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Region Schwandorf
Sonntag, 17. Dezember 2017 4

Bildung

Individuelle Begabungen im Fokus

Die Neunburger Gregor-von-Scherr-Schule nimmt als einzige Oberpfälzer Realschule an einem Projekt zur Begabtenförderung teil.
Von Ralf Gohlke

Im Wahlfach Werken arbeiten Schüler mit „echten“ Auszubildenden eines Industrieunternehmens zusammen, was allen Vorteile bringt. Foto: Gohlke

Neunburg.Dass Deutschland in Sachen Schulbildung in einigen Bereichen im europäischen Vergleich nicht mithalten kann, beziehungsweise im Ranking oft hinter anderen Nationen rangiert, hat die Konferenz der Kultusminister zum Handeln gezwungen. Herausgekommen ist dabei eine gemeinsame Initiative von Bund und Ländern unter dem Leitsatz „Wir können mehr“. Bayernweit haben sich 47 Schulen aller Schularten um eine Teilnahme beworben, darunter auch die Neunburger Gregor-von-Scherr-Realschule.

Als eine von zehn Realschulen aus ganz Bayern und als einzige aus der Oberpfalz gehört sie nun zu denjenigen, die an diesem langfristig angelegten Projekt teilnehmen darf. Nach der Auszeichnung „MINT-freundliche Schule – Digitale Schule“ – als einzige Schule überhaupt in Bayern – ist dies nun ein weiterer Baustein für eine gezielte Weiterentwicklung des Schulstandorts Neunburg.

Mitgestaltung extra erwünscht

Auch beim kreativen Arbeiten an einer Collage, wie hier in der Wahlfachgruppe Kunst, wird der Teamgeist gefördert. Foto: Schmidberger

„Es war viele Jahre üblich, innerhalb der Schulen nur Spitzenleistungen und den entsprechend höherbegabten Schüler zu fördern“, erläuterte Rektorin Diana Schmidberger im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Davon weiche das Projekt jetzt grundlegend ab. Künftig solle der Fokus mehr auf die speziellen Begabungen der einzelnen Schüler gelegt und diese dann gezielt gefördert werden. Ziel sei damit also nicht die „klassische Hochbegabten-Förderung.“

Im Zuge des Projekts sei vorgesehen, dass die teilnehmenden Schulen Projekte mit dieser Zielsetzung erarbeiten, die dann einer wissenschaftlichen Prüfung unterzogen werden. Federführend sei dafür Prof. Dr. Gabriele Weigand von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Sie sei erst heuer für ein ähnlich gelagertes Projekt mit dem Bayerischen Staatspreis für Unterricht und Kultus ausgezeichnet worden. Geplant sei eine echte Zusammenarbeit mit Universitäten, die auf Gegenseitigkeit beruhe. Zudem seien Mitsprache und Mitgestaltung sogar extra erwünscht.

Die Kernmodule

  • Modul 1/Schulisches Leitbild:

    Aufbauend auf dem Schulentwicklungsprogramm ist geplant, die Lehrkräfte der 5. Klassen besser zu vernetzen. Eine digitale Zusammenarbeit und ein digitaler Austausch Einzelner findet bereits statt. Es sollen aber nicht nur die Lehrkräfte, sondern schließlich auch die Schüler zusammenarbeiten. Die Auflösung des Klassenverbands zugunsten begabungsorientierter Gruppen ist möglich.

  • Modul 2/Fördern und Fordern im Regelunterricht:

    Seit Jahren ist in der Gregor-von-Scherr-Schule das Fach „Lernen lernen“ etabliert. Die Schüler erfahren die Grundlagen selbstgesteuerten Lernens, erlangen Kenntnisse über Lerntypen, können ihre eigene Lernbiografie hinterfragen und ggf. Einstellungen ändern. Die Lehrkräfte unterstützen das nachhaltige Lernen in dem Fach, in dem sie Inhalte in die Praxis umsetzen.

  • Fakultatives Modul 4/Fördern und Fordern außerhalb des Regelunterrichts:

    Mebis (Internetportal des bayerischen Kultusministeriums) und OneNote (Microsoft Software, die den PC als eine Art digitalen Notizblock nutzt) sind mittlerweile Werkzeuge der täglichen Zusammenarbeit der Lehrer untereinander aber auch von Lehrern und Schülern. Bereits jetzt nutzen Lehrkräfte deren Möglichkeiten, wenn Schüler erkrankt oder Lehrer auf Fortbildung sind. Eine Ausweitung auf die Schüler ist sinnvoll und und jederzeit leicht möglich. Dazu ist erforderlich, dass alle Schüler im Umgang in der Technik unterwiesen und auch auf Gefahren und Risiken hingewiesen werden. Die Ausbildung von Medienscouts dafür ist bereits für das Ende dieses Schuljahres angedacht, sie sollten bereits im neuen Schuljahr im Einsatz sein.

„Das Grundkonzept für das neue Projekt ist bei uns in der Schule eigentlich schon vorhanden“, unterstrich Direktorin Schmidbgerger. Fördern und Fordern im Regelunterricht sei, im Gegensatz zu Ländern mit Gesamtschulen, in Bayern noch deutlich erkennbar. Allein schon mit den Talentgruppen sei an der Realschule Neunburg die Förderung hochbegabter Schüler seit einigen Jahren breitgefächert worden.

„Das Grundkonzept für das neue Projekt ist bei uns in der Schule eigentlich schon vorhanden.“

Direktorin Diana Schmidbgerger

Sie nannte Beispiele aus dem Sportbereich, die Arbeitsgruppe „Robotik“ oder die Wahlfächer Werken und Kunst, in denen Schüler ihre Stärken finden können. Dabei präsentierte sie einen kleinen Roboter, der mit Hilfe des LEGO-Systems „Mindstorms“ für einen Wettbewerb gebaut und programmiert wurde. Auch die Zusammenarbeit mit der Firma F.EE rechnet sie dazu. Schüler der 9. Klasse werde es zum Beispiel ermöglicht, Abläufe zu programmieren, die dann an einer realen, großen Maschine getestet werden können.

Neue Perspektiven zur Berufswahl

Einen grundsätzlichen Wandel habe es unter anderem in der Unterrichtsgestaltung von Biologie, Chemie und Physik gegeben: Die Schüler würden durch den soggenannten Micro-Scan in die Lage versetzt, Experimente selbst auszuführen. „Mit der MINT-Aktion haben wir deutlich gemacht, dass wir die Zeichen der Zeit erkannt haben“, stellte Schmidberger fest. Ziel sei es, dass jeder Absolvent die Schule mit digitalen Grundkenntnissen verließe.

Lesen Sie auch: Markus Ziereis vom SSV Jahn Regensburg war selbst einmal Schüler an der Gregor-von-Scherr-Realschule in Neunburg. Die Klasse 6d hat ihn interviewt.

Künftig solle der Begriff der Hochbegabung noch breiter gefächert und die soziale Begabung sowie kreative Kompetenzen mit einbezogen werden. „Der Mittelstand kommt nicht vom Gymnasium, weshalb es gerade darum geht, auch den kreativen Bastler zu fördern“, ist sie sicher. Durch das Entdecken besonderer Begabungen ergäben sich auch völlig neue Perspektiven für die Berufswahl. Dies sei eine Aufgabe für die Schulen, denn nichts sei schlimmer, als einen Beruf ausüben zu müssen, den man nicht gerne mache.

Nach einer Auftaktveranstaltung für die beteiligten Schulen in Dillingen erwartet Diana Schmidberger nun den offiziellen Projektstart, der voraussichtlich für Januar in Berlin geplant sei. Dort sollen auch Details für die Arbeit genannt werden.

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