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Region Schwandorf
Sonntag, 17. Dezember 2017 10

Handel

Lebkuchen-Verkauf sorgt für Kritik

Seit September bieten Supermärkte in Nittenau das Gebäck an. Die einen freuen sich, für die anderen ist es aber ein Ärgernis.
Von Philipp Seitz

Schon kurz vor dem Ende der Sommerferien boten die ersten Nittenauer Supermärkte Lebkuchen und Plätzchen in den Regalen an. Foto: dpa

Nittenau.Viel erinnerte im September in Nittenau noch nicht an Weihnachten. Die Schüler verbrachten ihre Sommerferien noch am Weiher oder im Schwimmbad, doch in den ersten Nittenauer Supermärkten lagen schon Lebkuchen und Nikoläuse in den Regalen. Viel zu früh, findet nicht nur Konditormeisterin Astrid Seitz von der Confiserie und Chocolaterie „Criollo“ in Taxöldern.

Konditormeisterin•Astrid Seitz ist stolz auf die Auszeichnung für ihre Elisenlebkuchen. Foto: Archiv/Lorenz

Bei ihr hätten die ersten Kunden schon im Juli nach Lebkuchen gefragt. Doch da mache sie nicht mit, sagt Seitz: „Bei der Hitze schmecken doch Lebkuchen noch nicht.“ Sie fange seit Jahren erst im September mit dem Backen an – und auch das sei eigentlich etwas zu früh. „Meine Philosophie ist das nicht unbedingt, aber ich muss dann verkaufen, wenn meine Kunden Lebkuchen wollen“, sagt die Konditormeisterin. Bei den Stollen bleibe sie aber hart: Die gebe es bei ihr erst ab Allerheiligen.

Die Vorfreude nicht verderben

Beim gemeinsamen Frühstück des Nittenauer Frauenbundes liegen in dieser Woche noch keine Plätzchen auf den Tischen. Da geht es dem engagierten Führungsteam auch ums Prinzip. Der Frauenbund wolle die Mitglieder schließlich dazu ermuntern, erst in der Adventszeit weihnachtliche Süßwaren zu kaufen, sagt Vorsitzende Erika Rettinghausen. Die Damen des Frauenbundes würden größtenteils der Versuchung widerstehen, sich schon vor Weihnachten die ersten Plätzchen und Lebkuchen schmecken zu lassen.

Lesen Sie mehr: Schon vier Monate vor Weihnachten wird der Handel mit „Herbstgebäck“ beliefert. Aber wollen die Verbraucher das wirklich?

Das Konsumverhalten sei aber „aus dem Ruder gelaufen“, sagt Rettinghausen und kritisiert, dass schon im Sommer die ersten Lebkuchen von den Supermärkten angeboten werden. „Ich kaufe erst in der Adventszeit die Süßwaren ein und nehme auf die Jahreszeiten Rücksicht.“

Wollen wir wirklich alles immer und überall kaufen? MZ-Autorin Christine Hochreiter kommentiert:

Kommentar

Unsere Stimme

Es ist jedes Jahr das gleiche Procedere. Mindestens vier Monate vor Weihnachten tauchen sie wieder in den Regalen der Supermärkte und Discounter auf: Zimtsterne,...

Ihre Mutter habe immer erst am Buß- und Bettag mit dem Backen für Weihnachten angefangen. Die Plätzchen und Lebkuchen habe es dennoch erst am ersten Adventssonntag gegeben. Inge Hirschmann findet es mehr als fraglich, dass die Weihnachtssüßwaren schon so früh angeboten werden. „Alles hat seine Zeit“, sagt sie. Es sei nicht in Ordnung, „dass gleich nach Weihnachten schon die Osterhasen verkauft werden“.

Welche Meinung haben Sie? Sollten Lebkuchen und Plätzchen erst im Dezember angeboten werden?

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Sollten Lebkuchen nur im Dezember verkauft werden?

Die Mitglieder des Nittenauer Frauenbundes fordern, dass Weihnachtssüßwaren erst ab Dezember verkauft werden. Foto: Seitz

Herta Meier würdigt die Plätzchen und Lebkuchen im Supermarkt keines Blickes: „Ich backe selbst.“ Seit dieser Woche wälze sie schon eifrig den Teig. Der Großteil aus der Weihnachtsbäckerei sei aber nicht für sie selbst bestimmt, sondern werde verschenkt.

Sie wollen sich den Weihnachtsduft schon jetzt in die eigene Küche holen? Hier finden Sie Plätzchen-Rezepte.

Nittenaus katholischer Pfarrer Adolf Schöls übt sich derzeit noch in Geduld. „Ich esse Plätzchen erst ab den Weihnachtsfeiertagen, vorher nur ganz wenige.“ Eine Herausforderung sei das aber auch für ihn, räumt der Geistliche ein: „Es ist verlockend und juckt einen in den Fingern, schon jetzt Plätzchen und Lebkuchen einzukaufen. Ich habe es aber geschafft, da stark zu bleiben.“ Für die Situation der Supermärkte, die schon relativ früh Weihnachtswaren anbieten, hat der Seelsorger Verständnis: „Sie gehen auf Angebot und Nachfrage ein.“

Gesellschaft verlernt das Warten

Allerdings sei die frühe Nachfrage nach Weihnachtswaren für ihn ein Zeichen: „Viele Menschen können nichts mehr erwarten. Man muss alles sofort haben und hat das Warten schlichtweg verlernt.“ Dass viele Plätzchen und Lebkuchen schon im September und Oktober über die Ladentheke wandern, sei ihm klar: „Man freut sich darüber, weil man sie ja schon lange Zeit nicht mehr gehabt hat.“ Auch die Weihnachtszeit habe sich verändert, sagt der Pfarrer. Viele Gläubige seien froh, wenn die „staade Zeit“ wieder vorüber sei, weil sie nicht besinnlich, sondern voller Veranstaltungen und damit stressig sei.

Bereits im Hochsommer startete in Nürnberg die Produktion von Lebkuchen. Foto: dpa

An Weihnachten seien die Menschen ausgelaugt, weil alles in die Vorweihnachtszeit gepresst werde. „So macht man diese Zeit der Vorfreude kaputt“, warnt der Geistliche. Die Vorbereitungszeit sei für viele längst zur Festzeit geworden. Dadurch komme der Tiefgang und die Besinnung zu kurz. Der Frauenbund in Nittenau will deshalb ein Zeichen setzen, zumindest gegen Lebkuchen vor Dezember. „Können Sie noch warten?“, steht auf einem Plakat des Frauenbundes. Alles habe seine Zeit – und der Advent beginne im Dezember.

Das Bistum Regensburg gibt zu diesem Thema kein offizielles Statement ab. Pressesprecher Clemens Neck hat aber eine persönliche Meinung:

Das sagt das Bistum

  • Meinung:

    Vom Bistum Regensburg gibt es keine offizielle Stellungnahme dazu, ob Lebkuchen schon vor Dezember verkauft werden sollten. Pressesprecher Clemens Neck äußert seine persönliche Meinung. Er sagt: „Lebkuchen schmecken auch im September.“

  • Empfehlung:

    Der Leiter der Presseabteilung des Bistums würde Niemandem vorschreiben wollen, wann man sich an Weihnachtsplätzchen freuen soll. Es sei nur so: „Alles hat seine Zeit und seinen Ort. Beides gehört zur Besonderheit auch von weihnachtlichem Gebäck.“

  • Verfügbarkeit:

    Löse man diese Gebundenheit zur Weihnachtszeit, zerstöre man auch einen Teil des besonderen Genusses, sagt Neck: „Ganzjährige Verfügbarkeit lassen unseren Lebkuchen zu einem ganz normalen Keks werden. Das ist wie mit dem Sonntag.“

  • Warnung:

    Verliere der Sonntag seine Kultur, werde er zu einem gewöhnlichen Tag. „Aus solchen Erwägungen heraus stelle ich jetzt keinen Tannenbaum hin, baue keine Krippe auf und esse auch kein Weihnachtsgebäck. Obwohl: Verlocken tun die Lebkuchen mich schon!“

Mehr zum Thema: Die Nürnberger Hersteller haben schon im August mit der Produktion der Weihnachtsleckereien begonnen. Ab September kamen sie in den Supermarkt.

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