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Region Schwandorf
Dienstag, 20. Februar 2018 5

Naturwissenschaft

Mathe-Ass denkt lieber analog

Der 18-jährige Benedikt Fröhlich steht im Finale des Bundeswettbewerbs Mathematik. Das Querdenken liegt dem Abiturienten.
Von Renate Ahrens

Computer sind nützlich, aber sie können nicht alles, sagt Benedikt Fröhlich. Schwierige Mathematikaufgaben löst er mit Begeisterung. Foto: Ahrens

NABBURG.Wie unterscheidet sich ein Donut von einer Kugel? Natürlich hat das Gebäck ein Loch in der Mitte, aber ein Mathematiker betrachtet diese Frage aus einer ganz anderen Sichtweise. „Topologisch gibt es keine Möglichkeit, den Donut so zu verformen, dass er zur Kugel wird, ohne ihn zu zerschneiden“, erklärt Benedikt Fröhlich.

Bei der Topologie gehe es um die Eigenschaften mathematischer Strukturen – sehr vereinfacht ausgedrückt. Doch eigentlich ist Topologie etwas sehr Abstraktes – und damit etwas, das den 18-Jährigen brennend interessiert. Denn mit einfachen mathematischen Problemen setzt sich der Abiturient längst nicht mehr auseinander. Für ihn könne es gar nicht knifflig genug sein. Es ist seine Lieblingsbeschäftigung, komplizierte Aufgaben und Rätsel zu lösen.

Das Einmaleins ist ihm zu langweilig

In Kopfrechnen, so sagt der junge Mann bescheiden, sei er aber keineswegs besser als andere Schüler. „Dafür brauche ich sogar ziemlich lang.“ Denn das Einmaleins müsse man einfach auswendig lernen, und das sei ihm zu langweilig. Erneut hat der Nabburger Gymnasiast nun nach zwei Hausaufgabenrunden einen ersten Preis des Bundeswettbewerbs Mathematik errungen. Kurz vor Weihnachten wurde Benedikt dafür in München ausgezeichnet.

Insgesamt 1142 Jugendliche aus ganz Deutschland hatten sich beteiligt, davon 264 aus Bayern. Drei Monate Zeit hatte Benedikt, den umfangreichen Fragebogen zu Hause zu lösen. Die vielen anspruchsvollen Aufgaben aus Algebra, Geometrie, Kombinatorik und Zahlentheorie sollen, so das Ziel des Bundesministeriums als Initiator des Wettbewerbs, „Interesse und Freude an der Mathematik wecken und fördern“.

„Das Denken findet zum Glück analog statt.“

Benedikt Fröhlich

Benedikt habe eigentlich ein intuitives Verständnis für Logik, wie er weiß. Und hierbei, so sagt er, sei der Mensch immer noch im Vorteil gegenüber dem Computer. Er selbst interessiere sich durchaus für Informatik, aber er nutze den Computer mehr als Mittel zum Zweck, um etwa Skizzen in der Geometrie zu erstellen oder große Zahlen auszurechnen. „Das Denken findet zum Glück analog statt“, so Benedikt. Doch in der mathematischen Forschung, so erklärt er, wären die Wissenschaftler dank des Computers seit dessen Erfindung durchaus vorangekommen. Noch längst sei in der Mathematik nicht alles erforscht.

Nichts Neues im Unterricht

Gerne diskutiert Benedikt offene Fragen mit Gleichgesinnten. Auch bei den Wettbewerbsaufgaben würde sich hin und wieder Diskussionsstoff ergeben – ihn mit den anderen Teilnehmern zu besprechen und sich darüber auszutauschen, sei jedoch verboten. Mit dem Schulstoff und Schema F seien die Aufgaben nicht lösbar, dafür brauche es schon mathematisches Gespür und Querdenken. Im Unterricht, so sagt der Zwölftklässler nebenbei, würde er längst nichts Neues mehr lernen. „Das ist halt meistens das Problem“, so der Schüler des Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasiums in Nabburg achselzuckend – dabei würden sich die Lehrer große Mühe geben, ihn weiter zu fordern, damit er sich nicht langweile.

Lesen Sie auch: Bereits in der achten Klasse hat Benedikt Fröhlich an Wettbewerben teilgenommen.

In allen Matheklausuren hatte er bisher die volle Punktzahl. Warum das Fach bei vielen Schülern so unbeliebt sei, liege vielleicht auch an den Fragestellungen, die in den Lehrbüchern oft etwas umständlich seien. Genau weiß er es aber auch nicht: „Man sollte mal die Leute fragen, die Mathe nicht mögen.“ Auch in den anderen Fächern hat Benedikt gute Noten.

Improtheater als Steckenpferd

„Na ja, ich könnte schon noch engagierter lernen“, sagt er. In seiner Freizeit mache er – außer Mathematikaufgaben – gerne Brett- und Kartenspiele. Eine weitere Leidenschaft von ihm ist es, Improvisationstheater spielen. Merkwürdigerweise, so erzählt Benedikt begeistert, würden sich viele Teilnehmer der Mathematikwettbewerbe dafür interessieren. Das habe er oft gemerkt, denn es ist es nicht das erste Mal, dass Benedikt an diesem Wettbewerb teilnimmt – seit der achten Klasse macht er das und hat schon viele vordere Plätze erhalten. Die Erstplatzierten wie auch Benedikt haben sich nun mit ihren Leistungen für das Bundesfinale qualifiziert, das im Februar im Taunus stattfindet.

Wettbewerb für Querdenker

  • Beim Bundeswettbewerb Mathematik

    haben 14 Schüler aus Bayern einen ersten Preis in der zweiten Runde errungen. Insgesamt haben sich 1142 Jugendliche aus ganz Deutschland im Jahr 2017 beteiligt, davon 264 aus Bayern. Träger des Wettbewerbs ist „Bildung & Begabung, das Talentförderzentrum des Bundes und der Länder. Jugendliche sollen ihre Stärken entdecken, unabhängig davon, auf welche Schule sie gehen oder aus welcher Kultur sie stammen, das ist das erklärte Ziel. Förderer sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Kultusministerkonferenz. Schirmherr ist der Bundespräsident.

  • Herausragende mathematische Fähigkeiten,

    die schulisches Niveau weit übersteigen, zeigt Benedikt Fröhlich seit vielen Jahren auch bei anderen Wettbewerben, so bei Mathematik-Olympiaden.

In einem Einzelgespräch mit erfahrenen Mathematikern muss der 18-Jährige dann seine Fähigkeiten erneut beweisen. Wer im Kolloquium überzeugt, hat gute Chancen auf den Bundessieg und damit auf ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes – und das ist Benedikts Traum. Natürlich, so sagt er, will er Mathematik studieren. Darauf freut er sich sehr, vor allem, um dabei Gleichgesinnte zu treffen.

Schon jetzt hat er viele Freunde in ganz Deutschland, die er bei den Wettbewerben kennengelernt hat. „Nach Abgabe der Wettbewerbsaufgaben haben wir uns sofort untereinander über die Lösungen ausgetauscht“, sagt Benedikt. Denn für ihn sind mathematische Aufgaben keine Probleme, sondern Herausforderungen.

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