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Region Schwandorf
Samstag, 22. Juli 2017 28° 2

Kampfgänse und rote Schafe in Neusath

„Tag der seltenen Haustierrassen“ lockte 1200 Besucher ins Oberpfälzer Freilandmuseum

  • Distanz war bei den angriffslustigen Steinbacher Gänsen (li) angeraten, zum Anfassen war der gefilzte Teppich (re).

Das Wetter hätte besser sein können. So kamen am Sonntag und Montag nicht soviele Besucher wie sonst ins Museum, um sich neben den museumseigenen Tieren (Schwäbisch Hällisches Schwein, Düppeler Weideschwein, Wollschwein, Vogtländer Rotvieh, Pinzgauer Rind) etwa 50 verschiedene ausgestellte Haustierrassen - Pferde, Ziegen, Schafe, Kaninchen und jede Menge Geflügel - einmal live anzusehen und nicht zuletzt „exklusive“ Informationen von den Züchtern selbst zu bekommen. Informationen über den Ursprung der einzelnen Rassen, über deren Fell-, Fleisch- und Milchqualitäten und über Besonderheiten, etwa ob die Rasse als extrem (Bestand im Bundesgebiet unter 500 Stück), stark (unter 1000 Stück) oder als gefährdet (unter 5000 Stück) gilt.

Der Trend hin zur Zucht schwerer Rassen brachte deutliche Qualitätsverluste mit sich, erfuhren die Gäste. „Schnell herangewachsenes Fleisch ist weniger haltbar und schmeckt auch nicht so gut“, berichtete Züchter Johann Glossner aus Neumarkt, der allein mit zehn Schaf- sowie diversen Ziegenrassen vertreten war und durch den Rundgang führte. Im „Gepäck“ hatte er unter anderem die „Weiße gehörnte Heidschnucke“ (extrem gefährdet), deren Fleisch als besonders zart und wildbretartig gilt. Ein Blickfang waren auch die „Jakobsschafe“ aus Großbritannien, die bis zu sechs Hörner haben können.

An Pferden sah man neben „Liesl“ und „Fritz“, den hiesigen süddeutschen Kaltblütern die seltenen „Huzulen“ (ausdauernde Wanderreitpferde aus den Karpaten) und osteuropäische „Koniks“ (Arbeits- und Freizeitspferde), die noch vor 200 Jahren als jagdbares Wild galten.

Kurioses gab es auch im Bereich Geflügel zu sehen: Die „Steinbacher Kampfgans“, die ihrem Namen alle Ehre macht, geht nicht nur auf ihre Artgenossen, sondern auch auf Menschen los - und so ein männlicher Kampfganter wird immerhin bis zu sieben Kilogramm schwer. Mit bis zu zwölf Kilogramm noch größer wird die „Emdener Gans“, die für Laien eigentlich „ganz normal“ aussieht, für den Experten aber eindeutig an ihrem langen gebogenen Schwanenhals erkennbar ist. Bei den „bayerischen Landgänsen“ ist vor allem des Ganters Verhalten recht anrührend: Er beteiligt sich nicht nur aufopferungsvoll an der Brut und Aufzucht, sondern ist seinen Damen (meist sind es zwei) auch treu, wie die Besitzerin Angelika Neugebauer versicherte.

„Westfälischer Totleger“, heißt eine Hühnerrasse ihrer enormen Legeleistung mit 180 bis 220 Eiern pro Jahr wegen - die Hühner legen sich sprichwörtlich „zu Tode“. Das Zwergseidenhuhn fällt nicht nur durch ihr sehr apartes Federkleid auf, sondern trägt darunter eine blaue Haut. Sehr groß ist die Bandbreite beim Gewicht der Hühner, das sich zwischen 300 Gramm und sechs Kilogramm bewegt. Und als Faustregel gilt: Die kleinsten Hühner legen die (verhältnismäßig) größten Eier.

Noch mal „eine Nummer kleiner“ waren die „Fränkische Trommeltaube“, der akrobatische „Elsterpurzler“ und die seltene „Startaube“. eine großen Artenvielfalt präsentierten auch die Kaninchenzüchter, die mit verschiedenfarbigen „Meißner Widdern“ und kuscheligen „Angora-Kaninchen“ (beide extrem gefährdet) vertreten waren.

Informationen gab es zum Tännesberger „Rebhuhn-Projekt“ und zum „Pilotprojekt Rotvieh“. Auch den Kindern ist es nicht langweilig geworden: Sie lernten in einem kleinen Streichelgehege „den richtigen Umgang mit Tieren“, außerdem durften sie beim Filzen einer großen Decke mithelfen, die noch am Sonntag versteigert wurde.

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