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Region Schwandorf
Dienstag, 16. Januar 2018 7

Hobby

Kirchlein krönt das Lebenswerk

Georg Wild aus Taxöldern ist ein versierter Krippenbauer. Mit dem Nachbau der Dorfkirche hat er sein Meisterstück geliefert.
Von Renate Ahrens

Als Kapelle ziert die Taxölderner Kirche zurzeit noch die Krippe von Georg Wild. Foto: Ahrens

BODENWÖHR.Heimelig flackert das Lagerfeuer. Hirten, Ziegen und Schafe haben sich darum versammelt. Wie echt sieht es in der Weihnachtskrippe von Georg Wild aus. Sogar ein originalgetreuer Nachbau der Taxölderner Kirche ziert die Szene. Immer wieder entdeckt man beim Betrachten neue Details – in einem Toilettenhäuschen sieht man gar einen Hirten sitzen, denn die Tür mit dem Herz steht offen.

Der 81-Jährige schmunzelt. Diese Figur hatte er einmal beim Nürnberger Christkindlesmarkt entdeckt, wie er erzählt. Im Gegensatz zu allen anderen Figuren sei sie aber nicht handgeschnitzt, und darauf legt Wild sonst großen Wert.

Mit 60 ging es erst richtig los

Als der Taxölderner mit 60 Jahren in Rente ging, freute er sich auf seinen Ruhestand, denn endlich hatte er Zeit für Hobbys. Nach Schließung der Hüttenwerke, wo er lange gearbeitet hatte, war er zum Schlosser umgeschult worden – mit Holzschnitzen hatte sein Beruf also nichts zu tun. Doch mit der Natur beschäftigt sich Wild schon immer gerne. An der Wand in seinem Esszimmer hängen viele Auszeichnungen für seinen schön gestalteten Garten. „Balkonblumen haben die Leute heute ja immer weniger“, seufzt Wild und zeigt Fotos von seinen üppig blühenden Beeten und Kästen. Doch kaum ist im Herbst die letzte Arbeit verrichtet, kann er es kaum erwarten, im Keller wieder mit dem Krippenbauen anzufangen.

Die Taxölderner Kirche ziert als maßstabsgerechter Nachbau heute die Krippe von Familie Wild. Foto: Ahrens

Schon als Jugendlicher, so erinnert sich der Rentner, habe er kleine Krippen aus Stroh gebastelt und viel später einem Holzschnitzer bei seiner Arbeit zugeschaut – und war begeistert. „Er machte alpenländische Krippen, und da wusste ich: Solche will ich auch bauen.“ Denn mit Kamelen in einer Krippe könne er nichts anfangen, sagt er, und schüttelt den Kopf. Doch welche Materialien verwendet man dafür? Obstkisten eignen sich am besten für den Stall, diese Erfahrung machte er schnell. „Aus Buche müssen sie sein und eine bestimmte Stärke haben, das ist sehr wichtig“, betont der 81-Jährige.

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Doch leider, so sagt er betrübt, bekäme man solche Kisten immer seltener. Immer wieder ist er bei Supermärkten und Obsthändlern der Umgebung auf der Suche danach, denn einfach im Baumarkt kaufen könne man diese Obstkisten nicht. Daraus entsteht der „Rohbau“ für die Krippe. Wenn dieser fertig ist, wird das Holz geschliffen, gebeizt und erneut geschliffen – alt müsse die Krippe wirken, wie eine Scheune eben so aussieht, mit Schornstein, verputzten Wänden und Sprossenfenstern.

Viele Jahre lang, so erzählt Wild, habe er Krippen auf Vorrat gebaut und sie verkauft, inzwischen macht er sie ausschließlich auf Bestellung. „Und nur für Leute, die so etwas schätzen“, betont er. Die Jungen, so bemerkt er traurig, würden darauf meist gar keinen Wert mehr legen und billige, maschinell gefertigte Krippen kaufen. Ungefähr 35 Krippen seien so im Laufe der Zeit entstanden, komplett mit Beleuchtung und allem Zubehör.

Die Krippe

  • Familie Wild

    erfreut sich an der Krippe noch bis Maria Lichtmess am 2. Februar. Dieser Tag bildet 40 Tage nach Weihnachten den Abschluss der weihnachtlichen Festlichkeiten. Für die Bauern begann früher an Maria Lichtmess wieder die Arbeit nach der Winterpause.

  • Die Taxölderner Kirche „St. Johannes der Täufer“

    ist das einzige Wahrzeichen des Bodenwöhrer Ortsteils. Die mächtigen Gemäuer um die Kirchenanlage weisen laut Pfarrei auf eine lange und bewegte Geschichte der Kirche zurück. Das genaue Entstehungsjahr ist unbekannt. Sehr wahrscheinlich wurde die Kirche zunächst als Schlosskapelle errichtet, die zum kurfürstlichen Jagdschloss neben der Kirche gehörte. Nach einer Innen- und Außenrenovierung in den Jahren 2005 und 2006 präsentiert sich die Kirche als Schmuckstück des Ortes. Georg Wild hat diese Kirche originalgetreu und maßstabsgerecht nachgebaut, bis hin zur Farbe.

Ganz genau wisse er noch, wo jede Einzelne steht. „Sie herzugeben fällt immer sehr schwer. Jede ist anders, jede ist ein Unikat“, erklärt er. Und je kleiner die Krippe sei, desto schwieriger sei sie zu bauen. Seine eigene, zwei Quadratmeter große Krippe – sein ganzer Stolz – steht noch bis zu Maria Lichtmess am 2. Februar in seinem Esszimmer. „Erst dann endet die Weihnachtszeit.“

Sogar ein selbstgebautes Toilettenhäuschen ist vorhanden – ein Hirte sitzt gerade darin. Foto: Ahrens

Vier Generationen erfreuen sich inzwischen bei den Wilds daran. Jedes Jahr wird die Szene mit den Figuren etwas anders gestaltet; immer wieder kommt etwas Neues dazu, wie etwa das Taubenhaus, dessen Öffnungen für die winzigen Taubenfiguren und die anderen Details Wild mühsam mit der Pinzette gebaut hat, oder auch der Schäferwagen und die winzige Schubkarre mit der beweglichen Achse. Als Kater Felix noch lebte, so lacht Wild, habe er sich manchmal zwischen die Figuren gesetzt, ganz vorsichtig. Denn das Wichtigste in einer Krippe ist natürlich die Heilige Familie.

Figuren aus dem Grödnertal

Zu seinem 65. Geburtstag, so erzählt der Krippenbauer, habe er sich ausschließlich handgeschnitzte Krippenfiguren aus dem Grödnertal gewünscht. Nach und nach hat Wild die Heiligen Drei Könige, Ziegen, Engel oder Hühner dazu gekauft. Das Moos als Untergrund holt Wild frisch aus dem Wald, doch das ganze Jahr hält er die Augen offen und sammelt Stroh, Steine, Flechten, Stöckchen oder Wurzeln als Dekoration. Vor zwei Jahren ist schließlich etwas ganz Besonderes hinzugekommen: ein originalgetreuer, maßstabsgerechter Nachbau der Taxölderner Kirche St. Johannes

Die Krippe ist Hans Wilds ganzer Stolz. Foto: Ahrens

Lange hat Wild daran gebaut. „Sie soll meine Verbundenheit zum Dorf widerspiegeln“, erklärt er. Viele Male sei er dazu vor der echten Kirche mit dem Zwiebelturm gestanden, habe Maß genommen und alles dokumentiert. Denn Pläne vom Gebäude gäbe es nicht mehr. „Alles musste schließlich proportional stimmen“, sagt Wild. Natürlich steht das Kirchlein, das jetzt noch neben der Krippe als Kapelle auf einer Anhöhe thront, das ganze Jahr über bei den Wilds im Wohnzimmer. Sogar die winzige Eichentür sieht wie im Original aus, und als Kirchturmuhr hat Wild das Zifferblatt einer alten Armbanduhr seiner Frau Barbara angebracht.

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