mz_logo

Region Schwandorf
Montag, 18. Dezember 2017 3

Lokalpolitik

Irlsteg: Provisorium ist gestorben

Die Burglengenfelder Räte verwerfen die Idee, bis zum Neubau die Überführung zu den Naabauen ein weiteres Mal zu ertüchtigen.
Von Thomas Rieke

Brückenplaner Dipl.-Ing. Klaus Schwan diskutiert mit Bürgermeister Thomas Gesche noch einmal über die Schwachstellen des Stegs am Irl, der 2018 neu gebaut werden soll. Provisorium wird es bis dahin keines geben, entschied der Stadtrat am Mittwoch. Foto: Rieke

Burglengenfeld.Die für viele überraschende Wende kam, als SPD-Fraktionssprecher Sebastian Bösl um eine fünfminütige Unterbrechung bat, um mit seinen Kollegen ein Detail zu besprechen: Wie lange sollte das für den maroden Steg am Irl geplante Provisorium dienen? Nur bis Mai 2018 – oder nicht doch besser bis zur Fertigstellung der neuen Brücke im August? Der Kostenunterschied hätte sich auf mehrere zehntausend Euro belaufen.

Doch zu einer Abstimmung darüber kam es am Mittwoch in der jüngsten Ratssitzung gar nicht mehr. Auch die CSU nutzte nämlich die Pause und war nach kurzer Debatte über die Fraktionsgrenzen hinweg zu der Überzeugung gekommen, dass der Beschlussvorschlag komplett umgeschrieben werden sollte. Die Neufassung, die überhaupt kein Provisorium vorsieht, wurde bei vier Gegenstimmen (BWG) beschlossen.

Bürger haben sich arrangiert

Die Mehrheit der Räte war also letztlich der Meinung, dass die Ausgaben für einen Behelf in keinem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen stehen würden. Im Winter sei der Steg sowieso nicht so stark frequentiert, und die allermeisten Bürger hätten sich an den Umweg, den die Sperrung seit September mit sich bringt, längst gewöhnt. Eine simple Holzkonstruktion auf dem kaputten Bauwerk zur nochmaligen Ertüchtigung hätte zwar „nur“ rund 8000 Euro gekostet und wäre schon in Kürze realisierbar gewesen; sie hätte aber schon im Mai wieder beseitigt werden müssen. Die weiterreichenden Vorschläge (Spezialgerüste neben dem Bestand) wären richtig teuer geworden. Die Angebote beliefen sich auf 36000 bzw. fast 52000 Euro.

Dieses Geld also wollten die Räte sparen. Gebraucht wird es ohnehin dringend für den Neubau des Stegs, der, wie wir am 28. Oktober berichteten, als nicht befahrbare Variante jetzt mit 345000 Euro (inklusive Nebenkosten) veranschlagt ist. Das ist deutlich mehr als ursprünglich gedacht und bereitete den Räten quer durch alle Fraktionen Kopfzerbrechen. Immer wieder wurden sie, wie beispielsweise CSU-Fraktionschef Michael Schaller berichtet, von Bürgern mit der Frage konfrontiert, ob es die Stadtväter wirklich verantworten wollten, für einen simplen Steg so viel Geld auszugeben.

Bei einer weiteren Überprüfung des Stegs traten heuer solche Schäden zutage. Foto: Stadtverwaltung

Umso wichtiger waren vermutlich die Erklärungen des Brückenplaners. Diplom-Ingenieur Klaus Schwan nahm sich erneut viel Zeit, um nicht nur die bis in die 1910er Jahre zurückreichende Historie des alten Stegs zu skizzieren und die massiven Schäden, die die Sperrung erforderlich machten, zu veranschaulichen. Er beschrieb auch die vorgesehene Bauweise der neuen Brücke bis ins Detail, erklärte Vor- und Nachteile verschiedener Materialien und vor allem auch, warum die Kosten nach oben korrigiert werden mussten.

Knackpunkt ist die Gründung. Sie ist mit relativ hohem Aufwand verbunden. „Schon um die Baustelle einzurichten, muss man Geld in die Hand nehmen. Und sie müssen mit großem Gerät rein“, veranschaulichte Schwan die Situation. Die Frage, ob der Neubau nicht trotzdem günstiger zu realisieren wäre, beantwortete der Ingenieur mit einem klaren Nein: „Ich sehe keine preiswertere Lösung“. Die Vorgelegte sei die optimierte.

Ein 3-D-Modell vom neuen Steg Quelle: Preihsl + Schwan Beraten und Planen GmbH

Neben Dr. Christina Bernet (Bürgerforum) weigerten sich bis zuletzt die Räte der BWG-Fraktion, die Kosten zu akzeptieren. Theo Lorenz hält sie unverändert für „viel zu hoch“. Als Bürgermeister Thomas Gesche daraufhin von ihm wissen wollte, welchen Alternativvorschlag er bieten könne, kam allerdings keine Antwort.

Gesche war es auch, der zum Auftakt der Debatte um diesen Tagesordnungspunkt noch einmal daran erinnerte, dass unmittelbar nach der Stegsperrung das Gerücht kursierte, die Maßnahme sei nur inszeniert worden, um gegenüber den Bürgern die Kosten für einen Neubau besser rechtfertigen zu können. Wer solche „böswilligen Behauptungen“ weiter in die Welt setze, müsse mit Konsequenzen rechnen, sagte Gesche. „Vielleicht siegt aber auch die Vernunft.“

Schnelleres Internet ab Dezember?

Mehrere Hundert Haushalte warten in Pottenstetten und Pilsheim auf die Freigabe der neuen „Datenautobahn“. Foto: Archiv

Karl Deschl (Freie Wähler Land) erkundigte sich zum wiederholten Male, weshalb die Bewohner von Pottenstetten und Pilsheim noch immer auf bessere Internetanschlüsse warten müssten. Im April 2016 war diesbezüglich mit der Amplus AG ein Vertrag unterzeichnet worden; im Februar 2017 hätte die Maßnahme abgeschlossen sein sollen. Dass die sehnlichst erwartete Datenautobahn noch immer nicht frei ist, „können die Bürger nicht verstehen“, sagte Deschl.

Der Stadtverwaltung gehe es nicht anders, sagte Bürgermeister Gesche und verwies auf eine Stellungnahme des Teisnacher Breitbandunternehmens, die am 8. November im Rathaus eingetroffen ist. Darin kündigt ein Kommunalbetreuer an, „Anfang Dezember“ sei mit der Inbetriebnahme des Netzes zu rechnen. Nichtsdestotrotz werde die Stadt Schadenersatz fordern, kündigte Gesche an. Das heißt: Die Stadt wird versuchen, eine Vertragsstrafe geltend zu machen.

Der MZ liegen Auszüge aus dem jüngsten Schreiben der Amplus AG an die Stadtverwaltung vor:

Mehr Nachrichten aus Burglengenfeld lesen Sie hier:

Das neue Bauwerk

  • Sachstand:

    Diplom-Ingenieur Klaus Schwan hat den Burglengenfelder Stadträten Pläne für eine Dreifeldbrücke mit zwei Mittelpfeilern vorgelegt. Der Steg am Irl hat eine Länge von 40 Metern und soll auch künftig ausschließlich Fußgängern dienen. Deshalb entschieden sich die Räte für eine Breite (zwischen den Geländern)von nur 1,80 Metern.

  • Ausführung:

    Beim Material setzt Schwan auf eine „Symbiose aus Holz und Stahl“. Die Brücke habe eine Lebenserwartung von 100 Jahren; nur alle 30 Jahre stehe eine Wartung an. Die Fertigstellung ist für August 2018 vorgesehen. Die Kosten: 345 000 Euro.

  • Sonstiges:

    Die Stadtwerke möchten ferner eine Furt anlegen. Über sie sollen die am Irl gefällten Bäume abtransportiert werden. Aktuell liegen die Pläne zur Prüfung beim Wasserwirtschaftsamt und bei der Kreisbehörde. Die Kosten belaufen sich nach Informationen der MZ auf rund 10 000 Euro. (ht)

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht