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Region Schwandorf
Sonntag, 21. Januar 2018 5

Kultur

Krüge und Kannen als Zeitzeugen

Sonderausstellung „Trink nach alter deutscher Weise“ ist im Oberpfälzer Volkskundemuseum in Burglengenfeld zu sehen.

Steinzeug aus der Regensburger Produktion ist im Museum zu sehen.

BURGLENGENFELD.„Sie gehören zu meinen ältesten Freunden in der Oberpfalz“, sagte Dr. Margit Berwing-Wittl über das Ehepaar Irmgard und Dr. Werner Endres. Die Leitung des Oberpfälzer Volkskundemuseums hat ihr ein enormes Wissen über diese Region und unzählige Kontakte beschert. Immer wieder greifen die Sonderausstellungen des Museums auch heimatgeschichtliche Themen auf oder, wie es 3. Bürgermeister Georg Tretter bei der Vernissage der Ausstellung: „Trink nach alter deutscher Weise – Regensburger Steinzeug und der Historismus in der Oberpfalz“ formulierte: „Schon oft konnten wir in unserem Museum außergewöhnliche, ja spektakuläre Ausstellungen präsentieren, selten aber traf diese Bezeichnung so zu wie im Fall der Steinzeugkrüge und -kannen aus der Produktion von Gustav Friedrich „Fritz“ Thenn in Regensburg-Kumpfmühl, in den Jahren zwischen 1874 und 1886.“

Man könnte auch sagen, die Freundschaft zwischen Dr. Berwing-Wittl und dem Ehepaar Endres hat eine einzigartige Schau möglich gemacht, die zum ersten Mal ein fast vergessenes Kapitel Regensburger und oberpfälzer Geschichte in dieser Form präsentiert. Die abenteuerliche Vorgeschichte der Ausstellung erzählte Irmgard Endres: „Wie kommt man dazu, sich mit Steinzeug aus Regensburg zu beschäftigen?“ Als es das Ehepaar Endres in den 70er-Jahren in die Oberpfalz verschlug, hörten sie im Rahmen ihrer Beschäftigung mit Steinzeug schon bald den Begriff Regensburger Krügl, erzählte sie. Dem „Geheimnis“ wollte man auf die „Spur kommen“. Da sich in der damaligen Ausgabe des Standardwerks zur Regensburger Geschichte von Karl Bauer nur ein Satz zu einer Steinzeugfabrik fand, führte der nächste Weg ins städtische Liegenschaftsamt, wo sich tatsächlich Spuren fanden.

Irmgard Endres erzählte weiter von manch abenteuerlicher Suche nach Überbleibseln der Produktion dieser Fabrik, die sich bis nach Dresden führte, als das noch DDR war. Eine der abenteuerlichsten Suchanekdoten: Als das Ehepaar am Zaun des Anwesens in Kumpfmühl entlangging, das auf dem Grund der ehemaligen Fabrik stand, trafen sie auf einen Mann, der dort lebte und fragten ihn, ob er jemals Steinzeug entdeckt habe. Antwort: „Sie meinen doch nicht das schrecklich graue Zeug, das ich seit 50 Jahren in den Müll gebe?“

Nun, erfreulicherweise gab es eine Stelle des Gartens, die nicht umgegraben war. Als dort der Spaten angesetzt wurde, kamen Brennhilfen über Brennhilfen ans Licht. Als wegen eines Rohrschadens nach einem Wolkenbruch der Hof besagten Anwesens aufgegraben werden musste, weil ein Rohr kaputt war, war das Glück endgültig auf der Seite der Endres.

Wusste Irmgard Endres auch um die technologischen Feinheiten des Regensburger Steinzeugs (Ton aus Regensburg war zum Beispiel zum Brennen völlig ungeeignet) stellte Dr. Berwing-Wittl bei ihren einführenden Worten fest: „Ich gebe gern zu, dass der technologische Aspekt dieser Spezialkeramik für mich eher am Rande stand. Ich wollte schauen, ob und wie die Gefäße in einen kulturellen und gesellschaftlichen Kontext einzuordnen sind.“ So erzählt die Ausstellung auch viel über die Zeit, in der die Gefäße entstanden sind.

Viele faszinierende Gegenstände und Aspekte, die sich beim Blick in die Vitrinen auftun, macht diese Ausstellung möglich. Dazu kommt, dass durch die Unterstützung der Sparkasse Schwandorf ein konkurrenzlos günstiger Begleitkatalog zur Ausstellung verwirklicht werden konnte. Für fünf Euro gibt es fast 60 Seiten regionale Geschichte.

Zur Ausstellungseröffnung gab es einen besonderen musikalischen Rahmen. Es spielten „De 3 Andern“ mit Unterstützung der „Blechan Sait’n“ und der „Lengfelder Stubenmusi“. Zu hören gab es Musik, komponiert von Herzog Max von Bayern, des vielleicht bedeutendsten Förderers der bayerischen Volksmusik der 19. Jahrhunderts.

Die Ausstellung ist bis 21. August zu sehen. Die Öffnungszeiten sind: Montag bis Freitag und Sonntag 14 Uhr bis 17Uhr und nach telefonischer Vereinbarung.

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