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Region Schwandorf
Sonntag, 19. November 2017 3

Ortsentwicklung

Markt hat sich hohe Ziele gesteckt

Der Markt Winklarn möchte im leerstehenden Thammer-Anwesen ein Zentrum für Baukultur und Denkmalpflege errichten.
Von Karl-Heinz Probst

Der erste Bauabschnitt zur Sanierung des Thammer-Anwesens läuft derzeit auf Hochtouren. Fotos: Probst

Winklarn.Rückläufige Geburten- und Bevölkerungszahlen sind in Deutschland längst Normalität. Von den Zentren entfernte ländliche Räume sind davon besonders häufig betroffen. Hier kommen oftmals das Problem der Abwanderung, besonders junger Bevölkerungsteile, und eine starke Überalterung hinzu. Beide Prozesse stellen die Regionen und Gemeinden vor gravierende Herausforderungen. Eine begleitende Entwicklung ist die Zunahme leerstehender Wohn- und Gewerbeimmobilien.

Gebäude ohne Nutzung, die oftmals dem Verfall preisgegeben sind. Der Markt Winklarn ist von der Leerstandsproblematik besonders betroffen. Seit 2002 arbeitet Winklarn mit zehn Nachbarkommunen zusammen, weil den Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft klar wurde, dass man das Problem nur gemeinsam erfolgreich anpacken könne.

Erster Bauabschnitt läuft

Der Wunsch der Marktgemeinde Winklarn, aktiv und zielgerichtet an eine Leerstandsbehebung heranzugehen, erfüllte sich 2013, als das ehemalige unter Denkmalschutz stehende Thammer-Anwesen mit Brauerei, Gastronomie und Landwirtschaft für einen symbolischen Euro vom Erben Johann Thammer erworben werden konnte. Dank der Unterstützung der Städtebauförderung mit erheblichen Sanierungszuschüssen und auch der großen Unterstützung durch die Denkmalpflege kann der erste Bauabschnitt mit einem Kostenvolumen von 1,8 Millionen Euro momentan umgesetzt werden. Neben öffentlich genutzten Räumen (Toiletten, Veranstaltungssaal) sollen im vorderen Teil des Anwesens auch kleine, seniorengerechte Wohnungen entstehen.

„Der Markt hat sich damit hohe Ziele gesteckt, aber zurecht, denn es geht um unsere Geschichte und unsere Heimat.“

Bürgermeisterin Sonja Meier

Im zweiten Bauabschnitt, der den hinteren Bereich des Anwesens unter anderem mit der ehemaligen Brauerei betrifft, hat der Markt Großes vor. Geplant ist ein Zentrum für Baukultur und Denkmalpflege, das sich mit den Themen Denkmalpflege, Information, Fort- und Weiterbildung, leerstehende Bausubstanz, energetische Ertüchtigung historischer Bauten, Unterhalt und Pflege, Dokumentation, Monitoring und Nachhaltigkeit beschäftigen soll. Die Maßnahme ist im Rahmen des Förderwettbewerbs EFRE als Leuchtturmprojekt ausgewählt worden. Geplant ist dort auch eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit der Stadt Plasny und dem Technischen Nationalmuseum Prag. Eine gemeinsame Absichtserklärung wurde bereits am 19. September 2016 unterzeichnet.

Symposium

  • Bürgermeisterin Sonja Meier/Architekt Christian Schönberger:

    Vorstellung des Projekts „Zentrum für Baukultur und Denkmalpflege im ehemaligen Anwesen Thammer in Winklarn“

  • Prof. Dietmar Kurapkat/Prof. Peter Morsbach:

    Notwendigkeit des Zentrums für Baukultur und Denkmalpflege aus Sicht von Wissenschaft und Forschung

  • Zdenek Hanzlicek, Bürgermeister der Stadt Plasny/ Ph. D. Pavel Kodera vom Technischen Nationalmuseums Prag:

    Grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Bereich Baukultur und Denkmalpflege

  • Oberkonservatorin Dipl.Ing. Julia Ludwar, Bauarchiv Thierhaupten, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege:

    Bewahrung von Baukultur am Beispiel des Bauarchivs Thierhaupten. Chancen in der Vernetzung verwandter europäischer Einrichtungen

„Der Markt hat sich damit hohe Ziele gesteckt, aber zurecht, denn es geht um unsere Geschichte und unsere Heimat,“ betonte Bürgermeisterin Sonja Meier im Pfarrsaal bei der Eröffnung des Symposiums zur Errichtung des Zentrums für Baukultur und Denkmalpflege. Mit diesem Treffen sollten durch Berichte und Fachvorträge sowie durch Erfahrungsaustausch die Notwendigkeit des Zentrums verdeutlicht und mögliche Organisationsformen diskutiert werden. Teilnehmer waren unter anderem Vertreter des Finanzministeriums, der Regierung der Oberpfalz, das Landratsamtes Schwandorf, des Landesamtes für Denkmalpflege, der IHK Regensburg, der OTH Regensburg, der Stadt Plasny und des technischen Nationalmuseums Prag.

Architekt Christian Schönberger stellte in seinem Vortrag vor, was in dem geplanten Zentrum passieren könnte: Forschung an Objekten (Effektivität von Trockenlegungsarbeiten etc.), praktische Denkmalpflege etwa im täglichen Umgang mit alter Bausubstanz, Aus-, Fort- und Weiterbildung der am Bau Beteiligten, Bauherrnberatung, Wissensvermittlung für Kinder und Jugendliche, Aktivierung von Wissensträgern, Ausstellung von Best Practice-Beispielen.

Erster Schritt

Hauptkonservatorin Dr. Susanne Fischer vom Landesamt für Denkmalpflege unterstützt das Vorhaben in Winklarn.

Hauptkonservatorin Dr. Susanne Fischer, Abteilungsleiterin im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, bezeichnete die Leerstandsoffensive als ersten Schritt zur Revitalisierung der gefährdeten historischen Ortskerne. In Zusammenarbeit mit der Städtebauförderung seien zukunftsweisende Projekte wie die Instandsetzung des Schießl-Hofs in Neukirchen-Balbini oder der Thuraumühle auf den Weg gebracht worden. Auch beim Winklarner Projekt sicherte sie die Unterstützung des Landesamtes zu. Winklarn sei der richtige Ort für ein grenzüberschreitendes Projekt.

Prof. Dietmar Kurapkat von der OTH Regensburg sah noch gewissen Klärungsbedarf in der Formulierung der Ziele. So beschäftige sich die Baukultur nicht nur mit Altbauten, sondern auch mit Neubauten. Kurapkat empfahl, eine Schärfung der Begriffe und genaue Definition der Inhalte vorzunehmen. Für die Revitalisierung alter Bausubstanz sei das Zentrum sehr wichtig, gestand sein Kollege Prof. Peter Morsbach zu.

Die Winklarner haben noch einen weiten Weg vor sich. Insbesondere sind die Organisationsform (Betreiber) und die Finanzierung des Betriebes zu klären. Die Restsanierung des Thammer-Anwesens ist dabei wohl das kleinere Problem.

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