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Region Schwandorf
Donnerstag, 29. September 2016 22° 2

Wald

Jagdgegner halten sich bislang zurück

Nach Gerichtsurteilen können Gegner der Jagd das Halali auf eigenen Grundstücken untersagen. Im Landkreis Schwandorf gibt es gerade mal einen Fall.
Von Hubert Heinzl

Im Landkreis Schwandorf ist die Welt für die Jäger noch in Ordnung. Foto: dpa

Landkreis.Im Bayerischen Jagdverband herrscht helle Aufregung. Seit einem Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichts vom Februar dieses Jahres können Grundstückseigentümer „aus ethischen Gründen“ ablehnen, dass auf ihrem Besitz gejagt wird. Rückenwind bekommt die Entscheidung auch durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, der 2012 verfügte, dass die Zwangsmitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft für „ethische Jagdgegner eine unzumutbare Belastung“ darstelle.

Wird jetzt eine 160 Jahre lang gebräuchliche Praxis von Juristen ausgehebelt? Droht ein Fleckerlteppich in den Wäldern, der eine effektive Bejagung unmöglich macht? Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbands, sieht das gesamte deutsche Reviersystem in Gefahr, sollte sich aus einzelnen Klägern eine Bewegung der Jagdgegner entwickeln.

Bei der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt Schwandorf hält man den Ball dagegen eher flach. Bisher gab es laut Pressesprecher Franz Pfeffer genau einen Antrag, der auch noch zurückgestellt werden musste, weil die gesetzlichen Grundlagen noch fehlen. „Das Gesetz liegt noch beim Bundespräsidenten, und auch die konkrete Ausgestaltung fehlt bisher“, so Pfeffer.

Wer sich konkret gegen die Jagd auf seinem Privatbesitz ausgesprochen hat, verrät der Pressesprecher aus prinzipiellen Gründen nicht. Nach seinen Worten handelt es sich um eine „kleinere private Fläche“.

Eine regelrechte Massenbewegung ist laut Pfeffer nicht zu erwarten, und auch Kreisjagdberater Herbert Krauthann glaubt nicht, dass solche und ähnliche Klagen in der Praxis über Einzelfälle hinausgehen. In den Jagdgenossenschaften sei das Thema nicht virulent, auf die Jagd werde es „keine großen Auswirkungen“ haben. Franz Pfeffer formuliert es so: „Geschützte Flächen, in denen die Jagd verboten ist, werden nicht über Nacht zum Rückzugsgebiet für das Wild. Die Wirklichkeit sieht anders aus.“

Für problematisch halten Fachleute und Behördenvertreter allerdings die Frage nach den „ethischen Gründen“. Für Franz Pfeffer besteht die Gefahr, dass unter dem Deckmantel ethischer Gründe Privatstreitigkeiten ausgetragen werden. Die Ethik-Diskussion erinnert ihn an die Zeit, als man den Dienst mit der Waffe noch aus Gewissensgründen verweigern konnte. Schon damals tat man sich schwer mit der Überprüfung. „Was sind Gewissensgründe, und wie sollen sie beurteilt werden?“, fragt der Pressesprecher.

Vielleicht ist ja den Ausführungsbestimmungen für das neue Jagdgesetz Näheres zu entnehmen.

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