Sanitätern vom BRK Burglengenfeld, den Feuerwehrkollegen aus dem Städtedreieck, insbesondere aber Notarzt Dr. Andreas Pistor, der die zunächst augenscheinlich geringen Verletzungen von Finn richtig einschätzt.

Jede Erinnerung ausgelöscht

Die drei Verletzten wurden von BRK, Notarzt Dr. Pistor sowie ADAC und DRF Luftrettung versorgt. Foto: Baumgarten/Archiv

„Er hatte ein gerötetes Gesicht, so wie ein leichter Sonnenbrand“, erinnert sich Kommandant Marco Feicht, der als einer der Ersten vor Ort eintraf. Kurz darauf bilden sich bei dem damals Siebenjährigen dann jedoch Blasen – gut zwei Stunden wird der Junge im Klinikum Nürnberg-Süd später operiert. Gut acht Meter stand Finn im Moment der Explosion entfernt. Was passiert ist, daran kann sich der begeisterte Kinderfeuerwehrmann nicht erinnern – wie Bernd Hopfinger.

Den 34-jährigen Teublitzer erwischt es bei dem Unglück am schlimmsten: An Armen und Gesicht erleidet er Brandverletzungen zweiten Grades. Dass er Brillenträger ist, hat ihm vorm Verlust des Augenlichts bewahrt. Fünf Tage bleibt er im künstlichen Koma, bekommt eine Hauttransplantation, muss auf Reha. Sechs Monate ist er krankgeschrieben. Darüber zu reden, fällt dem engagierten Feuerwehrmann bis heute sehr schwer.

Mit diesem Videobericht hatten wir vor knapp einem Jahr vom schweren Unglück bei der Feuerwehrübung am 28. Mai 2016 berichtet:

Die Vorbereitungen des praktischen Teils für einen Lehrgang von Aktiven mehrerer Feuerwehren aus dem Städtedreieck endete in einem Unglück. Video: Baumgarten

Als Finns Vater Marcel seine Ex-Ehefrau Tina zuhause anruft, merkt sie gleich, „es ist irgendwas passiert“. Dass es eine Explosion gegeben hat, brennt sich der 31-Jährigen ins Gedächtnis. Dass ihr Sohn zunächst nur vorsorglich in die Klinik geflogen wird, nimmt sie kaum wahr. Die Ungewissheit, was mit ihrem Kind ist, beschäftigt sie die „quälende lange Autofahrt“ mit den Eltern nach Nürnberg. Marcel Gradl ist zwar mit dem Rettungshubschrauber mitgeflogen, aber „das ist alles weg – du bist wie im Tunnel, nimmst alles nur gedämpft wahr“. Nach der Operation klärt ein Arzt die Eltern genau auf; erst dann weichen langsam Angst und Anspannung.

Hinzugerufene Kameraden aus Münchshofen löschten den brennenden Container am 28. Mai. Foto: Artmann/Archiv

Als die Mutter ihren Sohn endlich in die Arme schließen kann, schimpft er über das zerschnittene T-Shirt. Sieben Tage muss der Junge in der Klinik bleiben. Verdaut hat der Siebenjährige das Geschehene gut. Seine Begeisterung für und der Spaß an der Kinderfeuerwehr ist weiter ungebrochen: „Weil’s mein Papa auch ist“, will er Feuerwehrmann werden, erklärt er mit leuchtenden Augen. Auch für Melanie Muck hat der Tag letztlich im Krankenhaus geendet. Die heute 14-Jährige muss für eine Nacht zur Überwachung in die Hedwigsklinik.

Geld für DRF-Luftrettung sammeln

Die Idee, als Dank zu sammeln, ist von Marcel Gradl – sein Sohn wurde damals schwer verletzt. Foto: Baumgarten

Finns Vater braucht eine ganze Weile, das Ganze zu verarbeiten. „Vergessen kann man das nicht“, sagt er. Dass er den Helfern und Rettern danken will, ist schon länger Thema. Die Idee, eine Spendenaktion für „Christoph Regensburg“ und die DRF-Luftrettungsstation zu initiieren, entsteht erst vor einigen Tagen. „Es im größeren Rahmen zu machen“, den Dank stellvertretend mit einer Unterstützung der spendenfinanzierten Organisation zu verbinden, war sein Wunsch. Und er stellt fest: „Was diese Menschen für uns getan haben, ist unbezahlbar.“

Auch Aktive spenden

  • Unterstützung:

    Ihren Dank an alle beteiligten Retter wollen die Opfer mit einer Spende an die DRF Luftrettungsstation in Regensburg verbinden. Auch in den eigenen Reihen der Teublitzer Feuerwehr wird dafür fleißig gesammelt.

  • Spendenkonto:

    Jeder beliebige Betrag kann bis zum 9. Juni 2017 auf das Vereinskonto der Feuerwehr bei der VR Bank Burglengenfeld (BIC: GENODEF1 BLF) unter der IBAN: DE63 7509 1400 0002 5127 77 eingezahlt werden. (ba)

Die Teublitzer Feuerwehr hat nach dem Ereignis ebenfalls Konsequenzen gezogen – ohne Lehrgang darf keiner die „Lagedarstellung“ machen, es gilt ein Vier-Augen-Prinzip und alle Statisten bekommen immer Aktive zur Seite. „Die Gefahr ist im Einsatz jedem bewusst“, betont Kommandant Marco Feicht. Ohne realistische Übungen aber ist die Ausbildung bei der Feuerwehr undenkbar – „im Einsatz muss man wissen, was einen erwartet“. Da reicht ein simuliertes Feuer nicht.

Feuerwehrvorsitzender Michael Muck unterstützt die Idee mit der Spende mit aller Kraft. Foto: Baumgarten

Noch akribischer als bisher prüfen Feicht und Muck jede Übung. „Da ist man einmal mehr sensibilisiert jetzt“, räumen sie ein. Beide hoffen, dass die von Marcel Gradl initiierte Spendeaktion ein Erfolg wird – und so vielleicht auch die Wertschätzung für die Arbeit aller Ehrenamtlichen steigt.

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