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Region Schwandorf
Dienstag, 26. September 2017 19° 1

Bebauungsplan

In Weiherdorf formt sich Protest

Ein 163-Seelen-Dorf soll durch ein Baugebiet um 80 Parzellen wachsen. Sonntag hat sich jetzt eine Bürgerinitiative gegründet.
Von Werner Artmann

  • Zur Gründungsversammlung der „BI Weiherdorf“ am Sonntagabend kamen 69 Bürger ins Sportheim des SC Katzdorf. Foto: Artmann
  • Der Ortsteil Weiherdorf mit 64 Häusern soll um 80 Bauplätze wachsen. Foto: bat

Teublitz. „Weiherdorf soll dorfgerecht wachsen!“ Mit dieser Forderung hat sich am Sonntagabend im Sportheim des SC Katzdorf erneut eine Bürgerinitiative gegründet – gegen das geplante Baugebiet Weiherdorf mit 80 Bauparzellen auf rund 4,9 Hektar. 69 Bürger aus dem Teublitzer Ortsteil waren gekommen; 61 votierten für die Gründung der „BI Weiherdorf“. Als Sprecher fungieren Lutz Schneidewind, Helmut Hiller, Michael Mette, Robert Meier und Roland Müller. Ihre dringendste Forderung ist eine Bürgerversammlung zum geplanten Projekt.

Die Stadträte Christine Fischer und Benjamin Liebl (beide CSU) und Andreas Bitterbier (SPD) waren auf persönliche Einladung ebenfalls da. Aufmerksam wurden die Weiherdorfer durch einen MZ-Bericht vom 31. Juli, wonach der Stadtrat in ihrem Heimatort 80 Bauplätze mit einen Erschließungsträger entwickeln will. Dass die großflächige Bebauung für das Dorf in wenigen Jahren zur Belastung mit großer sozialer Sprengkraft wird, fürchtet eine Mehrheit der Bürger.

15 bis 20 Häuser kein Problem

Erstmals berief der Sprecher Alois Schmid die „Dorfgemeinschaft Weiherdorf“ am 6. August zu einem Treffen ein. Der Tenor war: „Es kann nicht sein, dass sich ein Dorf mit 64 Häusern und 163 Einwohnern, darunter 14 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren, in kurzer Zeit verdoppelt!“ Bis zum Beschluss im Stadtrat sei von 15 bis 20 Häusern die Rede gewesen, was für viele Weiherdorfer kein Problem war. Also dagegen protestieren? „Wir kamen zum Entschluss, das sich die Dorfgemeinschaft hier nicht beteiligen sollte“, so Schmid.

Wie Schmid, der aber privat bei der BI-Gründung dabei war, erläuterte, versuchte er mit der Stadt kurzfristig eine Bürgerversammlung zu terminieren. Das war nicht möglich, weshalb Michael Mette die Pläne im Bauamt vorgestellt wurden. Schmid betonte, dass der Protest gegen das Baugebiet alleinige Sache der „BI-Weiherdorf“ sein wird: „Ich glaube es wird in Zukunft dann schwierig genug, die fast 40-jährige Dorfgemeinschaft fortzuführen.“

Dorfgemeinschaftssprecher Alois Schmid wundert sich auch. Foto: bat

Unverständnis macht sich bei Alois Schmid dennoch breit: Zwei Stadträte hatten berichtet, dass die Unterlagen für die geplante Bebauung erst am Sitzungstag verteilt – ein bis zwei Tage später seien sie beim Landratsamt eingereicht worden. „Warum diese Eile“, fragte Schmid im Gespräch mit unserem Medienhaus. „Wenn das Tempo so weiter geht, ist Weiherdorf in fünf Jahren zugebaut!“ Wichtig ist ihm, dass lediglich die Bebauung mit 80 Parzellen abgelehnt wird. Gegen 15 bis 20 Parzellen habe keiner etwas. Der Protest richte sich also nicht gegen die Grundstücksverkäufer.

In sehr engagierten und sachlichen Wortbeiträgen wurde bei der Gründungsversammlung klar gestellt, dass weder Art und Weise der Information durch die Stadt noch die Größe auf Zustimmung im kleinen Ortsteil treffen. Auch wenn sich die Stadt an bestehende Regularien gehalten hat, ist die Enttäuschung über die Informationspolitik doch riesig – das kam deutlich heraus. Es sei mehr als die Aufstellung eines „Toilettenhäuschens in einem Park.“ Die gewählten BI-Sprecher übergeben am Donnerstag eine Liste mit mehr als 150 Unterschriften an 2. Bürgermeister Robert Wutz.

Wutz: 3,6 Hektar schon Bauland

Der nahm auf Nachfrage der MZ nun Stellung: „Im seit 2004 gültigen Flächennutzungsplan ist in Weiherdorf eine Fläche von rund 3,6 Hektar als Wohnbaufläche ausgewiesen“, betonte der zweite Bürgermeister. „Mit der neuen Planung vergrößert sich die Fläche um 1,3 Hektar.“ Kernaufgaben des Stadtrats sei es, die Stadt positiv weiter zu entwickeln. Dazu gehöre auch die Schaffung neuer Wohnbauflächen. Der im Juli vom Stadtrat gefasste Aufstellungsbeschluss sei „der allererste Schritt in einer Bauleitplanung“. Im Rahmen des in Deutschland vorgeschriebenen Verfahrensgangs ist laut Wutz als nächstes die frühzeitige Beteiligung der Fachstellen und der Öffentlichkeit geplant.

Wenn das (voraussichtlich noch im September) geschehe, könne jeder zur Bauleitplanung Stellung nehmen. „Der Stadtrat muss sich im Nachgang mit allen geäußerten Belangen beschlussmäßig befassen. Anschließend erfolgt eine zweite Auslegung bei der erneut die Fachstellen und die Öffentlichkeit beteiligt werden“, sagte Wutz. Erst dann werde der Bebauungsplan rechtskräftig. Den erhobenen Vorwurf von mangelnder Beteiligung der Bürger könne er zum jetzigen Zeitpunkt aber „nicht nachvollziehen“.

Was bisher geschah …

  • Grundstückskauf:

    Die Firma Küblböck hat sich mit allen Grundstückseigentümern geeinigt. Nur wenige behalten auch Bauparzellen selbst – jedoch mit Bauverpflichtung. Dieses geplante Baugebiet „Weiherdorf“ umfasst damit eine Gesamtfläche von 4,9 Hektar.

  • Entwicklung:

    Etwa 1,5 Hektar davon sind im Flächennutzungsplan als Wohngebiet dargestellt; zudem am Graben 0,2 Hektar Grünland bzw. Wasserfläche. Der neu geplante Teilbereich umfasst 3,2 Hektar (bisher landwirtschaftlich genutzt bzw. Außenbereich), 1,9 Hektar Wohngebiet werden wieder Ackerland.

  • Anpassung:

    Deshalb ist für die neue Planung zwingend eine Änderung des derzeitigen Flächennutzungsplanes nötig. Diese ist für die neue Baulandausweisung parallel schon vor der Aufstellung des Bebauungsplanes für das Baugebiet „Weiherdorf“ durchzuführen.

  • Aufteilung:

    Das Gebiet wird in zwei Bauabschnitte unterteilt, die nacheinander umgesetzt werden sollen. Insgesamt sind dort 80 Parzellen vorgesehen, die alle mit einem freistehenden Einfamilienhaus oder Reihenhaus bebaubar sind. Die Flächen sind zwischen 300 und 750 Quadratmeter groß. (bat)

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