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Region Schwandorf
Montag, 23. Oktober 2017 4

Konflikt

Kiesabbau stößt auf große Ablehnung

Die Firma Naabkies will bei Wölsendorf 60 000 Tonnen jährlich aus dem Boden holen. Die Anwohner wehren sich dagegen.
Von Renate Ahrens

  • Rund 60 000 Tonnen pro Jahr will Naabkies bei Wölsendorf abbauen. Foto: dpa/Archiv
  • Joachim Schießl (rechts) übergibt an Bürgermeister Hans Gradl eine Unterschriftenliste. 125 Bürger setzen sich hier gegen den geplanten Kiesabbau ein. Foto: Ahrens

Schwarzach.Die Entschlossenheit war deutlich zu spüren unter den Schwarzacher Gemeinderäten ihrer jüngsten Sitzung, in der der umstrittene Kiesabbau bei Wölsendorf behandelt wurde. Alle rechtlichen Schritte werde man notfalls gegen das geplante Vorhaben der Firma Naabkies nördlich von Brensdorf einleiten, so die einhellige Meinung der zwölf Räte (alle parteilos) bei der Stellungnahme zum Raumordnungsverfahren.

Naabkies betreibt bereits das Abbaugebiet südlich von Schwarzenfeld zur Rohstoffversorgung des Betonwerks Godelmann. Nur eine Handvoll Zuhörer hatten sich eingefunden, so, als ob die Entscheidung des Gremiums keine Frage sei – und das war sie letztendlich auch nicht. Einstimmig wandte man sich gegen das Vorhaben, zu groß waren die Bedenken wegen des hohen Verkehrsaufkommens zur bereits vorhandenen Sortieranlage südöstlich von Schwarzenfeld.

Der Naturschutz gehe vor, und eine Etablierung von Freizeiteinrichtungen, also der zwei Baggerseen, die durch den Abbau entstehen würden, sei nicht vorgesehen. Das westlich des Abbauvorhabens liegende Wasserschutzgebiet werde nicht beeinträchtigt, so ergab nun ein Gutachten. Das bisher schlagkräftigste Argument, dass also der Kiesabbau nicht mit dem Zielen des Grund- und Trinkwasserschutzes im Markt Schwarzenfeld vereinbar ist, sei somit entkräftet.

Dem Naturschutz solle aber Vorrang eingeräumt werden und hier bestehen vor allem Zweifel an Zahlen, die der Gemeinde vorgelegt wurden. „Bei vielen Passagen der Berechnungen der Firma Naabkies kam ich mir veräppelt vor. Eine Lkw-Fahrt pro Stunde ist unrealistisch“, erklärte dritter Bürgermeister Franz Hermann, der auch die Bürgerversammlung am Freitag moderiert hatte. Eine „harte Nuss“ gebe es zu knacken, so Bürgermeister Hans Gradl, und eine hochemotionale Infoveranstaltung sei das gewesen.

Aber schließlich gehe es um die Lebensqualität der Bürger, die die Durchfahrten der Lastwagen rund 29 Jahre lang ertragen müssten. So lange dürfte der Lagerstättenvorrat reichen, der in sechs bis sieben Metern Tiefe liegt. „Wenn wir von 600 Tonnen am Tag statt der angegebenen 300 ausgehen - was auch erlaubt wäre, sind das 24 volle und 24 leere Lkw am Tag. Das wären bei neun Stunden am Tag fünf Fahrten pro Stunde“, rechnete Hermann vor. „Wir sollten jetzt nicht diskutierten, bei welcher Zahl wir dagegen sind“, mahnte Georg Mayer, und Hermann bemerkte: „Die Zahlen werden halt auch schöngeschrieben.“ Mit 40 Tonnen seien die Laster schwer beladen und würden für viele Beeinträchtigungen sorgen, sagte Hermann und erläuterte die Gefahrenpunkte und Engstellen, die die Lastwagen zu passieren hätten. Auf der rund sechs Kilometer langen Strecke gebe es zum Teil keinen Gehweg, oft sei die Straße aber auch so schmal, dass Fahrzeuge schon jetzt ein Stück auf den Gehweg ausweichen würden. Wie sollte man da noch Schulkinder auf diesen Weg schicken?

Einmal würden sich auch vier Radwege genau an der Strecke kreuzen. Das Gefährdungspotenzial sei an vielen Stellen zu hoch, so auch bei Stulln, wo gar nach einer Kurve der Gehweg endet oder in der Kirchstraße, wo sich eine enge, vielbenutzte Hofeinfahrt befinde. Der Kiesstaub würde Haus und Hof verwüsten, so Hermann, ganz zu schweigen von der Lärm- und Stickoxidbelästigung. „Die Emission von der A93 reicht“, so fand er deutliche Worte. „Gemeindeverbindungsstraßen sind doch nicht für Schwerlastverkehr ausgelegt. Die Firma Naabkies zahle nichts für kaputte Straßen, so die Aussage von Herrn Godelmann. Er würde schon mehrere Millionen Euro Steuern im Jahr zahlen“, empörte sich Hermann und die Räte stimmten ihm zu.

Für den Unterhalt dieser Straßen seien schließlich die Gemeinden zuständig, gab Richard Böckl zu bedenken und fragte: „Sind wir eigentlich befugt, Verbotsschilder aufzustellen?“ Das müsse geklärt werden. Hermann appellierte: Godelmann solle Alternativen suchen. „Innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft wird die Verantwortung auf uns geschoben. Das ist nicht gut. Wir sollten gemeinsam Lösungen finden“, kritisierte Joachim Schießl. Man müsse die gesamte Verwaltungsgemeinschaft mit ins Boot holen, bekräftigte auch Hermann.

Bereits heute findet eine Marktratssitzung statt. Alternativen haben die Schwarzacher längst gefunden, wenn auch keine optimalen, zum Beispiel die Abfuhr nach Westen, also Richtung Gsaates Hölzl, oder Richtung Süden über Hüttenbach nach Schwarzenfeld. Zu erwägen sei auch eine Förderbandlösung zur Kläranlage, aber hier sei wenig Platz. Oder man weiche auf die Bahnunterführung nördlich von Brensdorf aus, wobei diese nur 3,50 Meter hoch sei. „Zum Glück sind wir nicht alternativlos. Das ist sehr wertvoll“, erklärte Grabinger. Das sahen die Räte auch so und Gradl bekräftigte: „Wir werden den Abbau nicht verhindern können, aber wir werden alles tun, um den Transport zu verhindern.“

Umstrittener Transportweg

  • Ein Raumordnungsverfahren

    ist die Vorstufe zum Genehmigungsverfahren und soll Nutzungskonflikte erkennen und Lösungsmöglichkeiten aufzeigen. Beantragt wurde von der Firma Naabkies der Kiesabbau bei Brensdorf. Auf einer Fläche von 23 Hektar soll nach der Genehmigung rund 29 Jahre lang Kies abgebaut werden, maximal 60 000 Tonnen pro Jahr. Die Schwarzacher bezweifeln die Zahlen und gehen von mehr als den veranschlagten zwölf Lkw am Tag aus.

  • Grund für die Empörung

    der Schwarzacher Anwohner ist der Transportweg für den abgebauten Kies. Er würde rund sechs Kilometer über fünf Brücken durch Wölsendorf, Pretzabruck und Schwarzenfeld zur Sortieranlage nach Deiselkühn führen. Mit dem Vorhaben werde in eine weiträumige Kulturlandschaft eingegriffen. Der zu erwartende Lkw-Verkehr durch die vielen Engstellen würde die Sicherheit beeinträchtigen und Emissionen von Lärm und Stickoxid verursachen.

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