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Gesundheit

Klinik schreibt noch immer rote Zahlen

Die Umstrukturierung der Asklepios-Klinik in Burglengenfeld ist laut dem Geschäftsführer notwendig. Kritik wird gegen die Abfindungsangebote laut.
Von André Baumgarten

Die Asklepios-Klinik in Burglengenfeld will sich mit einer Umstrukturierung für die Zukunft wappnen.

Burglengenfeld. Mehr als 120 Mitarbeiter des Burglengenfelder Krankenhauses haben von Asklepios ein Abfindungsangebot erhalten. Wer dazu bereit ist, bis 10. November freiwillig eine Aufhebungsvereinbarung (liegt der MZ vor) zu unterzeichnen, erhält demnach einen Pauschalbetrag von 5000 Euro, der aber noch versteuert werden muss. Betriebsratsvorsitzender Peter Fleischmann kritisierte dieses Vorgehen, zumal die Verhandlungen über einen Sozialplan erst am 10. November beginnen. Rechtlich sei das Vorgehen aber wohl zulässig.

Asklepios-Geschäftsführer Andrej Synnatzschke bestätigte im Gespräch mit der MZ den Versand der Abfindungsangebote. Die Kritik des Betriebsrats kann er nicht nachvollziehen. „So gehen wir am 10. November mit konkreten Zahlen in die Verhandlungen für den Sozialplan.“ Mitarbeiter, die sich beruflich verändern wollen, bekämen dadurch einen Anreiz geboten. „Zudem schützt das andere Mitarbeiter, die dann bei uns bleiben können“, betonte er. „Wir wollen nicht betriebsbedingt kündigen.“ Mitte Oktober hatte Asklepios die Umstrukturierungspläne für die Klinik in Burglengenfeld bekanntgegeben.

Geht es nur um die „reine Weste“?

Der Betriebsratsvorsitzende sieht das anders: „Es geht darum, Mitarbeiter zur einvernehmlichen Kündigung zu bewegen“, sagte Fleischmann. Viele Kollegen empfänden es eigentlich als Skandal, nach zehn oder auch 20 Jahren mit 5000 Euro abgespeist zu werden. Für „kurzentschlossene“ Angestellte wird zudem eine weitere Prämie angeboten: Wer sich bis 30. Oktober entscheidet, erhält zusätzlich 3000 Euro, bis 4. November gibt es 2000 Euro und bis 7. November 1000 Euro. „Das ist für langfristig Beschäftigte kein wirkliches Angebot“, machte der Betriebsratsvorsitzende im Gespräch mit der MZ deutlich.

Interessant sei dieses Angebot nur für Mitarbeiter, die sich ohnehin bereits nach einem anderen Arbeitgeber umschauen. Oder diejenigen, die erst kurz bei Asklepios arbeiten, betonte Fleischmann. Dennoch sollten auch diese Kollegen unbedingt erst Rücksprache mit dem Betriebsrat halten. „Wir begleiten jeden auf seinen Weg“, versicherte er. Dem Konzern gehe es dabei nur um die „reine Weste“, dies ohne betriebsbedingte Kündigungen abzuwickeln. „Das halte ich nicht für umsetzbar“, sagte Fleischmann.

Konkurrenz für Geriatrie zu groß

Neben den Abfindungen will Asklepios laut Synnatzschke alle Möglichkeiten nutzen: Die bevorzugt interne Besetzung frei werdender Stellen in Burglengenfeld gehöre dazu. Vorgezogener Ruhestand, Weiterbildungen sowie Umzugsbeihilfen wären zudem denkbar. Die Mitarbeiter würden bei der Suche nach neuen Stellen unterstützt – nicht nur bei Asklepios, sondern auch anderen Kliniken in der Region. „Erste Gespräch dazu laufen“, sagte der Geschäftsführer.

Warum aber der harte Schnitt und die Schließung der Geriatrie? „Die Abteilung war durchwegs defizitär“, sagte Synnatzschke. „Die Auslastung war unsere Problem.“ Und das seit die 35 Plätze von Oberviechtach nach Burglengenfeld verlegt wurden. Die „kritische Größe“ sei mit 30 Betten nie erreicht worden; die nötigen Strukturen mussten dennoch vorgehalten werden. Die in den vergangenen Jahren immens gewachsene Konkurrenzsituation vor allem in Regensburg habe ihr Übriges dazu beigetragen.

Schließung „definitiv“ kein Thema

Tatsache ist: Die Asklepios-Klinik in Burglengenfeld schreibt auch im vierten Jahr nach der Übernahme rote Zahlen. „Deutlich negativ“, wie Andrej Synnatzschke auf Nachfrage bestätigte. Man sei aber auf einem sehr guten Weg – „die Richtung stimmt“. Gerüchten, dass die Umstrukturierung der erste Schritt zur Schließung sei, tritt der Geschäftsführer vehement entgegen. „Das hat definitiv keiner vor.“ Die in Kürze beginnende Generalsanierung wäre sonst Unsinn.

Immerhin würden rund 40 Millionen Euro investiert, wofür vom Freistaat rund ein Viertel an Fördermitteln fließe. „Der Rest wird aus Eigenmitteln bestritten“, betonte Synnatzschke im MZ-Gespräch. Die oft angeführte „Mitgift“ des Landkreises – Investitionskostenzuschüsse von rund 19 Millionen Euro – sind laut dem Geschäftsführer aufgebraucht. Von der Sanierung verspricht sich Asklepios eine deutliche Verbesserung der Infrastruktur. „Im Kernmarkt der Klinik, der Grund- und Regelversorgung, haben wir die größten Chancen und zudem keine Konkurrenz“, betonte er.

Diesen Ansatzpunkt habe die erste Analyse der Fallzahlenauswertung ergeben. Demnach müssten 90 Prozent der Patienten aus einem Umkreis von 15 Fahrminuten zur Klinik kommen. „Wir liegen deutlich darunter“, sagte Synnatzschke, was aber zugleich Potenzial biete. Warum welche medizinischen Bereiche unter dem Durchschnitt liegen, müsse genau analysiert werden. „Der Handlungsbedarf ist erkannt, aber das braucht auch Zeit.“

In der Verantwortung sieht der Betriebsratsvorsitzende Peter Fleischmann allerdings auch die Politik. „Aber da wagt sich irgendwie keiner aus der Deckung“, kritisiert er.

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