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Region Schwandorf
Donnerstag, 23. November 2017 4

Politik

Linke singen Loblied auf Neunburg

„Tolle Unterstützung und Technik“ – die Parteitag-Organisatoren bereuen ihre Wahl nicht. Nur die Zimmersuche war schwierig.
Von Ulrich F. Klein

Die Farbe „Rot“ dominierte beim Parteitag der Linken auf der Bühne. Demokratie, Frieden und Solidarität waren zentrale Schlagworte. Foto: Ulrich F. Klein

Neunburg.Fast unbemerkt von der heimischen Bevölkerung ist am Wochenende in der Schwarzachtalhalle ein für Neunburger Verhältnisse doch eher ungewöhnliches Ereignis über die Bühne gegangen. Der Landesverband der Linken hielt seinen Parteitag ab. Rund 150 Delegierte füllten die Tagungsstätte.

Auffallend viele junge, engagierte Parteimitglieder waren anwesend. „Sicher hat die AfD mit ihrem populistischen Auftreten und ihren Zugewinnen bei den jüngsten Wahlen auf Landes- und Bundesebene dazu beigetragen, dass viele jüngere Menschen gerade in unsere Partei eingetreten sind“, meinte Annika Vogl, Landessprecherin der „Linksjugend solid“ in Bayern, dazu selbstbewusst. „Wir Jungen haben doch ein ganz anderes Verständnis von einer gerechten, freien, demokratischen und emanzipatorischen Gesellschaft als die Rechten.“

Viele neue junge Mitglieder

Die Halle war gut gefüllt, rund 150 Delegierte waren zum Parteitag der Linken erschienen. Foto: Ulrich F. Klein

Diesen Trend bestätigte auch Schatzmeister Herrmann Rottmann. „Unser Bestand an Parteimitgliedern in Bayern hat sich in den letzten Jahren verjüngt, und die Neuen waren vorher noch nie in einer Partei aktiv.“

Selbstbewusst zeigte sich auch Landessprecherin Uschi Maxim in ihren Grußworten zum Parteitag. Mit Blick in Richtung Berlin mahnte sie: „Wir in Bayern gehen respektvoll miteinander um. Haltet auch mal den Mund und lasst andere zu Wort kommen, besonders die Jungen und die Frauen.“

MdB Klaus Friedrich Ernst, Mitbegründer und geschäftsführendes Vorstandsmitglied der WASG. In der Partei Die Linke war er von 2007 bis 2010 stellvertretender Vorsitzender und vom 15. Mai 2010 bis 2. Juni 2012 Vorsitzender. Seit 2005 ist er Mitglied des Bundestags. Hier im Gespräch mit Wolfgang Ziller Foto: Ulrich F. Klein

MdB Klaus Ernst sagte im Gespräch mit unserem Medienhaus, dass speziell die bayerischen Linken aus ihren Erfahrungen aus den Jahren zwischen 2008 und 2010 gelernt hätten. „Sie haben ein gesundes Selbstbewusstsein entwickelt, mit Ecken und Kanten und etwas widerständig, halt typisch ,bayrisch‘“, so Ernst mit einem Augenzwinkern. Insgesamt ist er mit der Entwicklung des Landesverbands sehr zufrieden.

Ernst, der mit seinem Pkw aus Berlin angereist war und fast unbemerkt in die Schwarzachtalhalle gelangte, wirkte genau so entspannt wie die Delegierten. Sie präsentierten einen bunten Querschnitt der Gesellschaft und hatten sich zum Ziel gesetzt, die inhaltliche Planung des Landtagswahlkampfs 2018 in Neunburg in Angriff zu nehmen und zu diskutieren.

In der Mittagspause konnten sich die Delegierten übrigens bei einem warm-kalten Büffet kulinarisch für den weiteren Verlauf der Veranstaltung stärken. Foto: Ulrich F. Klein

Was aber führt eine Partei wie „Die Linke“ ausgerechnet nach Neunburg vorm Wald? Wie kommen die Organisatoren des Parteitags auf diese Idee? Neunburg liegt zwar im Herzen der Oberpfalz und die schmucke Stadt hat in den letzten Jahrzehnten eine stetige Aufwärtsentwicklung genommen. Auch zeichnet sie sich durch eine ausgezeichnete Arbeitsplatzsituation (über 3300 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte finden hier Arbeit) und eine positive Entwicklung im Bereich des Tourismus (rund 100000 Übernachtungen im Jahr) aus. Doch um als politische Kraft überregional größere Aufmerksamkeit zu erheischen, wäre als Tagungsort eine Metropole vielleicht geeigneter gewesen.

„Bayern ist nicht nur München“

Seitens der Linkspartei gibt es aber ein klares Bekenntnis zur Provinz. „Nein, wir haben diese Stadt ganz bewusst ausgewählt. Denn wir wollen gerade auch die Menschen in der ,Fläche‘ erreichen“, erklärt beispielsweise Ates Gürpinar, einer der Landessprecher. Schon 2016 hatte man sich aus demselben Grund für Hof entschieden.

Annika Vogl: „Die Anreise hierher nach Neunburg war in der Tat nicht so einfach. Erst mit der Bahn nach Regensburg, dort umsteigen und weiter nach Schwandorf und von dort mit dem Shuttle weiter nach Neunburg vom Wald. Das war doch sehr zeitaufwendig. Trotzdem gehen wir allgemein gerne hinaus ins Land, denn wir wollen ja möglichst viele Regionen kennenlernen.“ Foto: Ulrich F. Klein

Landesgeschäftsführer Maximilian (Max) Steininger, war einer der ersten, die mit den Vorbereitungen des Parteitags in Neunburg beschäftigt waren, und drückte sich ähnlich aus: „Für uns ist es auch wichtig, dass wir die regionalen Unterschiede im Land kennen lernen. Bayern ist nicht nur München.“

Zur Aufnahme und Zusammenarbeit mit den örtlichen Stellen und Personen befragt, sagte Steininger: „Die Halle und ihre Technik sind super. Die Unterstützung für Vorbereitung und Durchführung unseres Parteitags war es ebenfalls.“ Die Unterbringung in Hotels sei allerdings ein kleiner Kraftakt und zeitintensiv gewesen. „So ziemlich alle Beherbergungsbetriebe sind von uns bis Sonntag belegt“, verriet Steininger.

Die Neunburger selber haben von dem Parteitag allem Anschein nach wenig mitbekommen. Die MZ hat einige Bürger im Umfeld der Schwarzachtalhalle darauf angesprochen. Keiner wusste, dass der Parteitag dort stattfand, jeder war erstaunt. Einigen war es schlicht „wurscht“, die Mehrheit aber fand es gut, dass solche Veranstaltungen in Neunburg stattfinden. „Das kommt ja auch unserer heimischen Wirtschaft zugute“, so die Meinungen.

In der Mittagspause konnten sich die Delegierten übrigens bei einem warm-kalten Büffet kulinarisch für den weiteren Verlauf der Veranstaltung stärken. Von allen Seiten gab es Lob über die Gastronomie zu hören.

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